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Markus Reithofer
Autor: Markus Reithofer
markus.reithofer@motorrad-magazin.at
9.12.2023

Wundermittel für den Motor?Die Wahrheit hinter Additiven

Wir kennen alle die bunten Dosen beim Zubehörhändler unseres Vertrauens, die mit ihrem Verpackungsaufdruck Heilsversprechungen aller Art für den Motor vermitteln. Nicht nur ich als Motorradjournalist frage mich, wie das sein kann. Warum sollte man dem Sprit überhaupt Mittelchen beimengen, damit der Motor besser funktioniert und warum sollte es bei den Motorölen darauf ankommen, ob irgendwelche Zusatzstoffe drin sind oder nicht?
Fakt ist: In der täglichen Praxis hat man als normaler Mensch kaum eine Chance, die Wirkung von Additiven unmittelbar zu spüren – abgesehen von den so genannten Problemlösern, die zum Beispiel eine verlegte Kraftstoffleitung oder verrußte Ventile säubern. Die meisten Additive entfalten ihre Effekte vor allem über lange Zeiträume, weshalb man sich die dahinter liegenden Wirkmechanismen in einem Labor oder auf einem Prüfstand anschauen muss.
Als ausgebildeter Chemiker habe ich wahrscheinlich einen anderen Blick auf die Details, als wenn man nur den Versprechungen der Hersteller vertrauen kann. Ein Grund mehr, das Labor eines Entwicklers von Motor-Additiven zu besuchen und mich mit dem dortigen Forschungsleiter zu unterhalten. Der deutsche Additiv-Entwickler Liqui Moly ist einer der größten der Welt und seit den 1950ern mit diversen Zusatzstoffen und Schmiermitteln im Geschäft. Ihr Katalog umfasst mehr als 4000 Produkte für das Wohlbefinden von Motoren. Mein erster Gedanke war „4000?! Ist das nicht ein bisserl übertrieben?“ David Kaiser, Leitung F&E bei Liqui Moly, beschwichtigt: „Auf 4000 kommen wir nur, wenn wir die verschiedenen Verpackungsgrößen einrechnen. Aber wir haben wirklich alles im Programm, womit man das Leben von Kfz-Motoren verbessern kann.“

Wozu das Ganze? Einfach ausgedrückt, sind Additive chemische Zusätze, die in geringen Mengen zu Ölen und Kraftstoffen hinzugefügt werden, um bestimmte Eigenschaften zu verbessern oder zu erreichen. Im Prinzip wirken sie so ähnlich wie die Vitamine im menschlichen Körper.

Für Motorradfahrer gibt es einige spezifische Vorteile der Verwendung von Additiven:

  1. Reinigung und Schutz: Einige Additive wirken als Reinigungsmittel, die Ablagerungen in Kraftstoffleitungen, Einspritzdüsen und Brennräumen entfernen. Dias führt zu einer effizienteren Verbrennung, was letztlich die Leistung und die Effizienz des Motors steigert.
  2. Verschleißminderung: Additive tragen dazu bei, den Verschleiß kritischer Motorteile zu reduzieren. Insbesondere bei älteren Motoren oder bei Motorrädern, die unter extremen Bedingungen betrieben werden, kann das die Lebensdauer des Motors verlängern.
  3. Bessere Schmierung: In Motorölen eingesetzte Additive können die Schmiereigenschaften verbessern, was besonders bei kaltem Start oder bei hohen Betriebstemperaturen wichtig ist. Das bringt im wahrsten Sinn des Wortes einen reibungsloseren Motorlauf und weniger mechanischen Stress.
  4. Kraftstoffeffizienz und Emissionsreduzierung: Durch die Verbesserung der Verbrennungseffizienz helfen Additive, den Kraftstoffverbrauch zu senken und die Emissionen zu reduzieren. Damit auch eine Erhöhung der Reichweite.
  5. Anpassung an moderne Kraftstoffe: Mit der allmählichen Einführung von E-Fuels spielen Additive eine wichtige Rolle bei der Anpassung älterer Motoren an diese neuen Kraftstoffe, ohne dass größere mechanische Anpassungen erforderlich sind.

Die Verwendung von Additiven ist also weniger eine Frage von Leistung und Motortuning, sondern des Schutzes und der Erhaltung des Motors. Die Anwendung ist super simpel: Das entsprechende Produkt wird zumeist einfach in den Tank gefüllt und dort mit dem Kraftstoff vermischt.

