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Dunlop ScootSmart 2Das sagen unsere Messungen
Obwohl Roller auch in Österreich die meistverkauften motorisierten Zweiräder sind, erntet ihre Bereifung eigentlich viel zu wenig Aufmerksamkeit. Dabei müssen sie im Alltag erstaunlich viel können: kurze Bremswege, leichtes Handling im Stadtverkehr, Nassgrip und dann auch noch möglichst viel Komfort auf schlechten Straßen. Dass Dunlop mit dem neuen ScootSmart 2 nach immerhin 14 Jahren den alten ScootSmart ablöst, ist also durchaus angemessen. Schon vor unserem umfangreichen Test war klar, dass sich seit 2012 technologisch viel getan hat. Dunlop spricht vor allem von verbessertem Nass- und Trockengrip, präziserem Handling, besserer Bremsleistung und weiterhin hoher Laufleistung. Die technische Basis dafür sind unter anderem eine neue Silica-Mischung und ein komplett überarbeitetes Profildesign. Wir haben uns angeschaut, was man davon auf einem 125er-Roller in der Alltagspraxis spürt und was unsere Messtechnik dazu sagt.
Das Testfahrzeug: QJMotor Fort 125N. Die serienmäßige CST-Bereifung des Fort 125N hatte erst rund 80 Kilometer drauf und war damit praktisch neuwertig. Entsprechend haben wir auch den Dunlop ScootSmart 2 vor dem Beginn der Messungen rund 50 Kilometer eingefahren. Der Vergleich ist also sehr fair: gleiches Fahrzeug, identische Strecken, identische Messmethodik und zwei neue Reifensätze. Gefahren und gemessen wurden unter anderem Vollbremsungen aus 80 km/h, wiederholte Slalomfahrten sowie Überfahrten über ein definiertes Hindernis zur Beurteilung des Komforts. Für die Messungen haben wir zahlreiche Sensoren für GNSS, Beschleunigungen in alle Richtungen und Rollwinkel mit einer Auflösung von bis zu 200 Hz verwendet. Alle Messungen wurden mindetsens zehn Mal auf definierten Teststrecken unter gleichen Bedingungen wiederholt.
Bremsen: Mehr als zwei Meter Unterschied. Schon beim Bremsen zeigt sich ein bemerkenswert deutlicher Unterschied. Mit der serienmäßigen CST-Bereifung braucht der Fort 125N aus 80 km/h im Mittel 27,97 Meter, mit dem Dunlop ScootSmart 2 nur 25,63 Meter bis zum Stillstand. Das sind 2,34 Meter weniger Bremsweg beziehungsweise rund 8,4 Prozent. Auch die anderen Messwerte passen sauber dazu. Die durchschnittliche Bremszeit sinkt von 2,76 auf 2,56 Sekunden, während die mittlere Verzögerung von 0,90 auf 0,98 g steigt. Bei der MFDD – der mittleren voll entwickelten Verzögerung – stehen 0,94 g beim CST und sogar 1,01 g beim Dunlop gegenüber. Sogar ausgewachsene Supersportler sind nicht besser. Bemerkenswert war auch das Bremsgefühl. Mit den CST-Reifen war während der Vollbremsungen immer wieder ein kurzes Reifenquietschen hörbar. Beim Dunlop blieb dieses aus, gleichzeitig waren die höheren Verzögerungskräfte als Fahrer deutlich spürbar. Natürlich ist das ein Vergleich auf trockener Fahrbahn und nicht um den von Dunlop besonders hervorgehobenen Nassbremsvorteil. Dennoch zeigt das Resultat sehr klar, dass der Reifenwechsel auf diesem konkreten Roller auch unter trockenen Bedingungen einen beträchtlichen Unterschied bei der nutzbaren Bremsperformance bewirkt.
