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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
peter.schoenlaub@motorrad-magazin.at
9.3.2017

Harley Street rodNAchgewürzt

Nach der Road King Special zaubert Harley-Davidson vor Saisonbeginn noch eine weitere Überraschung aus dem Hut: Die neue Street Rod. Damit stellt Harley der Street 750 endlich eine zweite Modellvariante zur Seite und wertet damit die gesamte Modellfamilie auf. Diese ist ja anfänglich unter keinem guten Stern gestanden: Als einzige Harley wurde sie ohne ABS eingeführt, die Verarbeitung war – gelinde gesagt – verbesserungswürdig, die Perfomance der Bremsen und des Fahrwerks der Marke nicht würdig. So blieben wohl auch die Verkaufszahlen zumindest in Europa unter den Erwartungen.

Die neue Street Rod soll nun ausziehen, um das Image der Street-Modellfamilie zu polieren. Sie rollt deutlich schärfer und sportlicher auf die Straße, soll dort auch mehr Fahrspaß bieten. Damit das diesmal gelingt hat Harley deutlich tiefer in die Technik des Motorrads eingegriffen als dies üblicherweise bei Modellvarianten üblich ist.
So wurde der flüssig gekühlte 60-Grad-V2 für die Street Rod drastisch überarbeitet. Die Nockenwellen des Revolution-X-Motors besitzen in dieser High-Output-Version schärfere Steuerzeiten und sorgen für größeren Ventilhub, die Vierventil-Zylinderköpfe wurden bearbeitet, die Kompression von 11:1 auf 12:1 erhöht. Der Motor darf nun auch um 1000 Touren höher drehen (auf 9000 U/min), zudem gibt’s 42er-Drosselklappen, einen Luftfilter mit mehr Volumen und einen größeren Endtopf. Alles zusammen ergibt um 20 Prozent mehr Leistung (71 statt 58 PS) und zehn Prozent mehr Drehmoment (65 statt 59 Newtonmeter).

Um diesen Leistungszuwachs würdig auf die Straße zu bringen, erhielt auch das Fahrwerk massive Updates, erkennbar an einer 43er-Upside-down-Gabel und Federbeinen mit Ausgleichsbehälter, mehr Federweg (117 Millimeter) sowie roten Federn. Da die Street Rod nun auch hinten ein 17-Zoll-Rad besitzt (Street 750 mit 15 Zoll), wurde die Schwinge im Vergleich minimal verlängert.
Einen Schritt vorwärts macht die Street Rod auch bei der Bremserei: ABS ist nun natürlich – wie mittlerweile bei der Street 750 – serienmäßig, dazu kommen zwei 300er-Scheiben mit Zwei-Kolben-Sätteln vorne. So dürfte das Versprechen nach mehr sportlichem Fahrspaß tatsächlich eingelöst werden, zumal die Street Rod auch eine im Vergleich zur Street 750 deutlich erweiterte Schräglagenfreiheit besitzt. 

Einer der großen Kritikpunkte der Street 750 betraf die wenig liebevolle Gestaltung der Details, die teilweise wirkten, als wären sie aus grobem Erz geschlagen. Harley hat offenbar verstanden und spendiert der Street Rod rundum feinere Ware: Schalt- und Bremshebel sind nun geschmiedet, die Fußraster bestehen aus Aluminium und wurden für eine etwas fahraktivere Sitzhaltung eine Spur nach hinten versetzt. Auch die klappbaren Lenkerenden-Spiegel wirken deutlich edler; Heckleuchte und Blinker arbeiten mit LED-Technik.

Den Preis für all die Goodies bezahlt man am Ende doch: Mit 9615 Euro für die glänzend schwarze Version und 9895 Euro für Mattschwarz oder Olive Gold (Preise für Deutschland: 8465/8735 Euro) ist die Street Rod um einen guten Tausender teurer als die Street 750. Allerdings scheint dieser Aufpreis durch den Mehrwert alleweil gerechtfertigt. Ob sich die Street Rod auch tatsächlich so viel besser fährt wie die Infos vermuten lassen? Das wissen wir in Kürze.
Motorrad Bildergalerie: Harley-Davidson Street Rod

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