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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
27.9.2020

Klim Kodiak und Latitude im PraxistestAuf Tour mit zwei Straßenkombis der US-Edelmarke

Klim? Die meisten kennen die US-Edelmarke bereits, immerhin ist sie seit rund sieben Jahren auch in Europa präsent. Für alle anderen ein kleines Update: Klim wurde 1999 in Rigby/Idaho gegründet und gehört zum Polaris-Konzern (wie unter anderem Indian). Begonnen hat man mit Outfits für Snowmobilisten, seit 2004 konfektioniert man auch Gewand für Motorradfahrer. Zunächst konzentrierte man sich auf Offroad- und Adventure-Produkte – angesichts des diesbezüglich starken US-Markts natürlich eine naheliegende Entscheidung. Seit kurzem werden nun aber auch Produkte für Straßenfahrer angeboten, die stark vom europäischen Markt beeinflusst sind. Die beiden wichtigsten Kombis haben wir auf einer Reise durch drei Länder nun selbst ausprobiert und dabei genau unter die Lupe genommen: die Ensembles Kodiak und Latitude. Hier unsere Resümees.

 

Klim Kodiak: Der perfekte Allrounder?

Beginnen wir mit dem Flaggschiff, auch preislich: dem Zweiteiler Kodiak. Schon der Name – eine Insel vor der Südküste Alaskas – steht für Robustheit und auch Abenteuer. Kernstück der Kombi ist ein dreilagiges, laminiertes Textilmaterial, wovon die mittlere Lage aus einer Gore-Tex-Membran besteht. Die Kombi ist also völlig wasserdicht, aber weill Amerikaner bekanntlich ungerne schwitzen und selbst im Winter die Klimaanlage einschalten, wurde extrem viel Wert auf eine gute Belüftung gelegt. Nicht weniger als zehn Zipps an der Jacke (zugeliefert von YKK) und weitere vier an der Hose sorgen selbst bei hochsommerlichen Temperaturen für guten Durchzug – was wir ansatzlos bestätigen können. Wir waren damit noch an den letzten Spätsommertagen Richtung Meer unterwegs und haben auf den Alpenpässen mit geschlossenen Zipps nicht gefroren und in der Hitze nahe der Küste kaum geschwitzt. Damit wird ein üblicher Nachteil von laminierten Textilkombis gut entschärft.

Ein weiterer Nachteil besteht meist darin, dass das Obermaterial eher steif, fast bockig ist. Als solches kann man die Klim Kodiak keineswegs bezeichnen, ganz kann man diesen Effekt freilich auch nicht verhindern. Nennen wir’s robust. An den Komfort von einigen nicht wasserdichten Kombis mit höherem Stretch-Anteil kommt man natürlich nicht heran, aber man kann halt nicht alles haben. Was man hier bekommt, ist eine äußerst hochwertig verarbeitete Allround-Kombi, die noch dazu sehr angenehm geschnitten ist. Hier macht sich der europäische Einfluss bemerkbar, der ein eher enger anliegendes Gewand fordert. Das hat freilich auch einen Haken, wenn man gewisse Problemzonen mit sich herumträgt, wie Ihr Autor. Mit 1,80 Meter Körpergröße und 90 Kilo passt mir die Jacke in Größe 54 perfekt, für die Hose wäre aber eigentlich Größe 52 richtig; sie ist allerdings am Bund unerbittlich und mahnt zurecht ein paar Fastenmonate ein. Bis es so weit ist, muss Größe 54 herhalten, und die ist im Schenkelbereich doch eine Spur zu weit, wie man an den Fotos sieht. Also doch Knäckebrot statt Sachertorte.

Zurück zur Klim Kodiak. Wie man ebenfalls an den Fotos sieht, ist der Look recht dezent und erinnert mit den vielen Taschen auch ein wenig an den Adventurebereich. Ein stark perforierter Lederbesatz soll die Kombi aber dann doch eindeutig auf Asphalt verorten. Stichwort Taschen: Die großzügige Bestückung umfasst jeweils vier Außen- und Innentaschen, dazu eine versteckte Dokumententasche im Futter und eine kleine Öffnung am Arm (für Mautzettel oder Kleingeld). Die Hosen warten mit zwei Cargo-Taschen auf. Besonders praktische Details sind eine Fixierung des geöffneten Kragens, um bei Bedarf noch mehr Luft hereinzulassen sowie ein integrierter Nierengurt und Hosenträger, die sich auch entfernen lassen. Die Level-2-Softprotektoren stammen von D3O und finden sich an Ellenbogen, Schultern, Rücken, Hüften und Knie. 

