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Harley Sport Glide im Test

Doppelt fährt besser

Acht neue Modelle auf einer völlig neuen Softail-Plattform hat Harley im vergangenen Herbst präsentiert – von der mächtigen Fat Boy über die Fransenjacken-Lowrider und die barocke Deluxe bis hin zur minimalistischen Street Boy und unserem ausgemachten Liebling, der argen Fat Bob. Nun ziehen die Amerikaner einen weiteren Trumpf aus dem Ärmel und ergänzen die Baureihe um einen weiteren, neunten Vertreter: die Sport Glide.

Man sieht’s ihr schon an: Sie will eine Brücke zwischen Cruiser und Tourer schlagen, also das passende Bike für all jene sein, denen eine Heritage Classic schon zu mächtig, aber klassische Chopper zu unpraktisch sind. Sehr schlau eigentlich – und es wird noch schlauer. Die kleine Scheinwerferverkleidung mit Winz-Scheibe lässt sich genauso wie die Seitenkoffer werkzeuglos und in Sekunden entfernen – wir haben’s ausprobiert. Danach hat man tatsächlich einen puristischen Cruiser, wie man am Foto unten sieht.
Die Hartschalenkoffer selbst sind auch rechtschaffen intelligent konstruiert. Sie lassen sich wie die Koffer an den großen Touringmodellen mit nur einer Chrom-Schnalle öffnen, klappen dann aber nicht ganz auf, sondern nur einen Spalt. Der ist aber groß genug, damit man hier einen Rucksack oder auch voluminöseres Zeugs unterbringen kann; seitliche Netze im unteren Bereich des Öffnungsschlitzes verhindern, dass Kleinzeug wieder herausfällt – auf diese Weise verbinden sich die jeweiligen Vorteile von Toploadern und klassischen Koffern. Das Volumen ist mit jeweils 25 Liter auch ganz anständig bemessen, zudem sind die Dinger zu 100 Prozent wasserdicht, wie wir im Verlauf unserer teilweise arg verregneten Testfahrt selbst feststellen konnten.

Die Scheibe – um wieder aufs andere Ende des Bikes zu wechseln – verrichtet ebenfalls einen guten Job. Klar, im Gesicht darf man sich bei diesen Dimensionen keinen effektiven Windschutz versprechen, aber der Oberkörper wird alleweil gut vom Winddruck entlastet und es treten keinerlei ungute Verwirbelungen auf. Wer hier einen Schritt weiter gehen will, kann aus dem Zubehörprogramm eine höhere Scheibe bestellen und diese in die Verkleidung einarbeiten.

Weitere gern genommene Zutat beim Reisen: die Vorspannung am Mono-Federbein hinten ist per Handrad rasch und unkompliziert verstellbar – gut für verschiedene Beladungszustände oder wenn ein Sozius draufhüpft.
Harley Sport Glide: Öffnen der Koffer mit Einhand-Hebel (l.), ein Riegel im Inneren ermöglich das Demontieren des gesamten Koffers.Harley Sport Glide: Öffnen der Koffer mit Einhand-Hebel (l.), ein Riegel im Inneren ermöglich das Demontieren des gesamten Koffers.
Auch sonst zeigt sich das Bike sehr liebevoll konstruiert und zusammengestellt. Einzigartig in der Baureihe ist der 2-in-1-Schalldämpfer, dessen schwarze Beschichtung schon darauf hindeutet, dass man den dynamischen Look der Sport Glide forcieren wollte. Dazu passen auch die extrem hübschen Alufelgen im so genannten „Mantis-Design“, die edel-schlichte Tank-Armatur und die Upside-down-Gabel. Eine solche hat in der Softail-Baureihe sonst nur das sportliche Flaggschiff Fat Bob.

Beim Fahren fällt dann sofort auf, dass die Sport Glide auf Leichtigkeit im Umgang getrimmt wurde. Das beginnt schon bei der Sitzposition mit sehr niedriger – aber nicht extrem niedriger – Sitzhöhe (680 Millimeter), entspannter Beinhaltung und ergonomisch gut gekröpftem Lenker. So hält man’s auch auf langen Strecken kommod aus. 

Die Freundlichkeit des Motorrads betrifft aber auch das Handling. Bei diesem Modell haben die Ingenieure auf brachiale Reifendimensionen verzichtet, was ganz klar das Handling begünstigt. Einlenken, Richtungswechsel, selbst das Rangieren am Stand gehen hier so leicht von der Hand wie bei sonst keinem Softail-Modell; und das trotz gar nicht so moderater 317 Kilo fahrfertig. Dennoch ist die neue Sport Glide eine ganz klare Empfehlung, wenn man von einer Sportster in die Big-Twin-Klasse aufsteigen will und noch ein wenig Respekt vor den dicken Dingern hat.
Dazu passend auch die Nonchalance des neuen Milwaukee-8-Motors. Er verschafft einem den vollen Harley-Geschmack, allerdings ohne schädliche Nebenwirkungen; tritt dort sanft auf, wo man’s gerne softer will und bringt dennoch Vibrationen und Emotionen in Wallung, wo’s gefordert ist. In der Sport Glide ist derzeit übrigens nur der 107er mit 84 PS und 145 Newtonmeter zu haben, dafür zum ansprechenden Preis ab 21.595 Euro (Österreich). 

Unterm Strich, unser erstes Resümee: Ein geniales Produkt, das sich angenehm fährt, gut aussieht und Vielseitigkeit als Programm hat. Klar kann man auch mit Softbags und per Straps montierten Taschen verreisen, aber so ist’s halt viel unkomplizierter und eleganter. Außerdem eine ebenso saubere Lösung, die sich rückstandslos entfernen lässt, wenn man vor dem Eissalon zur großen Show auffahren will.

Motorrad Bildergalerie: Harley-Davidson Sport Glide 2018

 
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