Ein eindrucksvolles Beispiel zeigt unser Titelbild mit zwei Mikroskopaufnahmen von verschmutzten Einspritzdüsen vor und nach einem Durchlauf mit einem entsprechenden Reiniger von Liqui Moly. Auch der 3D-Scan vor und nach der Behandlung auf dem folgenden Foto zeigt klar, wie diese Additive ihre Wirkung entfalten, ohne dass dafür auch nur eine einzige Mechanikerstunde oder gar Kosten für Ersatzteile anfallen.

Den Motor einmal mit einem Motorsystemreiniger durch zu spülen (indem man ihn einfach einer Tankfüllung beimengt), kann vor allem nach hohen Kilometerleistungen kleine Wunder vollbringen. Damit können  Ablagerungen im gesamten Kraftstoffsystem entfernt werden, was die Voraussetzung für einen runden Motorlauf, gleichmäßige und vollständige Verbrennung, geringeren Verbrauch und niedrigere Abgaswerte ist. Wenn sich ein Motor "seltsam" verhält, ist der Inhalt einer solchen kleinen Dose auf jeden Fall einen Versuch wert, bevor man alles zerlegt und auf stundenlange und kostspielige Fehlersuche geht.
Auch für Oldtimer-Freunde, die noch mit originalen Ventilen unterwegs sind, hat Liqui Moly etwas im Programm. Eine Flasche mit dem geeigneten Bleiersatz reicht bei der üblichen Kilometerleistung dieser Fahrzeuge für eine lange Zeit, um die Ventile vor Verschleiß durch bleifreies Benzin zu schützen.

Etwas, das wirklich funktioniert, ist auch der Ölverlust-Stopp. Im Verlauf der Jahre werden Gummidichtungen spröde, verlieren ihre Elastizität und haben dadurch nicht mehr die erforderlichen Dichtungseigenschaften. Der Ölverlust-Stopp wird dem Motoröl beigement, erreicht auf diese Art die Dichtungen und stellt ihre Elastizität wieder her. auch das ist auf jeden Fall einen Versuch wert, bevor man sich ein umständliches und teures Dichtungs-Service antut. Zu bedenken ist hier allerdings, dass die enthaltenen Additive bei Ölbadkupplungen eventuell zu einer Reduktion des Kupplungs-Kraftschlusses führen können und daher primär für Trockenkupplungen gedacht sind. Bei noch einigermaßen neuen Motorrädern empfiehlt sich deshalb eher die Fehlersuche und eine Reparatur der kaputten Dichtung.

David Kaiser räumt aber auch mit ein paar "Stammtisch-Wundern" auf und meint: "Echte Wunder gibt es natürlich nicht. Geheimnisvolle Additive, die den Verbrauch um 20 Prozent senken oder die Motorleistung um 10 Prozent steigern, gibt es einfach nicht. Das gilt auch für so manche Versprechungen von Schmiermittel-Herstellern. Natürlich kann man mit besonders niedrigviskosen Ölen die Reibung im Motor minimieren und tut damit vor allem der Lebensdauer des Motors etwas Gutes. Eben deshalb haben auch wir solche Öle im Programm. Abgesehen von den unmittelbaren Problemlösern, wie etwa Motorsystemreinigern, wirken Additive vor allem auf das Verschleiß- und Verschnutzungsverhalten von Motoren. Wer mit seinem Fahrzeug eine längere Bindung eingehen möchte, wird also auf jeden Fall davon profitieren."

Sidestep: Liqui Moly hat kürzlich in Ulm die Produktionskapazität massiv ausgebaut. Mit 8 Millionen Euro wurden drei neue Abfüllanlagen für Additive installiert und zusätzliche Büroräume errichtet. Damit werden wöchentlich 481.000 statt der bisherigen 346.000 Dosen befüllt. Zu den Investitionen gehört auch das schlüsselfertige Gebäude, Fördertechnik und neue Verpackungsroboter. Liqui Moly liefert seine Hilfsmittel, Additive und Öle in 150 Länder und hat sich von einer kleinen Firma zu einem globalen Akteur entwickelt, der seit Anfang 2018 zur Würth-Gruppe gehört.

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