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Christoph Lentsch
Autor: Mag. (FH) Christoph Lentsch
christoph.lentsch@motorrad-magazin.at
21.4.2020

Motorrad WissenNicht-lineare Zusammenhänge

Am Motorrad geht es wesentlich mehr als beim Auto um das unmittelbare Empfinden der Fahrzustände. Jede Verlagerung des Körpergewichts, jede kleine Bodenwelle und jeder Zug am Gasgriff oder am Bremshebel bewirken deutlich spürbare Veränderungen der am Körper wirkenden Kräfte. Letztlich ist das der Grund, warum Motorradfahren Spaß macht. Dabei haben wir für viele Vorgänge am Motorrad nur ein sehr ungenaues Gefühl. Dazu zählen alle nichtlinearen Zusammenhänge, also wenn eine doppelt so große Änderung von X nicht doppelt so viel von Y bewirkt.

Das beste Beispiel dafür ist der Leistungsbedarf, um eine bestimmte Geschwindigkeit zu erreichen: Wenn man mit 240 statt mit 120 km/h fahren will, braucht man dafür fast die sechsfache Leistung! Wer sich jetzt an den Physikunterricht erinnert und fragt, warum es nicht sogar die achtfache Leistung ist: Der Merksatz "Leistungsbedarf steigt mit der 3. Potenz der Geschwindigkeit" bezieht sich nur auf den Luftwiderstand. Bei relativ niedrigen Geschwindigkeiten ist aber der Rollwiderstand ein sehr entscheidender Faktor. Die erforderliche Leistung ist dadurch bei der niedrigeren Geschwindigkeit ein gutes Stück höher, als man nur aufgrund des Luftwiderstands annehmen würde. Bei der doppelt so hohen Geschwindigkeit nimmt der Anteil des Rollwiderstands relativ zum Luftwiderstand aber deutlich hab, wodurch unter dem Strich ein Faktor von ca. 5,5 übrig bleibt - je nach Reifenart und -größe, Reifendruck, Fahrbahnbelag und noch ein paar anderen Begleiteffekten.
Noch schlimmer ist es beim Reifenverschleiß. Fährt man 180 statt 120 km/h, also nur 50 Prozent schneller, nutzen sich die Reifen um mindestens 500 Prozent, also um das Zehnfache schneller ab. Und beim Bremsweg haben wir aus 50 km/h nur 11,5 Meter, aus 100 km/h aber 45 Meter gemessen – also einen quadratischen Anstieg, wie man ihn aus der Fahrschule kennt.

Markus Reithofer

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