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Markus Reithofer
Autor: Markus Reithofer
7.11.2017

KAWASAKI NINJA H2 SXZiel-Kompression

Kawasaki hat sich Zeit gelassen, um den 2014 von der Leine gelassenen Kompressor-Wolf in einen Schafspelz zu kleiden. Hiermit ist es soweit: Die Ninja H2 SX ist das mit Abstand kräftigste Lebenszeichen der seit Jahren bei praktisch allen Herstellern eher dahin dämmernden Sporttouring-Klasse. Und das im mehrfachen Wortsinn. Kawasaki gibt die Spitzenleistung inklusive Ram-Air-Effekt mit 210 PS bei 11.000 U/min an, unterstützt von einem Kompressor-gefütterten Drehmoment von 137 Nm bei 9500 U/min. Die unvergleichliche Drehmomentkurve wird die Ninja in ihrem Segment unschlagbar machen, wenn es um bergauf führende Geraden zwischen den Spitzkehren österreichischer Alpenpässe geht.

Der Motor wurde komplett überarbeitet, was vom Impeller des Kompressors über das Ansaugsystem bis zu den Kolben, Zylinderkopf, Zylinder, Kurbelwelle und Nockenwellen reicht. Auch das Drosselklappengehäuse und die Auspuffanlage wurden gegenüber der H2 erneuert, was den Motor in Summe um drei Kilo leichter macht. Damit bringt die Ninja H2 SX vollgetankt 256 Kilo auf die Waage, das noch üppiger mit Touring-Features ausgestattete SE-Modell kommt auf 260 Kilo.

Der hohe Wirkungsgrad Kompressor-geladener Motoren hat bei einem Sporttourer den angenehmen Nebeneffekt, dass sich die Verbrauchswerte in Grenzen halten. Kawasaki gibt 5,8 Liter auf 100 Kilometer an, was dem Verbrauch der erheblich schwächeren Z1000SX entspricht und mit dem 19-Liter-Tank eine Reichweite von 330 Kilometer ergibt.
Der neu konstruierte, steifere Gitterrohrrahmen bietet jetzt auch Platz für Sozius und Gepäcksystem (bei 195 Kilo Zuladung). Der längere Radstand bringt mehr Topspeed-Stabilität und der Lenkeinschlag von 30 Grad macht das Handling auch im Nahverkehr gemütlicher. Selbstverständlich sind das komplett justierbare Fahrwerk, ein exzellenter Windschutz und eine gegenüber der Z1000SX komfortablere Soziusposition. Die Ninja H2 SX ist vollständig mit LED-Beleuchtung ausgestattet, das auch ein in die Seitenverkleidung integriertes Kurvenlicht beinhaltet, das je nach Schräglage in drei Stufen zugeschaltet wird.

Der ganz große Fortschritt liegt aber im Elektronikpaket, das nicht nur absolut zeitgemäß ist, sondern die brachiale Leistung der H2 SX im Touringbereich erst sinnvoll einsetzbar macht. Kawasaki hat dafür eine Kombination von Assistenzsystemen gewählt, die dafür sorgen, dass sich das Motorrad in jeder Situation so brav verhält, wie es die Fahrphysik gerade noch zulässt. Das KCMF (Kawasaki Cornering Management Function) ist ein mit einer IMU ausgestattetes Motor- und Fahrwerksmanagement, das Motor- und Chassisparameter während der kompletten Kurvendurchfahrt überwacht und dabei die Bremskraft und die Motorleistung regelt. Darin integriert sind KTRC (einschließlich Traktions- und Wheelie-Kontrolle), KLCM (Launch Control; nur an der SE), KIBS (Intelligentes Bremssystem mit Nick- und Kurvenbremskontrolle) und KEBC (Motorbremskontrolle). Hinzu kommen drei Leistungsmodi und ein nur am teureren SE-Modell verfügbarer Quickshifter, der Hinauf- und Hinunterschalten ohne Kupplung ermöglicht.

Wer mit Gepäck und Sozius auf der Autobahn und über Alpenpässe gleichzeitig schnell und komfortabel unterwegs sein will, kommt an dieser Kawasaki schwer vorbei. Wir freuen uns schon auf die erste Ausfahrt ...

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