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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
22.9.2017

BMW G 310 GS ERSTER TESTIST KLEIN AUCH FEIN?

60 Kilo weniger, drei zum Preis von einer, 34 statt 125 PS – ist die kleinste GS aller Zeiten angesichts dieser Miniaturisierung auch wirklich würdig, den legendären Namen zu tragen? In die Familie einer Ikone einzuheiraten? Wir machen die Probe aufs Exempel und treten zur ersten Ausfahrt an.

Erster Eindruck: Von der Materialqualität, der Verarbeitung und dem Design ist es allemal gerecht, der in Indien bei Partner TVS gefertigten BMW G 310 GS den weiß-blauen Propeller anzuheften. Sie wirkt solide und erwachsen, lässt die Gedanken an ein Spielzeug („GS für den Setzkasten“) gar nicht erst aufkommen. Kleine Einschränkung: Das monochrome Display ist zwar gut ablesbar, sieht aber schon ein wenig gestrig aus. Und die Warnleuchten (Blinker!) sind bei Sonneneinstrahlung zu schwach.

Technisch basiert die kleine GS auf dem Roadster G 310 R, der 2016 präsentiert wurde und seit Sommer 2017 erhältlich ist. Identisch sind der Rahmen, die Bremsen, die Instrumente und der Motor. Der Einzylinder mit vier Ventilen und zwei oben liegenden Nockenwellen leistet auch hier 34 PS und ein maximales Drehmoment von 28 Newtonmeter, was die GS zu einer Höchstgeschwindigkeit von 143 km/h ermächtigt.

Wo liegen die Unterschiede? Zum einen sind die Federwege deutlich länger – 180 Millimeter vorne und hinten –, außerdem findet sich an der Front ein 19-Zoll-Rad, das perfekt zum Adventure-Styling passt und auch das Offroadfahren begünstigt, wie wir noch sehen werden. Zum Abenteuerlook gehört zudem ein mächtiger Gepäckträger, der hier serienmäßig ist. Ein weiteres Detail: Das ABS ist bei der G 310 GS abschaltbar. Unterm Strich ist die GS mit diesen zusätzlichen Goodies zwar um elf Kilo schwerer als der Roadster, aber mit 169 Kilo vollgetankt noch immer ein Federgewicht. Einziger Haken für kleinere Fahrerinnen und Fahrer: Mit einer Sitzhöhe von 835 Millimeter ist die G 310 GS ziemlich hoch geraten. Eine Kollegin mit Körpergröße 1,65 Meter kam nur mehr mit den Zehenspitzen zum Boden. Immerhin gibt es als Zubehör einen Sattel, der die Sitzhöhe um 15 Millimeter senkt (und einen zweiten, der sie um das gleiche Maß anhebt).

Beim Fahren müssen die Sinne natürlich auf die kleine Hubraumkategorie kalibriert werden: 313 Kubikzentimeter und das moderate Drehmoment sind Werte, die wir üblicherweise mit Scooter assoziieren. Am Motorrad erfordern diese Parameter ein emsiges Vordringen in höhere Drehzahlen, was aber kein Beinbruch ist: Dank Ausgleichswelle läuft der Einzylinder sehr sanft, gibt dabei aber kernig-gute Ansauggeräusche von sich. Auch das Hochdrehen passiert flockig, da sich die BMW-Ingenieure für eine ultrageringe Schwungmasse entschieden haben. Die dunkle Seite dieser Medaille: Beim Anfahren muss man sich sehr konzentrieren, etwas mehr Gas geben und mit der Kupplung sorgsam umgehen, sonst würgt man das Motörchen leicht ab.

Einmal in Fahrt ist es richtig erstaunlich, wie gut und freudvoll man den Single auspressen kann – ab 6000 Umdrehungen mit nochmals mehr Feuer. Bis etwa 120 km/h verbreitet das Maschinchen sprühend-gute Laune, darüber wirkt es dann doch bemüht und gibt starke mechanische Geräusche – ein Heulen – von sich. Längere und schnellere Etappen auf der Autobahn sind daher nicht das Metier der G 310 GS, was man angesichts der Daten auch kaum erwarten durfte. (Obwohl der kleine Windschild seinen Job vorzüglich erledigt.) Konsequenterweise sieht BMW das Modell nicht als Touringbike und bietet aktuell auch keine Seitenkoffer an. Wer sich damit doch auf den weiten Weg machen will, muss sich mit Topcase und Tankrucksack begnügen. Oder auf das Angebot von externen Spezialisten warten.

Das Revier der G 310 GS ist natürlich das urbane Geläuf, wo man mit hoher, aufrechter Sitzposition, extremer Wendigkeit und schlanker Silhouette viele Vorteile genießt. Aber auch im Kurvenreich macht die G 310 GS Spaß: Das niedrige Gewicht lässt sie spielerisch von einer Schräglage in die andere tänzeln, das Einlenkverhalten ist präzise und die Stabilität auch in schnelleren Kurven sehr gut. Einzig die Bremserei kann hier nicht ganz mithalten: Die Single-Scheibe vorne verlangt einen nachdrücklichen Zugriff, die dabei entstehende Verzögerung wird von einer stark abtauchenden Front begleitet. Hier ist die Upside-down-Gabel wohl ein wenig zu weich ausgelegt, was aber andererseits hohen Fahrkomfort auf schlechten Wegen ermöglicht.

Stichwort schlechte Wege: Als GS – Gelände-Sportlerin – muss die kleine BMW natürlich auch abseits des Asphalt zurechtkommen. Und das gelingt ihr erstaunlich gut. Man darf sie natürlich keinen Exzessen aussetzen, aber auf rauen Schotterstraßen fährt die G 310 GS kompetent. Unterstützt vom niedrigen Gewicht, den längeren Federwegen und ziemlich soften, gröber profilierten Reifen (Metzeler Tourance in Sonderspezifikation) kann man staubige Strecken entspannt genießen, während auf großen, schweren Bikes längst der Pulsschlag steigt.

Unterm Strich: Dass in letzter Zeit vermehrt kleine Adventurebikes in den Handel strömen – Honda CRF 250 Rally, Kawasaki Versys-X 300, Suzuki V-Strom 250 und wohl in Kürze auch eine KTM 390 Adventure – liegt natürlich an den aufstrebenden Märkten vor allem in Südost-Asien und Südamerika. Aber sie haben auch bei uns in Europa ihre Berechtigung, wie die BMW G 310 GS beweist: Sie ist hübsch, vielseitig, fährt sich nett, macht Spaß und kostet einen Bruchteil dessen, was für ihre größeren Schwestern verlangt wird. Um genau zu sein: 5950 Euro in Österreich. Die Auslieferungen sollen noch im Oktober beginnen.

Motorrad Bildergalerie: BMW G 310 GS

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