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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
24.7.2022

Rennstrecke Brünn: Die ZukunftWas ist dran an den Gerüchten?

Ivana Ulmanová, Direktorin der legendären Rennstrecke im Brünn, im Interview über die Pläne nach der MotoGP, Gerüchte über Umbauten und die Zukunft des Rings.

Seit kurzem kursieren einige Gerüchte über die Zukunft der Rennstrecke: Sie soll geschlossen werden und einem Wohnpark weichen. Ist hier etwas dran? Wie sieht die Zukunft tatsächlich aus?

In der Zukunft wird sich an der Rennstrecke nichts ändern. Wir konzentrieren uns darauf, unseren Besuchern und Fahrern bestes Service zu bieten. Wir freuen uns weiterhin, alle willkommen zu heißen, die uns in dieser und den nächsten Saisonen besuchen. Es gab eine theoretische Studie, die Möglichkeiten zur Entwicklung des Areals ausgelotet hat, aber wir sprechen hier über einen Zeithorizont von zehn Jahren und darüber hinaus. Was die Gerüchte betrifft: Es gibt keine Pläne, den Betrieb der Rennstrecke in den kommenden Jahren einzuschränken.

Wie sind diese Gerüchte Ihrer Meinung nach enstanden?

Das Automotodrom Brünn ist ein sehr starker wirtschaftlicher Faktor in der Region, daher ist es immer interessant, hier Gerüchte zu streuen. In den vergangenen Jahren hatten wir einige Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der MotoGP; es braucht nicht viel, um hier Gerüchte zu entfachen, die unglücklicherweise zumeist nicht auf Tatsachen beruhen.

Die Fans können also aufatmen: Die nächsten Jahre sind definitiv gesichert. Ist das so korrekt?

Ja, das kann ich bestätigen. Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln.

Sprechen wir über die Strecke selbst: Leider gibt es ja seit 2021 keine MotoGP-Läufe mehr. Hat sich dadurch etwas am Gelände oder dessen Einrichtungen verändert?

Wir streben immer nach dem besten Service, auch ohne MotoGP. Unser Team ist hoch qualifiziert und wir wollen allen Fahrern den höchsten Standard bieten – darauf bin ich sehr stolz. Jeder hier will die Fahrer nach besten Möglichkeiten in allen Belangen unterstützen. Die Track Marshalls, die Race Control, das medizinische Zentrum, die Unterkunft – das Service, den die Fahrer hier bekommen, bewegt sich auf hohem Niveau, und das wollen wir auch beibehalten.

Einige Fahrer beschweren sich über den Zustand der Fahrbahn. Auf der anderen Seite sieht man bei Track Days immer wieder überraschend gute Rundenzeiten. Wie passt das zusammen?

Ich beziehe mich immer auf Tatsachen. Wir haben die Fahrbahn mit der Dorna (MotoGP-Veranstalter, Anm.) diskutiert, aber immer vor dem Hintergrund eines MotoGP-Laufs. Wir beobachten die Rennstrecke sehr genau und ich habe viele professionelle Fahrer um ihre Meinung gebeten. Klar, es ist kein neuer Asphalt, aber er ist noch in sehr gutem Zustand – das bestätigen auch die Rundenzeiten. Unglücklicherweise wiederholt sich hier das Thema der Gerüchte: Es wurde gesagt, dass die Fahrbahn für die MotoGP verbessert werden sollte, und plötzlich meinen einige, dass sie für alle Zwecke unzureichend sei – obwohl die Rundenzeiten identisch sind.

Die Rennstrecke in Brünn ist in vieler Hinsicht speziell, vor allem aufgrund der Höhenunterschiede. Was macht den Ring aus Ihrer Sicht noch einzigartig?

Heuer feiern wir das 35. Jubiläum des Bestehens. Ich würde sagen, der größte Bonuspunkt des Rings ist seine Zeitlosigkeit. Er bietet eine breite Strecke mit vielen Auf- und Abfahrten, ist umgeben von einer wunderschönen Landschaft, man kann einfach nie genug davon bekommen. Nimmt man noch den hohen Servicegrad und die einladende Stadt gleich um die Ecke dazu, dann kann man sich kaum einen besseren Ort vorstellen.

Als Direktorin dieser legendären Rennstrecke: Worauf sind sie besonders stolz? Und warum sollte man als sportlicher Motorradfahrer einmal hier gewesen sein?

Es ist die Kombination aus allem, das ich bereits angesprochen habe, aber einen Punkt möchte ich noch einmal betonen: In Europa wird man schwer eine andere Strecke finden, die so viel Wert auf Service legt. Wir mögen nicht die neueste, nicht die modernste Anlage sein, aber wir achten darauf, höchste Standards einzuhalten, damit jeder seinen Aufenthalt an einer der schönsten Strecken der Welt genießen kann.

