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Clemens Kopecky
Autor: Clemens Kopecky
9.3.2016

DUCATI XDIAVELHÖLLENFEUER

Sinneswandel bei Italiens größtem Sportmotorrad-Hersteller: ausgerechnet ein Hightech-Cruiser soll das Geschäft weiter ankurbeln und Harley-Davidson und Co. Marktanteile kosten. XDiavel (Diavel: Teufel) heißt das höllische Bike, das Ducati ganz offiziell als „ersten großen Schritt ins Cruiser-Segment“ bezeichnet. Mit 755 Millimeter niedrigem Sitz, langen 1615 Millimetern Radstand, tropfenförmigem Stahl-Tank, Zahnriemen-Antrieb statt Kette und standesgemäß vorverlegten Fußrastern verfügt die Italienerin auf den ersten Blick über alle notwendigen Zutaten für filmreife Ritte in den Sonnenuntergang.

Dass sie jedoch viel mehr Talente hat als nur simples Dahingleiten und Eindruck schinden, daran lässt der ursprünglich aus Ducatis Reiseenduro Multistrada 1200 stammende V-Twin keinen Zweifel. Hubraumerweiterung auf 1262 Kubik, 129 Newtonmeter bei 5000 Touren, 156 PS bei 9500 Umdrehungen - nackte Zahlen können nicht annähernd beschreiben wie es sich anfühlt, wenn der gekreuzigte Luzifer sein 240er-Hinterrad mit maximalem Dampfwalzen-Schub gegen den Asphalt stemmt und beim Raketenstart mittels serienmäßiger Launch-Control seine geballte Kraft freigibt. 

Bei jedem Gasgriff-Twist zoomt sich der fahrfertig knapp 250 Kilo leichte Italo-Mephisto mit heftiger Vehemenz durch die Landschaft, presst seinen Reiter ans hintere Ende der kommoden Sitzmulde und zeichnet garantiert schneller für Tunnelblick verantwortlich als ein paar Gläschen Grappa aus Vicenza. Mindestens genauso sportlich beißen auch die himmlisch verzögernden Brembo-Bremszangen ins Stahl der Bremsscheiben. Wenn das alles „Cruisen“ sein soll, haben Sport-Motorräder wohl ausgedient.

Gänsehaut beschert auch das kernig-dumpfe Grollen aus den tiefgelegten, seitlichen Doppelrohr-Schalldämpfern und die für Cruiser-Verhältnisse unübliche Schräglagenfreiheit, die die kurvenhungrige XDiavel ebenfalls als durchtrainierten Kraft-Sportler entlarvt. Erst bei 40 Grad sprühen die Funken – dem beschwingten Kurventanz sind im Sattel des herrlich neutral ausbalancierten, knackig abgestimmten Teufels daher kaum Grenzen gesetzt. Für 22.995 Euro garantiert das Basis-Modell der XDiavel eine bislang unvergleichlich dynamische Cruiser-Erfahrung. Kompromisslose Ästheten sollten besser 26.995 Euro zur Seite legen: Die technisch idente, jedoch noch luxuriösere S-Version der X-Diavel bezirzt mit spektakulär gefrästen Felgen, LED-Tagfahrlicht, Bluetooth-Modul, Premium-Sitzbank und vielen Detail-Verschönerungen.
Mehr zur neuen Ducati XDiavel ist in der Motorradmagazin-Printausgabe 1/2016 zu lesen!
DUCATI XDIAVEL

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