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Neu: MV Agusta Brutale Serie Oro950 mit 148 PS!
Manche Modelle mögen exklusiver, noch schräger, noch auffälliger sein – aber keines ist wichtiger für MV Agusta. Die Rede ist von der Brutale: Das Naked Bike ist der Bestseller und damit zum Kern der Marke geworden. So versteht man dann auch, warum die Italiener hier besonders sorgsam zu Werke gehen, sich mit viel Liebe, Akribie und Aufwand diesem Projekt gewidmet haben. Also Vorhang auf, Trommelwirbel: die neue Brutale ist angekommen!
Nun könnte jemand fragen: Gut und schön, aber welche Brutale? Gibt’s denn keine Kennzahl mehr dahinter? Nein, gibt es nicht. Die neue Brutale kommt ohne Hubraumangabe aus, womit MV Agusta demonstrieren will, dass dies DIE Brutale ist. Die Brutale der Mitte, das wichtige, zentrale, hoffnungstragende Modell. Daneben bleibt aber die Vorgängerin als – leicht modellgepflegte – Brutale 800 im Programm, oben reihen sich die Brutale 1000 RS und Brutale 1000 RR dazu.
Falls man es doch wieder ändert: Der logische Name wäre Brutale 950, denn sie hat natürlich den neu entwickelten Dreizylindermotor im Gitterrohrrahmen, der bei der Enduro Veloce debütierte. Gegenüber der Reiseenduro habe man allerdings so viel am Motor verändert, dass man im Grunde von einem komplett neuen Aggregat sprechen könne, sagen die Techniker. Ein paar Beispiele: Der Zylinderkopf ist völlig neu, unter anderem mit viel aggressiveren Nockenprofilen; Ansaug- und Auspufftrakt sind anders, die Kolben und damit der Brennraum, die Airbox, das Kühlsystem (sowohl Wasser- als auch Ölleitungen), die Kupplung. Deswegen heißt der Motor jetzt auch: 950 Evo.
Warum so viel gemacht werden musste? Damit der Motor mehr Schmalz bekommt. Man ist schließlich MV Agusta, und da sollte die neue Brutale in ihrer Klasse schon eine Benchmark setzen. Alsdann: 148 PS bei 11.200 U/min, 107 Newtonmeter bei 8400 U/min. Ab 3500 U/min hat man schon 85% des maximalen Drehmoments zur Verfügung. Die rote Linie liegt bei 12.000 U/min. Und MV Agusta hat auch ein paar Charts bereit, um seinen Anspruch an die Klassenführung zu untermauern: KTM 990 Duke, Ducati Streetfighter V2 (das alte Modell): überall liegen die Kurven entweder auf gleichem Niveau, meistens aber drüber. Das wird spannend.
Spannend auch, weil MV Agusta viel am Fahrwerk gemacht hat. Kleiner Einschub: Wir reden hier zunächst von der Serie Oro – einer limitierten Kleinserie, mit der MV Agusta traditionell eine Markteinführung beginnt. Auf nur 300 Exemplare limitiert wird hier das Beste vom Besten verbaut. Zum Beispiel Schmiederäder (mit Pirelli Diablo Rosso IV), die zwei Kilo gegenüber Gussfelgen einsparen. Oder ein Titan-Termignoni, der einen Kilo einspart. Oder viel Carbon, das wahrscheinlich gar nichts einspart, aber einfach nur großartig aussieht.
Deswegen wissen wir momentan auch nicht, wie das Fahrwerk beim darauf folgenden Standardmodell aussehen wird. Bei der Serie Oro kommen jedenfalls allerfeinste Öhlins-Komponenten zum Einsatz: eine 43er-NIX-Gabel und ein TTX-GP-36-Federbein mit Ausgleichsbehälter, beides natürlich voll verstellbar. Federwege: 120/133 mm. Und bei der Bremserei feiert Brembos neue Hypure-Zange ihre Premiere in diesem Segment.
