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Harley Iron 1200 Test

MEHR EISEN!

Harley-Davidson Iron 1200 im ersten Test: Mehr Eisen für wenig KohleHarley-Davidson Iron 1200 im ersten Test: Mehr Eisen für wenig Kohle
Die Iron 883 ist seit Jahren ein Dauerbrenner bei Harley – nicht nur, weil sie eine der günstigsten Möglichkeiten darstellt, an ein luftgekühltes US-Bike zu kommen, sondern auch wegen des puristischen, coolen Looks. Nur konsequent also, dass die Amerikaner nun auf den Erfolg aufbauen und der kleinen Iron eine große Schwester zur Seite stellen: die Iron 1200.

Den größten Unterschied macht natürlich der Motor, der deutlich gehaltvoller auftritt und deutlich mehr Performance bietet: 66 statt 51 PS, saftige 96 statt 68 Newtonmeter an maximalem Drehmoment. Beides erkauft man sich nicht durch mehr Gewicht: Die Iron 1200 wiegt fahrfertig und vollgetankt 256 Kilo – genau so viel wie die 883. Zudem ist die Sitzhöhe beim stärkeren Bike mit 735 Millimeter sogar niedriger.
Der Motor bleibt nicht der einzige Unterschied. Im Gegensatz zur flach bauenden Iron 883 bekam die 1200 einen höheren Lenker verpasst. Genau genommen einen Mini-Ape-Lenker mit hoch angesetzten Blinker. Außerdem spendierte man eine kleine Scheinwerfer-Verkeidung im West-Coast-Style, einen Café-Einzelsitz mit hübscher Rautensteppung sowie farbenfrohe, leicht leicht hippiemäßig anmuntende Tank-Graphics im Seventies-Look.

Geblieben sind sowohl das größere, schlanke 19-Zoll-Vorderrad, die Faltenbälge an der Gabel als auch das dunkle Erscheinungsbild der Technik-Komponenten. Antrieb, Rahmen, Lenker, Felgen, Schalldämpfer – alles ist in Schwarz gehalten. Für all das zahlt man in Österreich nun 13.395 Euro, was einen moderaten Aufpreis von 1095 Euro auf die 883 bedeutet.
Zahlt sich dieser überschaubare Aufpreis aus? Nach unseren ersten Testfahrten an der kroatischen Küste können wir unumwunden sagen: Auf alle Fälle! Der größere Motor ist deutlich souveräner, aber auch das Sitzgefühl ist entspannter. Wir hatten ja vor dem Test befürchtet, dass sich aufgrund des Mini-Ape-Lenkers und der zentralen Fußraster-Position eine ähnlich ungute Sitzhaltung ergibt wie auf der Street Bob. Diese Befürchtung war umsonst. Der Lenker kommt dem Fahrer hier eher entgegen, man bringt den Rücken in eine leicht zurückgelehnte Position, auch der Sattel ist sehr komfortabel. Die Fußhaltung ist okay, allerdings würden wir auch hier die Raster um zehn oder sogar 20 Zentimeter nach vorne verlegen. Ist ja dank des gewaltigen Zubehörangebots kein Problem.

Beim Fahren zeigt sich, dass die Iron 1200 im Gegensatz zu ihrem finsteren, puristischen Look sehr komfortabel abgestimmt ist. Trotz kurzer Federwege schlagen hier keine Fugen und Löcher durch, das passt fürs entspannte Cruisen. Überraschend gut ist das Einlenkverhalten, das man durchaus als spielerisch bezeichnen kann. Auch die Bremsen erledigen ihren Job souverän. So fährt sich die Iron 1200 leicht und freundlich, alleweil eine gute Wahl für Einsteiger, Aufsteiger oder Gelegenheitsfahrer, die mit einem US-Eisen gemütlich durch die Landschaft tuckern wollen. Man kann übrigens durchaus auch die eine oder andere Kurve schneller nehmen – auch da bleibt die Iron 1200 stabil, mahnt aber bald mit knirschenden Fußrastern zu Contenance. Sonst setzt als nächste Warnstufe der untere Schalldämpfer auf.
Eine kleine Einschränkung muss man allerdings doch hinnehmen: So gut der 1200er-Evolution-Motor dreht, seine besten Manieren zeigt er in einem klar definierten Fenster – zwischen 2000 und 3000 Umdrehungen. Bei höheren Drehzahlen oder wenn man den Gasgriff voll zu sich zieht, dann treten hier teilweise sehr starke Vibrationen auf, die man in den Fußrastern oder im Lenker spürt. Um das zu verhindern, schaltet man öfter als man es auf einer 1200er vermuten würde, was aber wiederum mit dem für Harley typisch harten, aber präzisen 5-Gang-Getriebe kein Problem ist. Bei 100 Stundenkilometer dreht sich die Kurbelwelle im fünften Gang übrigens rund 2800 Mal pro Minute, das passt also fürs entspannte Fahren. An längere und schnellere Autobahnetappen will man dann eher nicht denken, aber dafür ist dieses Modell ja auch nicht gedacht.

Kleine Randnotiz: Die aus Style-Gründen montierte Scheinwerferverkleidung hat durchaus auch einen kleinen aerodynamischen Effekt und verringert bei höheren Geschwindigkeiten den Druck am Oberkörper.
Unser Resümee: Die Iron 1200 ist eine deutliche Aufwertung der Sportster-Baureihe, die nicht nur geschichtsträchtig (seit 1957!) ist, sondern ja auch die wichtigsten Merkmale der Marke mitbringt: einen großen luftgekühlten V2, eisenhaltiges Design, Coolness und Riemenantrieb. Die Iron 1200 nimmt innerhalb dieser Familie die Rolle eines zwar puristischen, aber auch komfortablen und einfach zu fahrenden Cruisers ein – ein Motorrad, das man gerne ansieht und fährt, das seine entspannte Grundhaltung auch auf den Fahrer überträgt. Auf Wunsch übrigens auch mit Sozius-Paket ausrüstbar.

Motorrad Bildergalerie: Harley Iron 1200 Test

 
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