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Christoph Lentsch
Autor: Christoph Lentsch
4.1.2021

Fuego Power Scrambler 125Feuer und Eisen

Falls Sie mich in letzter Zeit zufällig einmal gesehen haben, ist es eh kein Geheimnis mehr. Es geht mir nicht so gut. Erst hab ich gedacht, es sei eine kleine Winterdepression, die sich schon wieder schleichen werde. Sie wissen schon. Immer müde, a bissl blass, Haarausfall…Meine Frau sieht ja nicht nur außerordentlich gut aus – weiß der Teufel, gegen wen sie eine Wette verloren hat, dass sie mich heiraten musste – sie ist auch außerordentlich fürsorglich und schickte mich ob der Symptome sofort zum Arzt.

Dem musste ich nicht viel sagen. Der hat mich einmal von oben nach unten gemustert, während ich, an seinen Schreibtisch gelehnt, vor mich hingähnte und fragte nur, ob ich Schwindelgefühle hätte. Ich wusste nicht gleich, wie er es meinte. Ob ich gleich dercheck, wenn mich wer anschwindelt, oder ob ich oft das Gefühl habe, schwindeln zu müssen – weil aber beides zutraf, konnte ich soundso bejahen. 

Und da war die Diagnose schon klar: „Eisenmangel“ Er wollt mir noch was aufschreiben, was ich freundlich dankend ablehnte, und mich sofort in Therapie begab.Im 22., in der Haberlandtgasse, da ist mein Therapiezentrum: Monkey King. Dort ordiniert der Doktor Philipp Weihs. Ein Kapazunder auf seinem Gebiet. Wir sind inzwischen gute Freunde, und er freut sich immer sehr, mich zu sehen. Er kann es nur nicht immer gleich so zeigen. Was dann dazu führt, dass er durchs ganze Geschäft schreit: „Wer hattn den Deppn schon wieder rein gelassen?“Aber keine Antwort. Wie wenn alle vom Erdboden verschluckt wären.

Nur ein junger schwarzer Kater kommt auf mich zu, schmiert mir um die Beine, springt auf das Sitzbankl eines der Motorräder im Schauraum, und schnurrt. Fast hätte ich übersehen, dass ich das Motorrad, auf das er gehüpft ist, gar nicht kenne. Hat der Philipp schon wieder was Neues im Hof, und mir nix gesagt? Dabei könnte das die Heilung bei meinem Eisenmangel sein. Ich sag ja, der Philipp ist eine Koryphäe, was Eisen angeht. 

Ein Spitzenchirurg. Vor allem was luftgekühlte Einzylinder angeht, macht ihm keiner was vor. Er hat schon Bierkisten motorisiert. An der Wand hängt eine Maschine, die er sich einfach so zum Spaß gebaut hat. Hinter der neuen Maschin, auf welcher der Kater um Aufmerksamkeit heischt, steht das Ärgste überhaupt. Vermutlich eine Skyteam, also eines der extrem kleinen Motorräder, die wir hier eh schon vorgestellt haben, aber mit einer arg langen Schwinge, wie man sie bei unendlich starken Rennmotorrädern einsetzt, damit sie sich nicht beim ersten Dreh am Gas sofort nach hinten überschlagen.

Ich schieb den Kater ein Stück auf die Seite, um den Motor zu sehen – Sie werden es nicht glauben. Er ist unsichtbar. Der Philipp besteht darauf, dass keiner eingebaut ist – aber ich trau ihm nicht. Vermutlich ist er wieder etwas Neuem auf der Spur und will es mir nur noch nicht verraten. Von dem herrlichen schwarzen Bock, auf dem der schwarze Kater immer noch schnurrt, hat er mir ja auch nichts erzählt.Es ist eine Fuego. Und sie sieht mörderisch gut aus. 

Der Rahmen ist schwarz, matt und rau genug, um sich in Fahrpausen ein bisserl die Hornhaut von den Händen zu kratzen. Er steht im schönen Kontrast zu dem glänzenden Metallteilen und dem martialischen Auspuffrohr. Der Lenker ist so breit wie ich zuletzt am Maturaball. An den Enden sitzen statt den Stopfen die Spiegel. Die Rasten sind feinste Offroad-Ware, die Scheinwerfer LEDs, die Blinker so klein, dass man sie in meinem Alter kaum noch sieht. Aber das ist noch nicht alles.

Ganz das Gegenteil der Skyteam-Maschinen, die ja unglaublich klein sind, ist die Fuego groß. Ideal für Körpergrößen ab 170 Zentimeter. Sonst sind die 125er ja meist ein bisserl niedriger gebaut. Aber die passt mir wie angegossen.Der Philipp ist ja nicht nur ein begnadeter Schrauber, er hat auch ein Vertrauen in die Menschheit, dass die Hälfte reicht.

Drum steckt in der Fuego auch der Schlüssel, und ich, der ja was gegen seinen Eisenmangel tun muss, reiß das schwarze Feuer sofort an. Das Fahrwerk ist eine angenehme Überraschung, so was findest du auf keiner anderen 125er. Die 8 PS reichen locker für die Wege in der Umgebung – nach Griechenland willst mit einer Viertelliter eh nicht fahren. Und die fetten Reifen mit ihren Stollen sind im Winter ebenso gescheit, wie im Sommer, wenn man direkt durch die Gstetten bis an den See fahren will. 

„Wird a Lawine kostn“, sag ich, was eigentlich eine Frage ist. Aber der Philipp versteht mich sofort, und sagt „2590“. Oida!Ich hab mich dann gar nicht verabschiedet, weil ich gewusst hab, dass ich eh gleich wieder zurück sein werde. Daheim, in der Kuchl, haben wir ein Ladl mit dem Haushaltsgeld. Und nachdem meine Frau schon eine ganze Woche mit der gleichen Handtasche unterwegs ist, müsste dort eigentlich genug Geld für meine Heilung drinnen sein.

Blöderweis war meine Frau grad in der Küche und schnitt ihre Trüffel – sie ist so fürsorglich und kocht für sich extra, damit mir mehr vom Bohneneintopf bleibt. Jetzt, wie ich das Ladl aufmachen will, um das Therapiegeld zu holen, schiebt sie das Brettl auf die Seite und steht auf einmal mit dem Messer vor mir: „Eisenmangel? Da kann ich dir sofort helfen …“

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