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Clemens Kopecky
Autor: Clemens Kopecky
14.12.2020

Brillo-Safe im TestNasenfahrradgarage

Die Erfindung des Rads vor 5000 Jahren, die Entwicklung des Regenschirms durch Jonas Hanway Anfang des 18. Jahrhunderts, der Papier-Kaffeefilter von Melitta Bentz in 1908 oder Douglas C. Engelbart’s Idee einer Computer-Maus im Jahr 1963 – die nützlichsten Erfindungen in der Geschichte der Menschheit sind überraschend oft erstaunlich simpel. In diese Reihe an Produkten, die den Alltag gravierend erleichtern, will sich ab sofort auch der „Brillo-Safe“ von Christoph Schmid-Jäger einreihen. Der deutsche Erfinder ist selbst leidenschaftlicher BMW-GS-Fahrer und leidgeprüfter Brillenträger, denn sein Lieblingshobby hat ihn in der Vergangenheit bereits einige Sehbehelfe gekostet. „Während meiner Touren sind mir drei, vier Brillen kaputt gegangen oder verbogen worden. Das hat mich maßlos geärgert. Also habe ich getüftelt: Wohin mit der Brille? Wo ist sie sicher und geschützt? Wie hab' ich sie schnell griffbereit?“ Endgültiger Auslöser für die Entwicklung des Brillo-Safes war dann ausgerechnet ein YouTube-Video unseres Motorradmagazin-Redakteurs Christoph Lentsch, dem vor laufender Kamera die teure Sonnenbrille vom Sattel einer BMW gerutscht und im Dreck gelandet ist. Ein Problem, mit dem wohl jeder Fehlsichtige mindestens beim Auf- und Absetzen des Helms zu kämpfen hat. Weitsichtige benötigen obendrein beim kurzen Stopp am Straßenrand zum Studieren der Landkarte ihre Augengläser, die mangels Ablagefach an den meisten Motorradmodellen dann erst mühsam aus der Jacke gefummelt werden muss.

 

Situationen wie diese gehören mit dem Brillo-Safe um 86,80 Euro (plus 7,95 Euro Versand) der Vergangenheit an: kurz gefasst besteht die Erfindung aus einem Etui, das per RAM-Mount und Fixierschelle wahlweise vertikal oder horizontal am Lenker montiert wird. Während die Polyamid-Garage für das „Nasenfahrrad“ ungefähr so einfach und schnörkellos ausfällt wie man es sich vorstellt, hat der Erfinder bei der Materialwahl von Etui-Kupplung, Klemmverbinder (drei Längen verfügbar) und Lenkerschelle (erhältlich in drei Durchmessern) keine Kosten und Mühen gescheut. Zum Einsatz kommt hochfestes 7075-T6 Flugzeug-Aluminium, die Teile der Lenkerschelle werden aus dem Vollen gefräst, sogar der nötige Inbusschlüssel für die Montage und ein Mikrofaser-Beutel werden mitgeliefert. Unterm Strich scheint die 243 Gramm leichte Konstruktion fast ein wenig überdimensionert, aber nach dem Motto „viel hilft viel“ hat die so verwahrte Brille wohl eine gute Chance selbst einen schweren Unfall schadlos zu überstehen - auch wenn der Bruchpilot dann wohl andere Sorgen hat. Praktisch im Schadensfall: Alle Komponenten des Baukasten-Systems sind einzeln erhältlich. In der Praxis ist der Brillo-Safe ungefähr so spektakulär wie der erwähnte Regenschirm oder Kaffeefilter: er tut unauffällig was er soll, das aber richtig gut. Müssten wir Erbsen zählen, hätten wir höchstens drei Verbesserungswünsche: das Kunststoff-Etui dürfte im Inneren gepolstert sein, seine Einfachheit wird dem gehobenen Anschaffungspreis – im Unterschied zur Halterung – nicht gerecht. Dass der Brillo-Safe neben dem Navi unter Umständen nur schwer ein freies Plätzchen am Lenker findet, lässt sich wohl kaum ändern. Größtes Manko ist jedoch die mit 57 Millimetern allzu niedrige Bauhöhe des Etuis. Die Verwahrung einer sanft gekrümmten Sportbrille ist im Brillo-Safe daher unmöglich. Schade, denn abgesehen von Sonnenbrillen im Stil einer Ray Ban Aviator taugt die praktische ausschließlich für flache, optische Sehbehelfe. Eine Schwachstelle, für die der Tüftler mit Sicherheit in Kürze eine Lösung parat hat.

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