peter.schoenlaub@motorrad-magazin.at
Erwischt: BMW R 20Bayerns dickstes Ding
Etwas mehr als zwei Jahre ist es jetzt her: Markus Flasch, CEO von BMW Motorrad, fuhr damals beim Concorso d'Eleganza Villa d'Este die „Concept R 20“ auf die Bühne. Der Zusatz „Concept“ stellte klar, dass es sich beim gezeigten Motorrad nicht um ein Serienmotorrad handeln würde. Die Bayern wollten jedoch zeigen, was der Kunde sich vorstellen kann, wenn sie ihren „Big Boxer“ in ein Motorrad verbauen, das typisch für BMW ist. Typischer zumindest als es die Cruiser-Familie „R 18“ ist.
Das, was als Ergebnis am Comer See präsentiert wurde, war spektakulär: schnörkellos, klassisch und liebevoll gestaltet, reduziert und bullig zugleich – als hätte man die ursprüngliche R NineT mit dem großen Boxer-Motor ausgestattet. Nur kurze Zeit später war abzusehen, dass das Concept R 20 auch eine Serienversion folgen würde und auch CEO Flasch betonte mehrfach öffentlich seine Unterstützung für das Projekt.
Inzwischen nimmt der Heritage-Roadster die letzten Hürden zum Serienanlauf, um eine Präsentation noch in diesem Jahr möglich zu machen. In Bayern und Südfrankreich sind Prototypen auf Erprobungsfahrten unterwegs, an denen vor allem eines auffällig ist: Wie wenig sich an der Serien-R 20 gegenüber der Konzeptstudie verändern wird.
Die Silhouette des Ausstellungsstücks lassen die bayrischen Designer nahezu unangetastet. Die skulpturale Gestaltung des Tanks, der LED-Frontleuchte, des Einzelsitzes und des Lenkers werden fast 1:1 von der Studie übernommen und damit auch deren Ergonomie. Zwar wurden frühe Entwicklungsmotorräder mit einer Doppelsitzbank gesichtet. Wahrscheinlich ist jedoch, dass diese, wenn überhaupt, nur optional erhältlich sein wird. Der Heckrahmen der R 20 ließe sich mit der auf Fotos erkennbaren Schraubkonstruktion leicht austauschen, so wie dies auch bei der R NineT der Fall war.
Das Herz des Motorrads sitzt darunter: Der um rund 100 Kubikzentimeter je Zylinder erweiterte, luft- und ölgekühlte „Big Boxer“, der in der Cruiser-Familie schon keinen Mangel an Hubraum aufweist und in der R 20 nun auf die namensgebenden zwei Liter kommt.
Typgetreu, jedoch modifiziert gegenüber der Studie, ist die Unterflur-Auspuffanlage. Sie muss, um zulassungsfähig zu sein, die üblichen Abgas- und Lärm-Emissionstests bestehen, ist unauffällig unter dem Motor installiert und mündet in je eine Auspufföffnung pro Seite. Technische Daten, die über den Hubraum hinausgehen, liegen noch nicht vor. Die Nennleistung dürfte sich jedoch im knapp dreistelligen Bereich bewegen, schließlich kommt das Basis-Triebwerk in der R 18 bereits auf 91 PS.
Die wahre Stärke des Zweizylinders war bislang jedoch bereits das Drehmoment. 163 Newtonmeter bringt der Boxer in der R 18 auf die Kardanwelle, der Antrieb der R 20 dürfte da nochmals eine Schippe drauflegen. Er sitzt im nur wenig angepassten Doppelschleifen-Rohrrahmen aus Stahl, wie er auch in den Cruiser-Modellen eingesetzt wird. Größter Unterschied hier ist die verkürzte Schwinge, die sich gegenüber dem Concept leicht überarbeitet zeigt, jedoch weiterhin mit auf der rechten Seite offen liegenden Kardanwelle daherkommen wird. An der Schwinge angebracht ist die Halterung für Heckleuchten und Kennzeichenträger. Auch die Bereifung hat sich weiter entwickelt: An den Prototypen kommen Michelin Road 6 zum Einsatz.
Die Entwicklung der R 20 ist offenbar fast abgeschlossen, so viel lässt sich anhand der vorliegenden Fotos bereits feststellen. Einzig die mattschwarz Lackierung lässt erahnen, dass es sich noch um einen Prototypen handelt. Detailarbeit ist jedoch nötig, auch dies ist sichtbar. Wann die Serienversion ihre Publikumspremiere feiern wird, ist offiziell noch nicht kommuniziert. Ein wahrscheinlicher Anlass ist jedoch die kommende Mailänder EICMA im November.
Motorradneuheiten 2027 – Übersicht
Klicken zum Weiterlesen »
