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Clemens Kopecky
Autor: Clemens Kopecky
7.10.2021

Helm-Cooling-PadCrazy Gadget

1985 wurde in Österreich die Helmpflicht auf Krafträdern eingeführt. Zu Beginn war die Freude der betroffenen Motorradfahrer über die gesetzliche Vorgabe ungefähr so euphorisch wie über einen eingewachsenen Zehennagel. Man beklagte einst die zerstörte Frisur, die immense Belastung für den Nacken, das geraubte Freiheitsgefühl und die angestaute Hitze unter dem Kopfschutz. Heute flammt diese Debatte im Rahmen einer drohenden Fahrradhelm-Pflicht zwar immer wieder neu auf, im Motorrad-Segment ist die Sinnhaftigkeit eines Sturzhelms jedoch längst unstrittig. Wir haben uns offenbar längst an das fatale Haar-Dilemma gewöhnt, uns die Nackenmuskulatur eines Stiers auftrainiert und den Luftzug der Freiheit auf der Kopfhaut endgültig dem legitimen Bedürfnis nach maximaler Sicherheit geopfert.
Nach wie vor rinnt jedoch besonders im Sommer unter dem Kopfschutz bei vielen heißblütigen Piloten der Schweiß in Strömen. Die bestmögliche Ventilation für den Kopf zu erzielen, gehört daher zu den Kernzielen aller namhafter Helmhersteller. Man tüftelt an Lüftungsöffnungen in der Helmschale, Staudruckkanälen oberhalb des Visiers und Innenfuttern aus cleveren Funktions-Textilien. Doch es geht auch einfacher, verspricht der chinesische Hersteller des „Helm Cooling-Pads“ aus Silikon.

Was auf den ersten Blick an einen Topf-Untersetzer aus der Küche erinnert und durchaus Erfolgschancen als „Ding des Monats“ in der beliebten TV-Ratesendung „Was gibt es Neues?“ hätte, soll unterm Helm für eine Extra-Luftschicht zwischen Futter und Kopfhaut sorgen. Dazu ist die 95 Gramm leichte, sternförmig in fünf Segmente unterteilte Scheibe mit dünnen Gummi-Stiften gespickt, die gleichzeitig eine Distanzhalte-als auch Massagefunktion erfüllen sollen. Sogar die Frisur soll so attraktiv fixiert bleiben. Was nach einer perfekten Lösung klingt, entpuppt sich in der Praxis leider schnell als veritable Enttäuschung.
Beim Einlegen des allzu weichen Cooling-Pads in den Helm verrutscht es augenblicklich, ein kontrolliertes Aufsetzen wird unmöglich. Alternativ kann man das Silikon-Pad daher nur vorab auf das Kopfhaar klatschen und dann den Helm aufsetzen - das funktioniert zwar nach mehreren Versuchen, das Tragegefühl ähnelt jedoch einem Topf Pudding. Weil die elastischen Stifte durch das Helmgewicht und den Zug des Kinnriemens zusammengepresst werden, ist von einem erfrischenden Lüftchen absolut nichts zu spüren – im Gegenteil: Wie ein aufgesetzter Nylonsack sorgt der Pseudo-Kopfkühler für bisher unbekannte Hitzewallungen.
Das Urteil über dieses Crazy-Gadget fällt daher eindeutig aus: Flop, auf der ganzen Linie! Zum Wegwerfen ist uns der Silikon-Fetzen trotzdem zu schade: Als Topfuntersetzer in der Redaktionsküche hat er tatsächlich seine zweite Bestimmung gefunden. 

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