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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
1.10.2017

Harley Heritage Classic Erster testDUNKLE ZEITEN, Helle Freude

Wie Elvis in den späten Jahren: So beschreibt Harley selbst die zuletzt angebotene Heritage Classic. Was das bedeutet? Zu viel Glitter und leichtes Übergewicht. Das Ziel war also klar: Das neue Modell sollte eher an den jungen Elvis erinnern. Schwarze Lederjacke statt weißem Catsuit, ehrlicher Rock ’n’ Roll, rebellische Töne, bewegliche Knie. Ist die Übung gelungen?

Allein optisch unterscheiden die Jahrgänge Welten. Die bislang als Chromdampfer bekannte Heritage Classic wurde fast gänzlich vom Glanz befreit und tritt dunkler, zurückhaltender auf. Viele Bereiche, die zuvor strahlen durften, sind jetzt tiefschwarz lackiert: der Lenker, Hebeleien, die Tankkonsole mit dem großen Rundinstrument. Parallel dazu gibt es viele Farbvarianten, die diesen puristischeren Auftritt unterstreichen: zurückhaltende, matte Lackierungen. So erinnert die Heritage Classic eher an Harleys Militärmaschinen aus dem Zweiten Weltkrieg, die legendären WLA-Modelle.

Doch nicht nur optisch brechen nun neue Zeiten an – auch technisch blieb kein Stein auf dem anderen. Der neue Rahmen ist deutlich steifer, statt zweier versteckter Federbeine kommt nun ein modernes Monoshock-Federelement zum Einsatz. Korrespondierend dazu ersetzt Harley die bisherige Front durch eine 49er-Telegabel mit Dual Bending Valve Technologie – spricht sensibler an, bringt besseres Feedback.

Wie alle Softails erhält auch die Heritage Classic den neuen Milwaukee-8-Motor, ergänzt um eine zweite Ausgleichswelle und starr im Rahmen verschraubt. Zwei Versionen dieses Motors stehen zur Wahl: der 107er (1745 ccm, 87 PS, 145 Nm) und der 114er (1868 ccm, 94 PS, 155 Nm). Der optische Unterschied ist an unterschiedlichen Luftfiltergehäusen auszumachen, der preisliche liegt bei rund 2000 Euro.

Für unseren ersten Test konnten wir die stärkere Version ausfassen, die man gut und gerne als Luxus einstufen kann. Wir sind den 107er auf der Street Bob gefahren und würden ihn für ein Tourenmotorrad als durchaus ausreichend einstufen (zumal ja die großen Touring-Modelle auch „nur“ mit dem 107er fahren). Der 114er mag im Durchzug noch einmal eine Spur kräftiger sein, nochmals eine Spur entschlossener – aber das macht den wahren Fortschritt der Heritage Classic ohnehin nicht aus.

Der große Sprung nach vorne besteht in der gewaltigen Verbesserung des Fahrwerks. Der steifere Rahmen in Verbindung mit den besseren Federungselementen und einem radikalen Gewichtsverlust von 17 Kilo bescheren ein deutlich verändertes, viel dynamischeres Fahrverhalten. Die neue Heritage Softail fährt sich um Welten präziser, leichtfüßiger, souveräner. Aufschwingen oder Wankbewegungen in Kurven sind verschwunden, stattdessen zirkelt man präzise und damit auch viel sicherer um die Radien. Eine nochmals erhöhte Schräglagenfreiheit führt dazu, dass man elegant und geschmeidig um die Rundungen kommt und bis zum Aufsetzen der Trittbretter viel Fahrfreude auskosten kann.

Gleichzeitig wurde der Komfort angehoben, da bleiben nun keine Wünsche offen. Der Fahrersitz ist fast so komfortabel wie die Riesensofas auf den Touring-Modellen, der Windschutz bis Autobahntempo recht gut; kleine Verwirbelungen sind erträglich. Der dunkel getönte Teil in der Scheibe stört beim Fahren übrigens gar nicht, auch der obere Rand ist so angesetzt, dass man als durchschnittlich großer Fahrer (1,80 Meter) gut oben drüber sieht.

Harley hat die Innovationsschraube auch in anderer Hinsicht weitergedreht: Die lederbezogenen Gepäckstücke wirken zwar weiterhin wie Taschen, bestehen aber aus hartem Kunststoff und sind daher wasserdicht. Außerdem lassen sie sich mit jeweils drei Schrauben demontieren; den Windschild kann man sogar ohne Werkzeug abnehmen – so kann man aus dem Tourenmotorrad leicht einen Cruiser basteln.

Stichwort Tourer: Auch für diesen Zweck ist die Heritage Classic nun besser geeignet. Neben den weiterentwickelten Seitentaschen bietet das Modell serienmäßig einen Tempomaten, dazu eine USB-Buchse im Bereich des Lenkkopfs, um damit ein Navi oder das Smartphone unkompliziert mit Strom zu versorgen – schlaue Sache. Hübsch sind letztlich auch die neuen Scheinwerfer, die allesamt – also Haupt- und Nebelscheinwerfer – mit LED-Technologie arbeiten.

Unterm Strich, erster Eindruck: Das Fahrerlebnis unterscheidet sich vom alten Modell noch nachdrücklicher als die Optik. Die neue Heritage Classic ist souveräner, dynamischer, sicherer, komfortabler. Sie macht in Kurven mehr Spaß, genauso auf der langen Reise. Mission completed.

Kleiner Einschub nach dem eigentlichen Schluss: Beim Kaufpreis von 26.995 Euro (Österreich) drängt sich die Frage auf, ob man nicht gleich rund 1800 Euro aufzahlt und in eine Road King investiert. Unsere Antwort: Im Vergleich ist die Heritage leichter zu fahren und zu rangieren, präziser zu dirigieren und auch dynamischer – erst recht mit dem 114er-Motor. Wer vor dem noch gewaltigeren Auftritt der Road Glide Respekt zeigt, ist also bei der Heritage besser aufgehoben. Auf der Habenseite der Road Glide: Sie bietet mit dem gummigelagerten Motor weiterhin mehr Komfort im Antrieb, den um ein Haucherl bequemeren Sattel, den etwas besseren Windschutz, geräumigere Seitenkoffer und dank des größeren Tanks mehr Reichweite.

Motorrad Bildergalerie: Harley Heritage Classic 2018

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Gerüchte sprechen ja schon länger davon, dass BMW den Boxer mit einer variablen Ventilsteuerung (VVT) ergänzen könnte. Eine solche Steuerung ist ja prinzipiell nichts Neues, die Bayern verwenden das System seit langen Jahren bereits im Automobilbereich und auch in der Motorradwelt kennen wir es schon: unter anderem von Kawasaki oder Ducati, wo es als DVT Dienst in der großen Multistrada oder der XDiavel versieht.
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