Unterm Strich: ein wirklich kompetenter Allrounder, der uns vor allem aufgrund seiner extrem guten Belüftung, der superben Verarbeitung und den cleveren Details imponiert. Kleine Haken sind eine gewisse Grundsteifigkeit und das leicht erhöhte Gewicht der Garnitur. Der Preis von rund 2000 Euro für Jacke und Hose wirkt auf den ersten Blick ebenfalls stattlich, entspricht aber dem Umfeld für Highend-Produkte in dieser Liga. Mit einrechnen muss man hier übrigens noch zwei Besonderheiten von Klim: die lebenslange Garantie auf Wasserdichtigkeit und Material sowie das Versprechen, dass Produkte, die in den ersten fünf Jahren nach dem Kauf bei einem Unfall beschädigt werden, in Verbindung mit einem Unfallprotokoll kostenlos augetauscht werden.

Klim Latitude: Die leichtere Alternative

Damit kommen wir zur zweiten Straßenkombi von Klim, die ebenfalls mit laminierter Gore-Tex-Membran ausgestattet ist: der Klim Latitude. Der größte Unterschied zur Kodiak besteht darin, dass das Obermaterial nur aus zwei statt aus drei Schichten aufgebaut ist. Die innerste Schicht, die bei der Kodiak als Schutz der Gore-Tex-Membran vorgesehen ist, entfällt hier. In der reinen Funktion ergeben sich daraus keine Unterschiede, auch die Latitude ist zu 100% wasserdicht. Allerdings wirkt sie in der Tragepraxis doch deutlich anders: leichter, luftiger, das Außenmaterial ist dünner und weniger steif. Als Kehrseite „dämmt“ die Latitude bei kälteren Temperaturen und geschlossenen Zipps nicht so stark wie die Kodiak, man muss also früher einen Mid-Layer unterziehen. Durch die ingesamt schlankere Gestaltung der Latitude (weniger und keine aufgesetzten Außentaschen) trägt sich die Latitude in Summe aber einfacher, unkomplizierter.

Zu den technischen Eigenschaften: Auch die Klim Latitude ist mit D3O-Protektoren an den Ellenbogen, Schultern, am Rücken sowie an den Knien und Hüften ausgestattet. Die Jacke besitzt sechs Lüftungsöffnungen (die ebenfalls äußerst wirksam sind!), die Hose vier. An Taschen gibt es keinen Mangel, auch wenn sie dezenter eingearbeitet wurden: fünf finden sich außen an der Jacke, vier (plus eine versteckte) innen, dazu zwei an der Hose. Der geöffnete Kragen lässt sich wie bei der Kodiak fixieren, einen eingearbeiteten Nierengurt oder ein Hosenträger finden sich hier aber nicht. 3M-Scotchlite-Reflektoren sind allerdings genauso vorhanden wie elegante Ziegenleder-Einsätze an den Ellenbogen, Unterarmen, an den Schultern und an den Innenseiten der Knie.

Noch ein Kommentar zu den Größen: Auch hier wurde Maß an europäischen Gepflogenheiten genommen, die Jacke in Größe 54 passt mir und trägt sich sehr angehnehm. Die Angelegenheit mit der Hose ist hier aber sogar noch schlimmer, da Größe 52 ebenso wenig Übergewicht verzeiht wie bei der Kodiak, aber im Beinbereich noch eine Spur weiter geschnitten ist. Größe 54 sieht daher noch weniger charmant aus und mahnt die Fastenmonate damit noch stärker ein. Hier wird sogar das Knäckebrot gestrichen. Dieses Problem werden all jene nicht haben, deren Körpergewicht sich näher an der Norm bewegt.

Unterm Strich: Die Latitude (englisch für „Breitengrad“) ist durch ihr unkompliziertes Handling und das dünnere Obermaterial äußerst komfortabel zu tragen. Bei kälteren Temperaturen braucht man aber früher eine Softshelljacke oder einen Fleece-Pullover darunter – und mit nur zwei Lagen ist sie auch nicht so robust wie die Kodiak, die für Weltenbummler damit erste Wahl bleibt. Für mitteleuropäische Reisen zu gemäßigten Jahreszeiten findet man in der Latitude aber einen angenehmen, blitzsauber verarbeiteten und optisch dezenten Begleiter, der bei Bedarf genauso luftig wie wasserdicht ist.

Auch für die in drei Farben erhältliche Latitude gilt die lebenslange Garantie von Klim und Gore-Tex plus das Unfall-Austausch-Versprechen in den ersten fünf Jahren. Zusätzlich ist die Latitude-Kombi auch um einiges günstiger als die Kodiak: Für Jacke und Hose werden rund 1400 Euro fällig.

Weitere Infos auf der offiziellen Website hier.

 

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