Um die Daten abzurunden: die neue MV Agusta Brutale läuft 260 km/h, der WMTC-Verbrauch beträgt 5,7 Liter je 100 km und das Gewicht beträgt 190 Kilo mit allen Betriebsstoffen, aber ohne Sprit. Rechnet man 90% Füllung im 16,5-Liter-Tank ein, dann kommt man auf 201 Kilo fahrfertig.
Der Rahmen entspricht in Grundzügen der gewohnten Bauweise, wurde aber ebenfalls neu berechnet, um die Fahrbarkeit zu verbessern und natürlich den neuen Motor aufzunehmen. Die wunderschöne Einarmschwinge wurde verlängert, ebenfalls um bessere Fahrbarkeit, Stabilität und mehr Feedback zu erreichen.
Sehr ungewohnt bei MV Agusta: dass wir über Komfort sprechen. Tatsächlich wurde aber stark daran gearbeitet, den Fahrerinnen und Fahrern ein bequemeres Plätzchen anbieten zu können. Der bei der Serie Oro mit rotem Alcantara bezogene Sitz wurde im vorderen Bereich um 20, im hinteren um 40 Millimeter breiter. Außerdem wurde er um 40 Millimeter länger und um zehn Millimeter stärker gepolstert. Auch der Lenker sollte entspannter geworden sein, mit veränderter Kröpfung und um 20 Millimeter gehobenerer Position. Er ist außerdem um zehn Millimeter weiter vorne, das bringt ebenfalls mehr Platz. Dafür sind die Fußrasten weiter oben und hinten. Übrigens soll auch der weiterhin muskulöse Tank so gestaltet worden sein, dass er dem Sitzkomfort ebenso fördert. Das war ja nicht immer so.
Nun zur Elektronik. In Sachen Fahrassistenz haben wir natürlich alle üblichen Verdächtigen an Bord, und man kann sie vielfältigst einstellen. Zum Beispiel auch das Kurven-ABS, bei dem man wie sonst nur bei Supermotos oder Geländemotorrädern die ABS-Funktion am Hinterrad deaktivieren kann, um anmutig in die Kurve zu sliden. Gebündelt sind bis zu acht verstellbare Parameter in fünf Fahrmodi, einer davon programmierbar.
Vor der Fahrerin oder dem Fahrer thront ein neues 5-Zoll-TFT-Display im 16:10-Format und im sehr kompakten Gehäuse, das natürlich über verschiedene Darstellungsformate verfügt. Connectivity ist part of the game, samt Pfeil-Navi. Hightech gibt’s außerdem noch an vorderster Front: Der neue Scheinwerfer mit sehr einprägsamer Tagfahrlicht-Signatur arbeitet mit Matrix-Technik. Das bedeutet, dass sich kleine LED-Segmente zuschalten, wenn die IMU eine Kurvenfahrt meldet. Es gibt also Kurvenlicht, trotz des extrem kompakten Scheinwerfers – ein Hoch der Technik!
Eine Ausfahrt mit der neuen MV Agusta Brutale wird also mehr als spannend. Und spannend soll es auch beim Preis werden, hieß es. Wohl weniger bei der Serie Oro, hier wird eine bestimmte Schmerzbefreitheit wohl Voraussetzung sein. Aber beim folgenden Serienmodell, da soll der Kaufpreis überraschend sein, hieß es. Auf jeden Fall sind da wie dort nun generöse fünf Jahre Werksgarantie inkludiert.
Bis zum Start müssen wir aber noch ein wenig warten. Die Auslieferungen für die 300 Stück der durchnummerierten Serie Oro sollen im zweiten Quartal 2026 beginnen, und gleich nach deren Abschluss wird mit dem Standardmodell gestartet. Mit ein wenig Glück sollten also zu Jahresmitte schon die ersten Exemplare davon von den Bändern rollen. Es könnte ein heißer Sommer werden.
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