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Hanno Voglsam
Autor: Hanno Voglsam
15.12.2021

Elektromotorräder 2022Drehmoment statt Dezibel

Unter dem Motto „Drehmoment statt Dezibel“ habe ich mich bei der EICMA 2021 auf die Suche nach Motorrädern gemacht, die genau dieses Kriterium erfüllen. Ich bin fündig geworden und habe aus einer Vielzahl der ausgestellten Bikes die aus meiner Sicht spannendsten in meinem Beitrag zusammengefasst.

Das ehemals als RMK E2 bekannte Elektromotorrad aus Finnland geht laut Herstelleraussagen demnächst in Produktion und wird dann Verge TS heißen. Als Antrieb dient wohl ein 80 kW (107 PS) starker Elektromotor, der ein maximales Drehmoment von sagenhaften 1000 Newtonmetern ans Hinterrad abgeben soll. Der E-Motor an sich sitzt dabei als Ring im Hinterrad, das damit völlig nabenlos ist. Als Reichweite verspricht der Hersteller bis zu 300 Kilometer, nach 15 Minuten an der Steckdose sollen wieder 100 Kilometer möglich sein. Die 249 Kilo schwere Verge TS um 24.990 Euro kann bereits vorbestellt werden, 100 Euro Anzahlung werden fällig.

Das Italo-E-Bike Lacama von Italian Volt (Teil der Tazzari EV Group) soll es ab dem ersten Quartal 2023 angeblich in einer unglaublich vielfältigen Designpalette geben. Eine komplette Brembo Bremsanlage und das Öhlins Fahrwerk sind dann serienmäßig verbaut, der Endantrieb erfolgt via Zahnriemen. Bei der Akkureichweite spricht man von bis zu 200 Kilometern. 

BILDERGALERIE ITALIAN VOLT LACAMA:

Ein Highlight der EICMA 2021 war auch die Soriano Giaguaro. Seit den 1950er Jahren existierte die spanischen Marke „Soriano Motori" nicht mehr. Jetzt sicherte sich ein italienisches Unternehmen die Markenrechte und bringt unter der traditionellen Flagge drei Elektromotorräder auf den Markt, die unter dem Titel „Giaguaro", was auf Italienisch „Jaguar" bedeutet. Abgesehen von der spektakulären Aluminiumgabel nach „Hossackprinzip" sollen die Giaguaros mit einem Dreigang-Getriebe ausgestattet sein. Der erste Gang soll optimales Drehmoment für niedrige Geschwindigkeiten offerieren und auch als Motorbremse verwendet werden können. Der zweite Gang wurde für Stadtverkehr optimiert, der dritte für Langstrecken. Auch das „Auspuffgeräusch" soll frei wählbar sein.
Die Soriano Giaguaro „V1 Gara" ist mit 75 kW (100 PS) und 145 Newtonmetern maximales Drehmoment das Flaggschiff der Modellpalette. Damit will sie in 3,5 Sekunden von 0 auf 0 100 km/h beschleunigen – ein Fahrwert ungefähr in der Liga von Zero SR/F und Harley-Davidson LiveWire. 120 bis 160 Kilometer sollen mit einer Akkuladung möglich sein, die Preise liegen zwischen 25.000 und 30.000 Euro.

Im Vergleich zum boomenden E-Automarkt ist die Auswahl 2021 an elektrischen Motorrädern bei denen „alles“ stimmt nahezu ernüchternd. Und das, obwohl es auch bei den einspurigen Fahrzeugen ab 2030 in der EU zu Beschränkungen der Zulassungsfähigkeit von Neufahrzeugen kommen wird. Im Vergleich dazu gibt es im 50 ccm (L1e) Äquivalent bzw. 125 ccm (L3eA1) Äquivalent bereits sehr viele qualitativ hochwertige Produkte für jeden Einsatzzweck und jedes Börserl. Man bedenke an dieser Stelle, dass bereits heute jedes fünfte Moped und jede zehnte „125er“ an neu zugelassenen Einspurigen in Österreich einen elektrischen Antrieb hat.

Manche Hersteller haben rechtzeitig damit begonnen sich dem Thema Elektromobilität so anzunehmen, sodass sie heute einen ausgereiften Antriebsstrang samt Batterieblock und praxisgerechter Ladetechnik anbieten können. Drei ernstzunehmende Marken bzw. Produkte gibt es am Markt, allesamt mit scharfen Geräten: Energica, LiveWire (Harley-Davidson) und den Pionier unter den Elektromotorrädern, Zero Motorcycles.

Zero Motorcycles war erwartungsgemäß mit dem imposantesten Stand aller E-Motorrad-Hersteller auf der EICMA vertreten und hat die gesamte Modellpalette präsentiert. Die neue FXE in der 11-kW-Variante (15 PS) macht mit ihren 109 Newtonmetern keine Gefangenen in der „125er“ Klasse – sie frisst sie alle. Vom ersten Meter weg bis zu den 132 km/h Spitzengeschwindigkeit gibt es kein vergleichbares Serienmotorrad am Verbrenner-Markt, welches hier auch nur annähernd mithalten kann. Darüber hinaus ist sie, so wie die FX, auch als 15-kW-Variante (20,4 PS) mit einer Spitzenleistung von 33 kW (45 PS) und 109 Newtonmetern zu erstehen.