Noch auffälliger als beim Bremsen ist der Unterschied beim Handling. Subjektiv braucht der Fort 125N mit dem ScootSmart 2 deutlich weniger Kraft zum Einlenken und Umlegen. Gleichzeitig vermittelt der Dunlop mehr Rückmeldung und lässt sich sauberer auf Linie halten. Unter dem Strich entsteht dadurch erheblich mehr Vertrauen. Genau diesen Fahreindruck bestätigen auch unsere Messdaten. Die mittlere Geschwindigkeit lag mit beiden Reifen praktisch gleich: 37,75 km/h mit CST und 38,06 km/h mit Dunlop. Der Geschwindigkeitsunterschied beträgt damit nur 0,8 Prozent. Aber trotzdem steigt die gemessene Zyklusfrequenz der Links-Rechts-Wechsel von 0,681 auf 0,759 Hz – das ist ein Plus von rund 11,5 Prozent. Die Rollrate liegt beim Dunlop ebenfalls höher: Der RMS-Wert steigt von 1,036 auf 1,110 rad/s, der P95-Wert von 1,542 auf 1,622 rad/s. Bei praktisch gleicher Geschwindigkeit lässt sich der Roller also mit dem Dunlop ScootSmart 2 schneller von einer Seite auf die andere bewegen, also mehr beziehungsweise schnellere Fahrzeugreaktion bei geringerem Fahreraufwand. Der ScootSmart 2 macht den Fort nicht einfach nervöser oder kippeliger, sondern er wirkt trotz der deutlich leichteren Handlichkeit gleichzeitig präziser und berechenbarer.
Beim Komfort zeigen unsere Messungen beim Überfahren eines definierten Hindernisses kaum Unterschiede zur Originalbereifung. Die unmittelbaren Stoßspitzen liegen mit CST und Dunlop praktisch auf demselben Niveau. Auch subjektiv konnten wir dabei nicht zwischen den beiden Reifenmodellen unterscheiden. Den Verlauf der beim Überfahren des Hindernisses auftretenden Erschütterungen der Sensoren zeigt die Grafik. Beide Kurven (pro Reifenmodell farblich markiert) liegen in den wesentlichen Bereichen so eng übereinnder, dass die Unterschiede nicht wahrnehmbar sind.
Laut Dunlop basiert der neue ScootSmart 2 auf Know-how aus dem Sport-Touring-Bereich, wurde aber gezielt für die Anforderungen moderner Roller angepasst. Eine neue High-Silica-Mischung soll über einen breiten Temperatur- und Einsatzbereich für mehr Grip auf nasser und trockener Fahrbahn sorgen, ohne die Laufleistung zu vernachlässigen. Komplett neu ist auch das Profil. Am Vorderreifen verwendet Dunlop eine gezackte Mittelrille, die Wasserfilme aufbrechen und dadurch die Bremsperformance bei Nässe verbessern soll. Die Ausrichtung der Hauptrillen wurde auf eine effizientere Wasserverdrängung bei mittleren Geschwindigkeiten ausgelegt. Zusätzliche Rillen und Profilelemente im Schulterbereich sollen den Grip beim Manövrieren auf rutschigem Untergrund verbessern.
Am Hinterreifen setzt Dunlop auf einen durchgehenden Mittelbereich, der trockene Traktion und Verschleißfestigkeit unterstützen soll. Gleichzeitig wurde auch hier das Rillenlayout auf Nässegrip abgestimmt. In Dunlops eigenem Vergleichstest auf dem Goodyear-Testgelände in Mireval erreichte der ScootSmart 2 gegenüber seinem Vorgänger einen um 10 Prozent kürzeren Nassbremsweg. Das ist zwar nicht unmittelbar mit unserem Test auf dem Fort 125N vergleichbar, zeigt aber klar, welche Entwicklungsrichtung Dunlop verfolgt hat. Dunlop möchte den ScootSmart 2 nicht auf kleine Stadtroller beschränken. Das Sortiment soll letztlich 75 Dimensionen von 10 bis 16 Zoll umfassen und damit mehr als 80 Prozent des europäischen Rollerreifenmarktes abdecken. Der ScootSmart 2 ist seit dem zweiten Quartal 2026 in Europa verfügbar, das vollständige Größensortiment soll laut Dunlop im vierten Quartal 2026 folgen.
Unser komplettes Testvideo mit allen Messungen und Fahreindrücken gibt es hier: Dunlop ScootSmart 2 im Mess-Test: Klar besser als der Serienreifen
Weitere Infos zum neuen ScootSmart 2 findet ihr hier und hier.
