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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
peter.schoenlaub@motorrad-magazin.at
18.3.2021

Motorrad-Fahrverbote in Tirol ausgeweitetAufgedeckt: So wird die Wahrheit verdreht!

Skandalöse Vorstellung der Tiroler Landespolitik unter der zuständigen Grünen Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe: Hier lernt man, wie man fragwürdige Studien zurechtbiegt, um am Ende recht zu behalten. Für wie dumm hält man uns Motorradfahrer in Tirol?

Was ist genau passiert? Heute, am 18. März 2021, präsentierte Ingrid Felipe eine Evaluierungsstudie zu den im Vorjahr verhängten Fahrverboten auf vielen Straßen Tirols für Motorräder über 95 dBA. Wie zu erwarten zeigte sich die Landeshauptmann-Stellvertreterin überaus zufrieden mit den Ergebnissen und meinte: „Die gesetzten Maßnahmen zeigen Wirkung und finden auch bei der Bevölkerung im Außerfern große Zustimmung. Zudem ist die Anzahl der Motorräder um über ein Drittel zurückgegangen. Dies alles spricht für eine Beibehaltung der gesetzten Maßnahmen, auch in den kommenden Jahren.“

Was die Grüne Politikerin hier verschweigt: Die Anzahl der Motorräder ist zwar tatsächlich um 36,2 % zurückgegangen, jedoch hat sich der Gesamtverkehr an den Messpunkten im gleichen Zeitraum auch um 35,6 % – also praktisch den gleichen Wert – verringert. Mit anderen Worten: Der Verkehr ist im Vergleich zu 2017 generell dramatisch gesunken, und man muss nicht unbedingt Einstein sein, um dies auf Corona zurückzuführen. Da Auto-, Güter- und Motorradverkehr offenbar ungefähr gleich stark zurückgegangen sind, bedeutet das im Umkehrschluss: Die 95-dBA-Regelung hatte nicht den geringsten Effekt.

Freilich gibt es noch viele weitere Punkte, die man kritisieren kann. Beispielsweise, dass eine Evaluierungsstudie zum Thema Lärm OHNE EINE EINZIGE LÄRMMESSUNG auskommt. Die Studie bezieht ihre Ergebnisse aus fünf automatisierten Verkehrs-Zählstellen sowie einer Umfrage unter 250 Bewohnern in 19 Gemeinden des Außerfern. Das soll verstehen, wer will. Oder vielleicht doch: Wichtig für Politiker wie Frau Felipe ist ja einzig die Stimmung in der Bevölkerung, also steht für sie die Umfrage an erster Stelle. Auf gescheite Daten kann man dann wohl leicht verzichten.

Und noch ein seltsamer Punkt der Studie: Als Verkehrszahlen nimmt man nur die an Wochenenden im Sommer und hier auch nur an Tageszeiten erfassten Werte her – also naturgemäß jene Zeiten, an denen am meisten Motorradfahrer unterwegs sind. Wenn man sich in der Studie schon auf diese neun Wochenenden konzentriert, warum gelten die Fahrverbote dann durchgehend? Tag und Nacht, Montag bis Sonntag und neuerdings von 15. April bis 31. Oktober?

Die zufriedene Frau Landeshauptmann-Stellvertreterin nimmt diese vorgeblich tollen Zahlen also zum Anlass, ihre Fahrverbote für legale Motorräder für 2021 nicht nur wiederaufzunehmen, sondern sogar zeitlich auszuweiten. Sechseinhalb Monate – vom 15. April bis 31. Oktober, also die gesamte Motorradsaison – dauert ab diesem Jahr die aus der Luft gegriffene Maßnahme, die im vergangenen Jahr nicht nur keine Wirkung zeigte, sondern einen nachhaltigen Imageschaden des Bundeslands in der internationalen Motorrad-Community verursachte.

Es geht also um Täuschung und Verzerrung, Halbwahrheiten und einen offensichtlichen Unwillen, sich des Themas mit tauglichen Mitteln anzunehmen. Wenn dies Grüne Verkehrspolitik ist, dann sollte sich Frau Felipe ein Beispiel an der Reaktion der Motorrad-Community nehmen, die konstruktiv an Lösungen arbeitet und dabei mit sich selbst anfängt: Die jüngste Aktion des 2Radhandels lautet: „Lieber leise in die Zukunft – als laut ins Out“. Parallel arbeiten die großen Hersteller bereits mit Hochdruck daran, ihre Motorräder leiser zu machen, die ersten Beispiele sind bereits im aktuellen Jahrgang sichtbar. So sucht man nach Lösungen, Frau Felipe! 

Und noch ein kleiner Nachtrag zum Drüberstreuen: Der Leiter der Tiroler Landesverkehrsabteilung, Markus Widmann, berichtete, dass im Außerfern in der vergangenen Saison 8917 Motorradfahrer von der Exekutive überprüft wurden. Gerade 135 hätten gegen die Lärmverordnung verstoßen. Das sind satte 1,5% aller Überprüften. Oder anders gesagt: Viel Lärm um nichts.

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