Die Zero-Baureihen S und DS kommen in der 11-kW-Version mit 14,2 kWh Akkukapazität und optionalem Power-Tank, sprich zusätzlichen 3,6 kWh, oder einem optionalem Charge Tank. Besonders schick ist das neue Display, welches ab dem Modelljahr 2022 verfügbar ist. 
Außerdem stellt Zero für das Modelljahr 2022 eine neue Batterie-Technologie vor, die um 20 Prozent leistungsstärker sein soll. Die Akkus sind in 14,4+ kWh und 15,6+ kWh verfügbar und kommen 2022 in SR, SR/S und SR/F zum Einsatz – beide Akkuvarianten können optional bis auf 17,3 kWh erweitert werden – dazu gleich mehr.

Besonders spannend bei der Produktpalette der Zero Motorcycles ist die neue SR. Das neueste Baby aus der kalifornischen Motorradschmiede ist eine Meisterleistung im Motorradbau. Die Fahrbarkeit der Baureihe ist so unbeschreiblich lässig, dass es nur so eine Freude ist. Radstand, Lenkkopfwinkel und Geometrie gepaart mit dem „E-Murl“ machen einfach nur Freude und man brüllt beim Fahren euphorisch in den Helm. Wie ist das ohne Auspuffsound und Motorenlärm möglich?!

Außerdem erhält das runderneuerte Naked Bike Zero SR ab kommender Saison zahlreiche Upgrades: Die 222 Kilo schwere SR um 18.990 Euro teilt sich ab sofort die Oberklasse-Plattform mit der SR/F und ist serienmäßig mit dem Z-Force 75-10 Motor (166 Newtonmeter und 74 PS, maximal 167 km/h) ausgestattet. Über den virtuellen „Cypher Store“ lässt sich unter anderem optional auch die volle Akkukapazität, Ladeleistung und Antriebs-Power (110 PS, 199 Newtonmeter, 200 km/h) freischalten oder die SR mit der "Advanced Bosch Motorcycle Stability Control" aufrüsten. Dann funktionieren ABS, Traktionskontrolle und Schleppmomentregelung auch schräglagenabhängig. Man kauft also ein Motorrad in Basis-Konfiguration und kann dann im Laufe der Zeit selbst per Smartphone Upgrades dazukaufen. Ebenfalls neu bei der SR ist die Möglichkeit über den eingebauten Typ-2-Stecker via optionalem Adapter überall an Haushaltssteckdosen laden zu können. 
Wie erwähnt ist die SR aktuell mit 40 kW Nennleistung und 166 Nm Drehmoment angeführt. Ich hoffe aber stark auch auf eine 35-kW-Variante, dann geht sie nämlich auch als L3eA2 (für A2-Führerschein) durch.

Mit italienischer Grandezza präsentierte sich ENERGICA mitten in Mailand. Abseits des EICMA-Messetrubels wurden die 2022er Modelle präsentiert. Die Produktpalette mit der EsseEsse9, der Eva Ribelle und der EGO ist bereits wohlbekannt und die neuen Farben können sich sehen lassen. Die Kerndaten sind jetzt 110 kW Nennleistung und 215 Newtonmeter Drehmoment bei den Topmodellen. Das ist schon beachtlich viel. Geht ab wie Schmitts Katze, die Energica, ist jedoch rau zu fahren – aber sehr fein in der Machart.

Motorradsportpromoter Dorna hat kürzlich den Ausstieg des italienischen Elektromotorradherstellers aus der MotoE bekanntgegeben. Energica wird in der kommenden Saison ein letztes Mal das komplette Feld mit ihren Fahrzeugen (Ego Corsa) bestücken, sich aber am Ende der Saison 2022 aus der MotoE zurückziehen – Ducati übernimmt.

Bei den Serienfahrzeugen hat sich Energica für 2022 dem Kampf gegen das Fahrzeuggewicht verschrieben. Ab sofort wird serienmäßig ein neuer EMCE-Motor mit Lithium-Polymer-Batterie verbaut, der eine Gewichtsreduzierung von etwa 10 Kilo und laut Hersteller eine Reichweitenerhöhung von 5 bis 10 Prozent je nach Fahrweise ermöglicht. Die Leistungsdaten können ebenfalls beeindrucken. Der 260 Kilo schwere Supersportler EGO+ (ab 29.892 Euro) verfügt wie zuvor erwähnt über ein Drehmoment von 215 Newtonmeter, mit einer Dauerleistung von 147 PS und einer Spitzenleistung von 169 PS.  Bis zu 420 Kilometer Reichweite sollen in der Stadt möglich sein, auf der Autobahn immerhin 128 Kilometer. 

Die günstigste Möglichkeit eine in Italien gefertigte Energica zu besitzen, ist aktuell die EsseEsse9 in Retro-Style - hier beginnt der E-Spaß ab 25.663 Euro. 

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