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Clemens Kopecky
Autor: Clemens Kopecky
28.2.2020

R.U.N. by Cirque du Soleilrien ne va plus

Atemberaubende Akrobatik, opulente Bühnenbilder, mystische Musik und farbenprächtige Kostüme – mit extravaganten und teuren Inszenierungen hat sich der 1984 gegründete „Cirque du Soleil“ weltweit zum Inbegriff des „Zirkus“ gemausert. Dem ursprünglichen Konzept des „Cirque Nouveau“, der auf außergewöhnliche Athletik und ausgefeilte Dramaturgie statt auf Sägespan-Manege und exotische Tierdressur setzt, ist man bis heute ausnahmslos treu geblieben. Ein Großteil der weltweit rund 1300 Akrobaten des Unterhaltungsunternehmens blickt auf eine erfolgreiche Karriere im Leistungssport zurück, der technische Schwierigkeitsgrad ihrer Showacts ist daher nicht selten vergleichbar mit jenem eines Wettbewerbs auf WM- oder Olympia-Niveau.

Was in den 1980ern von einigen Artisten unter der Leitung von Guy Laliberté als Straßenkünstler-Gruppe im kanadischen Baie-Saint-Paul begonnen hat, darf als Paradebeispiel einer unternehmerischen Erfolgsgeschichte bezeichnet werden: der Cirque du Soleil erwirtschaftet mit insgesamt 4000 Beschäftigten rund 600 Millionen Euro Umsatz jährlich. Der Gründer und nebenberuflicher Poker-Profi ist längst Milliardär. Laliberté leistete sich zum 50. Geburtstag einen Weltraumausflug zur Weltraumstation ISS und konnte sich unter anderem auch den Traum einer eigenen, 2,3 Quadratkilometer großen Pazifik-Insel erfüllen: auf Nukutepipi in Französisch-Polynesien östlich von Tahiti wurde er 2019 wegen Cannabis-Anbau kurzfristig in polizeiliches Gewahrsam genommen – die Plantage sei ausschließlich für Eigenbedarf, beteuerte Guy Laliberté.

Seit der Cirque du Soleil 2015 mehrheitlich an ein Investorenkonsortium unter Führung des US-Risikokapitalfonds TPG Capital und dessen chinesischen Partner Fosun Capital verkauft wurde und außerdem Unternehmen aus Dubai ihre Finger im Spiel haben (Laliberté hält noch zehn Prozent), fährt der Cirque du Soleil auf ehrgeizigem Wachstumskurs. Rund zwei Dutzend verschiedene Shows sind weltweit aktuell im Programm, sieben davon gehen täglich in Las Vegas über die Bühne. Weil der Bedarf an Zirkusperformances damit zumindest vorläufig gedeckt scheint, versucht man mit neuen Showkonzepten frische Publikumskreise zu erschließen und so den Profit zu steigern. Neben einer neuen Eislaufshow sollte ab sofort auch „R.U.N.“ die Kasse klingen lassen: Cirque du Soleil bezeichnet die Multimedia-Performance als „ersten Live-Actionthriller“, der zehn Mal wöchentlich in einem eigens gestalteten Aufführungssaal des Luxor Casinos in Las Vegas dargeboten wird. Statt klassischer Akrobaten besteht das Ensemble großteils aus Stunt-Männern und -Frauen, die sich auf der Bühne und im Zuschauerraum erbitterte Kampfszenen liefern – garniert mit wilden Verfolgungsjagden und aufwändigen Pyrotechnik-Effekten. Für das Drehbuch zeichnet Robert Rodriguez, der Genius hinter „Sin City“, „From Dusk Till Dawn“ and „Alita - Battleangel“ verantwortlich.

Die rund 75-minütige Story in neun Kapiteln entführt die Zuseher in die Wüste Nevadas, wo sich in der Unterwelt von Las Vegas die imaginären Straßengangs „Blackjax“ und „Streetkingz“ bekriegen. Ein überwiegender Teil der ausgeklügelten Choreographie auf der 60 Meter breiten und über 20 Meter hohen Bühne, die außerdem als Teil einer 35 Millionen Pixel großen Videoprojektionsfläche dient, setzt auf den Einsatz eines Chevy Camaro Muscle-Cars und insgesamt sechs Motorrädern. Wer nun auf knatternde Motoren und Auspuffnebel hofft, wird jedoch überrascht sein: Die ausgewachsenen Trials, Motocrosser und Stuntbikes werden allesamt von surrenden Elektromotoren angetrieben und liefern sich teilweise auf einem gigantischen Laufband adrenalingeladene Duelle, die von laut pulsierender Rockmusik untermalt werden. Neben Burnouts, Stoppies und Wheelies in allen Variationen bewältigen die Trialpiloten stattlich große Indoor-Hindernisse, während sich die FMX-Fahrer über eine 3,7 Meter hohe Absprungrampe bis zu 12 Meter in die Luft katapultieren – zehn Meter über Zuseher-Niveau. Die Motorrad-Action scheint zum Greifen nahe, denn auch die Gänge zwischen den Sitzreihen werden zeitweise in die Performance integriert.

Dass die ersten Internet-Rezensionen zu R.U.N. seit der Oktober-Premiere im Vergleich zu anderen, erfolgsverwöhnten Cirque-du-Soleil-Produktionen kritisch ausfallen, können wir nach unserem Lokalaugenschein im Luxor teilweise nachvollziehen. Die Handlung ist so banal wie bei einem durchschnittlichen Action-Blockbuster, die aufwändige Bühnentechnik und die packenden Motorrad-Stunts faszinieren aber durchaus. Selbstverständlich kann die Komplexität der gezeigten Tricks alleine platzbedingt nicht ganz mit „Nitro Circus“ oder „Masters of Dirt“ mithalten. Mit der kurzweiligen Live-Inszenierung, die sich durch ihre bislang einzigartige Mischung von Comicfilm, Motorrad- und konventioneller Stuntshow von allen bekannten Formaten unterscheidet, zeigt Cirque du Soleil respektables Engagement außerhalb des Rahmens einer konventionellen Bühnenperformance zu denken.

Belohnt wird dieser Mut leider nicht: heute hat das Unternehmen mit Hauptsitz in Montreal völlig überraschend das Ende von R.U.N. angekündigt. Die letzte Show geht am 8. März über die Bühne - das Experiment „Motorrad-Stuntshow" endet für die Entertainment-Profis damit nur vier Monate nach der Premiere. Grund sind wohl die enttäuschten Erwartungen des Publikums. Wer sich nämlich epochal inszenierte, klassische Zirkusartistik von Cirque du Soleil erhofft hatte, wurde von R.U.N. garantiert enttäuscht. Für waschechte Motorrad-Fans mit einem Faibel für Action-Movies hätte die spektakuläre Show während eines Trips an die US-Westküste jedoch durchaus zum Reise-Pflichtprogramm gehören dürfen. Nur noch wenige Tage gibt es eine Chance die einzigartige Show live zu sehen - dann heißt es für R.U.N. in Las Vegas „rien ne va plus".

Fotos: Cirque du Soleil

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