Österreichische Rennfahrer und Teamchefs über ihre Erfahrungen in Brünn 

Maximilian Kofler, Supersport-WM
„Brünn ist in puncto Layout eine der coolsten Strecken, weil’s von langsam bis schnell sehr unterschiedliche Kurven gibt. Die ewig langen Radien, die ­Streckenbreite und das Bergauf und Bergab sind sehr anspruchsvoll. Jedenfalls ist es eine der schwierigsten Strecken und es ist nicht leicht, auf eine gute Rundenzeit zu kommen, nicht nur wegen der wechselhaften Gripverhältnisse. Aus den langen Radien muss man auf die folgenden, ebenfalls langen Geraden viel Schwung mitnehmen. Besonders bei meiner Brünn-Premiere in der Moto3 musste ich mich erst mal zurechtfinden, weil die Strecke da noch mal viel breiter wird als mit einem großen Motorrad! Schade, dass ich das letzte Mal schon 2020 mit der WM dort war – man kommt viel zu selten hin! Trotzdem super, dass es so eine tolle Naturrennstrecke bei uns in der Gegend gibt.“ 

Mandy Kainz, Twamchef YART
„Der Ring in Brünn ist für uns nicht nur aus geografischer Sicht sehr gut ­gelegen, er ist auch extrem breit, besteht aus vielen sehr schnellen Radien und Wechselkurven und ist außerdem eine recht sichere Strecke. Sie ähnelt jener in Suzuka, daher sind wir zwei- oder dreimal jährlich mit YART zum Testen dort. Wir haben mit Karel Hanika auch einen Fahrer aus Brünn, daher liegt das für uns auf der Hand. Und es ist eigentlich eine Yamaha-Strecke, schon immer gewesen – da kann man sehr flüssig fahren.“ 

Thomas Gradinger, IDM-Supersport
„Das Streckenlayout ist ganz was Besonderes und anders als die modernen, flachen Strecken ohne Charakter. Brünn ist eine Berg-und-Tal-Bahn fast mitten im Wald – es ist altmodisch, aber charismatisch. Das taugt mir sehr. Und es gibt wegen der Breite sehr viele mögliche Linienvarianten. Da fühlt man sich zwar anfangs ein wenig verloren, trotzdem ist es eine lässige Strecke. Es zahlt sich auf jeden Fall aus, dort zu trainieren.“

Andreas Gangl, mehrfacher Berg-Meister
„Es ist wie der Red Bull Ring eine der letzten Naturrennstrecken. Aus der Schwantz-Kurve mit rauchendem Hinterrad rausfeuern, so was gibt’s fast nur in Brünn! Die Kurvenkombinationen sind einfach Weltklasse, legendär – nicht grundlos ist Brünn die Lieblingsstrecke vieler Profi-Racer wie etwa Max ­Biaggi. Auf den ersten Blick sieht das Layout einfach aus, aber es ist total schwierig, eine Rundenzeit rauszuhauen, eine echte Aufgabe! Die breite Strecke verleitet dazu, schnell in die Radien reinzufahren, dann hat man am Kurvenausgang aber zu wenig Geschwindigkeit. Man muss sich zwingen, am Eingang zu investieren, damit man am Ende mit Zunder rausfahren kann. Was soll ich sagen, Brünn ist einzigartig und einfach geil! Ich bin irrsinnig gern dort.“ 

Martin Tritscher, Superbike-IOEM
„Die Strecke ist extrem breit und das ist richtig geil. Das Layout schaut flüssig aus, das Geheimnis liegt aber darin, spitz zu fahren! Möglichst gerade und stark anbremsen, spät einlenken, umlegen und schnell mit 30 bis 35 Grad Schräglage wieder rausfeuern, da hat das Motorrad den meisten Grip. Also immer das Bike so lange wie möglich gerade halten und die berühmte ­„V-Linie“ fahren. Natürlich ist auch die Gegend rundherum schön. Der Grip mit gebrauchten, harten Reifen ist nicht perfekt, mit neuen, richtig weichen Gummis passt das aber wirklich gut. Trotzdem ist die Strecke sicher ein oder zwei Sekunden langsamer geworden, als sie noch vor ein paar Jahren war. Aber nach wie vor ist alles total safe. Man kann sich sehr gut ans Limit herantasten, weil viel Platz für Verbremser auf der Strecke ist – das geht am Pannoniaring beispielsweise nicht. Ein kleiner Tipp zur Orientierung: Die Bremspunkte in Brünn sind zirka am Anfang der Außencurbs! Seien wir einfach froh, dass es die Strecke noch gibt.“ 

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