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7.11.2016

HONDA 2017MEHR ALS ERWARTET

Wer gedacht hat, Honda hätte sein Pulver mit der Vorstellung der neuen Fireblade SP und dem Rennsport-Ableger SP2 auf der Intermot in Köln schon verschossen, irrt gewaltig. Auch bei der EICMA in Mailand ziehen die Japaner zahlreiche Neuheiten aus dem Hut. Selbst bei der brandneuen Fireblade-Palette gibt es für 2017 weiteren Zuwachs: neben den beiden SP-Modellen wird auch eine Standard-Variante verfügbar sein, die schlicht und einfach CBR1000RR Fireblade heißt und den Einstieg in Hondas Superbike-Klasse markiert. 

15 Kilogramm weniger Gewicht und 11 PS mehr Leistung als das Vormodell verbessern das Leistungsgewicht um 14 Prozent. In absoluten Zahlen halten wir bei 192 PS bei 13.000 Touren und 114 Newtonmeter bei 11.000 Touren. Zur Elektronik-Ausstattung zählen Traktionskontrolle (10-stufig), dreifach einstellbare Motorbremse, neues Schräglagen-ABS, Rear-Lift-Control, dreistufige Wheelie-Control, fünf programmierbare Riding Modes, drei Anzeigemodi des Farb-TFT-Displays (Street, Circuit, Mechanic) und ein dreistufiger Power Selector. Die elektronischen Assistenzsysteme bedienen sich neben der Raddrehzahlen der Daten eines zentralen Gyro-Sensors, der über fünf Achsen die jeweilige Roll- und Gierrate sowie die Längs-, Quer- und Vertikalbeschleunigung der Maschine erfasst.

Während der exzessive Einsatz elektronischer Assistenzsysteme bei der CBR1000RR eine Neuerung darstellen, hält Honda an der Philosophie fest, dass Fahrzeuggewicht und Power in ausgewogenem Verhältnis stehen müssen. Dafür wurden über 90 Prozent der Bauteile überarbeitet oder erneuert, um Gewicht einzusparen oder die Leistung zu erhöhen. Der Motor der neuen Fireblade wurde dank höherer Verdichtung und überarbeiteter Steuerzeiten stärker und dreht höher. Ein Novum ist der elektronische Gasgriff (erstmals an einer Inline-Four-Honda) mitsamt speziellem APS-Sensor (Accelerator Position Sensor) für die jeweilige Stellung des Gasgriffs. Ein Quickshifter mit Downshift Assist System ist leider nur optional erhältlich. Der aus Titan gefertigter Auspuffdämpfer trägt zur Gewichtsreduzierung sowie zur Zentralisierung der Massen bei. Die Fireblade wiegt vollgetankt nur noch 196 kg – 15 Kilo weniger als das 2016er-Modell.

Mit CB650F und CBR650F erfahren neben der teuren Fireblade auch zwei deutlich günstigere Vierzylinder-Modelle eine liebevollen Überarbeitung: Sowohl der nackten als auch die verkleiden Variante des 2014 vorgestellten unkomplizierten Allrounders spendiert Honda 4 PS mehr Leistung, ein klangvolleres Ansauggeräusch, eine neue Showa-Gabel und modifizierte Nissin-Bremszangen. Styling-Retuschen unterstreichen den sportlichen Auftritt der 650-Kubik-Bikes. Die Spitzenleistung von nun 91 PS wird durch überarbeitete Einlasstrichter und einen neuen Schalldämpfer generiert. Damit ist das Reihentriebwerk nicht nur fit für Euro-4 sondern auch noch drehfreudiger: es kommt erst bei 11.000 Touren in den roten Bereich. Auch eine kürzere Getriebeübersetzung sorgt für druckvollere Beschleunigung aus mittleren Drehzahlen.

Auf Basis des 750-Kubik-Scooters Integra präsentiert Honda auf der EICMA nun auch den martialischen „Offroad“-Roller X-ADV, der noch vor einem Jahr als Konzeptbike dem Publikum präsentiert wurde. Das „SUV unter den Scootern“ wartet serienmäßig mit einem Doppelkupplungsgetriebe, langen reisetauglichen Federwegen und robustem Fahrgestell mit Radial-Vierkolbenbremse auf. Mit 21 Litern Stauraum unter der Sitzbank, fünffach verstellbarem Windschild, modernem Cockpit-Display im Rallye-Stil, Africa-Twin-Handschützern, konifiziertem Alu-Lenker und Smart Key-System verspricht Honda nicht nur einen maskulin-martialischen Auftritt, sondern auch hohe Alltagstauglichkeit. 17 Zoll-Vorderrad, 15 Zoll-Hinterrad, grobstollige Reifen und ein Aktionsradius von mehr als 300 Kilometern lassen tatsächlich große Universalität erwarten. Der X-ADV dürfte die Gratwanderung zwischen Adventure-Bike und Pendler-Fahrzeug gut zu meistern wissen.

Zu guter Letzt überrascht Honda auf der EICMA mit einem Update der 146 Kilo leichten Allround-Enduro CRF250L. Rahmen und Federelemente bleiben unverändert, das Design der Kunststoffteile wurde aber noch stärker an die schärfere Optik der Motocross-Bikes angelehnt. Das Cockpit ist nun mit einer digitalen Anzeige ausgestattet, ein (bei Bedarf am Hinterrad abschaltbares) ABS-System ist ab sofort serienmäßig verbaut. Der Einzylinder mit 250 Kubik wurde mit überarbeiteter Airbox, modifiziertem Einlasstrakt, größerer Drosselklappe, optimierter Einspritzung und generalsaniertem Auspuffsystem ausgestattet. Diese Maßnahmen sorgen nun für 25 PS Leistung und 22,6 Newtonmeter Drehmoment. Außerdem werden die Abgasvorgaben von Euro-4 erfüllt.

Neben dem Modellupdate der CRF250L wird für 2017 auch die brandneue CRF250 Rally ins Honda-Programm aufgenommen. Das Viertelliter-Wüstenschiff baut auf der erwähnten CRF250L als Basis auf, ihr Design mit asymmetrischen LED-Scheinwerfern ist jedoch inspiriert von Hondas Factory-Racer bei der Rallye Dakar, der vom HRC-Team eingesetzten CRF450 Rally. Trotz markanter Frontverkleidung für effizienten Windschutz, Unterfahrschutz, Handschalen, 10,1-Liter-Tank und so weiter ist sie nur moderate 11 Kilo schwerer als ihre unverkleidete Schwester. Längere Offroad-Abstecher auf Schotterstraßen steckt die CRF250 Rally zwar bestimmt gut weg, von der ernsthaften Teilnahme bei Wüstenrennen sei dennoch eindringlich abgeraten: Kernkompetenz der auffällig designten CRF bleibt natürlich der alltägliche Allround-Einsatz zwischen Büro und Almhütte.

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