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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
peter.schoenlaub@motorrad-magazin.at
16.6.2026

Erwischt: Neues Einstiegsmodell von Moto GuzziEin Adler für Junge und Junggebliebene

Moto Guzzi steht für V2-Motoren – im Speziellen für luftgekühlte Twins mit längs laufender Kurbelwelle. V7 und V85 verkörpern die legendäre Technik aus Mandello del Lario in Reinkultur, die wassergekühlten Stelvio und V100 Mandello waren vor ein paar Jahren die jüngste Evolutionsstufe. Doch die komplexeren Twins in V-Form bringen zwar den Nimbus der Originalität mit sich, gleichzeitig aber auch höhere Produktionskosten. Preislich ein eklatanter Nachteil, denn weltweit werden günstigere Mittelklassemodelle wichtiger.

Der Markt über 500 Kubikzentimetern Hubraum soll, so erwarten es Experten und die meisten Hersteller, weltweit mittelfristig schrumpfen. Ein Grund, weshalb immer mehr Marken darauf setzen, Modelle im Marktsegment zu bringen, das bei uns die wachsende untere Mittelklasse darstellt und gleichzeitig das „Big-Bike-Segment“ im asiatischen Markt: BMW hat mit der F450 GS ein Modell gebracht, das mittelfristig zur Familie ausgebaut und später um zusätzliche Modelle mit mehr Hubraum ergänzt werden wird. KTM hat bereits seit Jahren die erfolgreichen 390er-Modelle am Markt und startet Ende kommenden Jahres ebenfalls mit einer Reihentwin-Familie mit rund 500 Kubik. Triumph hat mit 400er-Einzylindern vor zwei Jahren eine neue Modelllinie begründet. Auch Aprilia hat mit seinen von der RS660 abgeleiteten RS457 und Tuono 457 neue Kundenschichten erobert. Und der Reihentwin aus Noale bildet ab Ende des Jahres die Basis für eine Moto Guzzi, die für die Marke aus Mandello del Lario nichts weniger als einer Revolution gleichkommt.

Moto Guzzi und Aprilia gehören gemeinsam zur Piaggio-Gruppe und teilen sich eine Entwicklungsabteilung – die Wege für den Technologietransfer sind kurz. Damit wird Moto Guzzi erstmals einen Reihentwin zum Verkauf anbieten. Zwar gab es in den 1930er-Jahren schon Reihenmotoren bei den Italienern, doch diese waren nur für Motorsportmodelle gedacht und wurden normalen Kunden vorenthalten. Erst jetzt folgt ein Serienmodell mit der heutzutage am weitesten verbreiteten Motorbauform.

Wie Fotos von nahezu serienreifen, wenn auch noch mit Tarnung verfremdeten Vorserienmotorrädern zeigen, setzt die Marke vom Comer See dabei aber nicht auf die simple Übernahme der Basis von Aprilia, sondern passt diese an die eigenen Bedürfnisse und die eigenen Kunden an: Das dabei entstehende Modell ist ein klassisch gezeichneter Roadster, dem man die Verwandtschaft zur Noaleserin kaum ansieht. Der Motor gleicht dabei, mit Ausnahme eines veränderten Lichtmaschinendeckels, äußerlich weitgehend der ursprünglichen Bauform.

Der Klang jedoch ändert sich: vermutlich durch eine veränderte Abgasanlage. Auch innermotorische Modifikationen sind wahrscheinlich – der größere und in seiner Positionierung leicht angepasste Kühler ist ein Hinweis darauf. Die Charakteristik von Leistungs- und Drehmomententfaltung dürfte die Guzzi von ihrer Noaleser Schwester jedenfalls merklich unterscheiden. Ob es auch Unterschiede in Spitzenleistung und Hubraum geben wird, bleibt noch abzuwarten.

Sicher scheint aber, dass die Guzzi schwerer wird als die Tuono 457. Die Aprilia setzt bei Rahmen und Fahrwerk großflächig auf den Einsatz von Aluminium, die Moto Guzzi auf Stahl. So weicht der Alu-Brückenrahmen der Tuono und RS457 in der Moto Guzzi einem klassischen Stahlrohrrahmen, und auch die Schwinge am Hinterrad ist neu entwickelt und aus dem festen Werkstoff. Dazu grenzt das neue außen liegende Federbein das Chassis der Guzzi von dem der sportlichen Schwester aus Noale ab.

Wo sich die Aprilia an ein sportlicheres Klientel wendet, dürfte es die Marke vom Comer See auf Fahrerinnen und Fahrer abgesehen haben, die es entspannter mögen. Die bullige Tankform haben die Stilisten aus Mandello erhalten, auch wenn keine Ventildeckel seitlich hervorschauen. Die Sitzbank ist bereits jetzt erkennbar großzügig dimensioniert und dick gepolstert. Die Instrumente sind klassisch rund – jedoch als modernes TFT-Instrument ausgeführt. Ebenfalls noch getarnt, jedoch bereits erkennbar: In die runde Frontlampe ist das LED-Tagfahrlicht in Form des typischen Adlers integriert.

Die Premiere dürfte im November auf der Mailänder Leitmesse EICMA stattfinden. Ein Geheimnis ist nach wie vor der Name. Die Historie von Moto Guzzi ist jedoch reich an möglichen Vorbildern. Wir bleiben dran!

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