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Christoph Lentsch
Autor: Mag. (FH) Christoph Lentsch
christoph.lentsch@motorrad-magazin.at
14.2.2022

CFMOTO MT650 TestReifeprüfung

Text: Guido Gluschitsch

Eigentlich hat ja alles ganz gut angefangen. Ich hatte ein Auto. Oder das, was einem mit 20 Jahren halt grad noch als Auto durchgeht. Und ich hatte eine Maschin. Die war neu. Sie hatte mehr PS als das Auto. Und sie hat auch viel mehr als das Auto gekostet. Sie war nackt wie – lassen wir das. Aus dem Alter sind wir heraußen. Jeden verdammten Weg hab ich mit der Reiben zurückgelegt – das Auto war nur mehr für wirklich große Transporte. Jahr ein – Jahr aus – immer mit der Reiben. Auch am Sonntag, im Dezember, noch an Sprung in die Firma – mit der Rodel. Und im Nachhinein weiß ich nimmer, bin ich mit dem Motorrad gefahren, weil ich in die Firma musste, oder musste ich in die Firma, weil ich Motorrad fahren wollte – und schon damals vollkommen ziellos nicht fahren konnte.

Ende Oktober, mit der Frau, die ich damals für die Schönste hielt und die mir später zum Glück erspart geblieben ist, bei strömenden Regen, in der Nacht, runter in den Süden. Mit der Rodel. Damals zeigte die Gute übrigens schon ihren wahren Charakter, den ich erst später als dauerhaft wahrnehmen durfte. Ich war also am besten Weg, ein Jessner zu werden. Wurscht wohin, wurscht was alles in den Rucksack musste, das Fuhrwerk war das Motorrad. Beim Jessner ist es immer noch so. 

Wenn Sie demnächst, tief in der Nacht, einen komplett abgeranzten Typen sehen, aus dessen Rucksack ein Eishockey-Schläger wie eine Radioantenne rausragt und der von Wien gen Süden fährt. Es is der Jessner. Halten Sie Abstand. Grüßen Sie gern freundlich, indem Sie sehr zuvorkommend sehr lang und sehr laut hupen, wenn Sie ihn überholen, aber halten Sie Abstand. Wenn er das Eishockey-Match wieder verloren hat, wollen wir ja nicht, dass er mit Schlittschuhen nach Ihnen wirft, oder? Und ich? Ich hatte da so ein Schlüsselerlebnis.Es war irgendwann um die Zeit herum wie jetzt.

Ich war wieder auf der Süd unterwegs. Am Wechsel hat es kurz geflankerlt. Weil ich mir ja nur a billige Motorradlwäsch leisten konnte, war ich nass bis weit unter die Unterhose. Mir war so kalt, dass klar war, ich bin so ein Held, dass die Trotteln aus Ihren Autos voller Hochachtung zu mir rüberschauen. Und die Mädels – die wollten mich. Unnötig zu sagen, dass sie ob der Kälte und Feuchtigkeit im Schritt mit mir alles andere als eine Freude gehabt hätten. 

Ich sah mich aber schon in einer heißen Wanne mit einer dieser zauberhaften Geschöpfe sitzen, wo sich Zweifel an meiner Anatomie mit einem Mal auf wunderbare Weise lösen … als ich mich bei einer kleinen Steigung auf einmal das Hinterrad rechts überholt. Dann links. Dann noch einmal rechts. Ich hab auf der Autobahn alle drei Spuren gebraucht und war doch froh. Hätte ich nämlich auch noch die Leitplanken gebraucht, hätte ich ein ernstes Problem gehabt. Die Reiben war immer noch nicht vollständig bezahlt. Wäre ich draufgegangen, wäre das egal gewesen. Aber das zweite geschrottete Eisen in einem halben Jahr, das hätte ich meiner Bank nicht so schlüssig erklären können, dass das Gespräch nicht bei einer ÖBB-Vorteilscard geendet hätte.

Aber auf einmal war so einiges klar. Ich bin nicht für das Motorradfahren auf der öffentlichen Straße gemacht. Von da an fuhr ich fast nur mehr auf Rennstrecken und im Offroad. Da tat sich halt ein anderes Geheimnis auf. Nämlich, dass der Superstar auf zwei Rädern, für den ich mich hielt, so gut wie keine Ahnung vom Motorradfahren hat. Im Nachhinein war die Pendlerei auf der Autobahn, bei der ich mich quer zur Fahrtrichtung fahren sah, in Wirklichkeit vermutlich ein kleiner harmloser Rutscher. Inwischen juckt es mich wieder, komplett aufs Motorrad umzusteigen.

Die CFMoto 650MT hat mich wieder an meinen längst verworfenen Plan erinnert. Sie hat eben ein paar Vorteile, die meiner Reiben damals völlig fremd waren. So ist sie keine Naked, sondern eine feine Reiseenduro. Man sitzt viel gemütlicher und hat auch noch einen gewissen Wetterschutz. Trotzdem kostet sie mit 6799 Euro fast nur die Hälfte von dem Klumpert, das ich damals fuhr. Die 41,5 kW würden mir heute locker reichen, wie auch die 170 km/h Spitzengeschwindigkeit. Der 649,3 Kubikzentimeter große Zweizylinder hat einen feinen Charakter und begnügt sich mit 5,4 Liter laut Normmessung, und mit dem 18 Liter großen Tank schafft man locker 300 Kilometer am Stück. Zwa Koffer sind drauf. Sie werden die Wichtigkeit nicht gleich verstehen.

Aber wenn Sie ein paar Mal von einer nassen Unterhosen raussteigen und danach eine ebenso nasse Ersatzwäsch aus dem Rucksack ziehen, dann wiegen Sie Koffer in Gold auf. Das Fahrwerk ist verstellbar und das Handling so einfach, dass sogar ein Potscherl wie ich sicher unterwegs ist. Wie Sie auf den Bildern sehen, ist es nun ein paar Tage her, dass ich die CFMoto gefahren bin. Und nein, ich bin nicht vollständig aufs Motorrad umgestiegen. Vielleicht im Frühjahr. Wenn es wieder warm wird. Das braucht ein paar Anläufe. Zum Rauchen hört man ja in meinem Alter auch nicht beim ersten Versuch auf.

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