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Cruiser mit AutomatikRieju Coaster 407 AMT
Mit der Coaster 407 erweitert der spanische Hersteller Rieju sein Programm um einen betont niedrig gebauten Cruiser. Technisch interessant ist dabei nicht nur der V-Zweizylinder, sondern vor allem die optional beziehungsweise am österreichischen Modell serienmäßig angebotene AMT-Automatik. Sie soll klassisches Motorradgefühl mit dem Komfort einer automatisierten Schaltung verbinden.
Herzstück der Coaster 407 ist ein flüssigkeitsgekühlter V-Zweizylinder mit 385 Kubikzentimetern Hubraum und acht Ventilen. Rieju gibt 28,5 kW beziehungsweise 34,6 PS bei 8.250 U/min sowie ein maximales Drehmoment von 36 Nm an. Damit bleibt die Coaster problemlos innerhalb der A2-Leistungsklasse.
Die Kraftübertragung funktioniert über ein Sechsganggetriebe und Zahnriemen. Der Riemenantrieb ist natürlich fein: Er arbeitet sauber und vergleichsweise wartungsarm und passt damit gut zu ihrem komfortorientierten Konzept.
AMT steht für Automated Manual Transmission, also ein automatisiertes Schaltgetriebe. Das ist weder eine stufenlose Variomatik eines Rollers noch ein Doppelkupplungsgetriebe nach dem Muster von Hondas DCT. Die Basis ist ein konventionelles, sequenzielles Motorradgetriebe. Bei einem AMT übernehmen elektrische oder elektromechanische Aktuatoren die Jobs, die man normalerweise mit Kupplungshebel und Schalthebel erledigt. Kupplung und Gangwechsel werden elektronisch koordiniert. Rieju bietet dabei zwei Möglichkeiten. Im automatischen Modus entscheidet die Elektronik selbstständig, wann hoch- oder heruntergeschaltet wird. Alternativ kann der Fahrer die Gangwahl über Paddles beziehungsweise Tasten am linken Lenker selbst übernehmen – ohne dafür manuell kuppeln zu müssen.
Grundsätzlich ist das Rieju-System am ehesten mit aktuellen automatisierten Motorradgetrieben wie Yamahas Y-AMT oder BMWs Automated Shift Assistant ASA vergleichbar. Auch dort werkt ein konventionelles Motorradgetriebe, während Aktuatoren Kupplungs- und Schaltarbeit übernehmen. Von Hondas DCT unterscheidet sich dieses Prinzip aber grundlegend. Das Dual Clutch Transmission arbeitet mit zwei Kupplungen und zwei ineinandergreifenden Teilgetrieben und kann dadurch den jeweils nächsten Gang bereits vorbereiten. Auch Hondas E-Clutch verfolgt einen anderen Ansatz: Sie automatisiert zwar die Kupplung, die eigentlichen Gangwechsel führt der Fahrer aber weiterhin über den Fußschalthebel aus. Die Rieju kann auch den Schaltvorgang vollständig selbst übernehmen.
Nicht nur beim Schalten setzt die Coaster 407 auf Bequemlichkeit. Die Sitzhöhe liegt bei Einsteiger- und aufstiegsfreundlichen 690 Millimeter, der Radstand beträgt für einen Cruiser eher kurze 1.550 Millimeter. Rieju gibt ein fahrbereites Gewicht von 195 Kilogramm bei einem Tankinhalt von 16 Litern an. Vorne rollt die 407 Coaster auf einem 19-Zoll-Rad mit einem 130/60er-Reifen, hinten auf einem 180/55-17. Die 37-Millimeter-Gabel bietet vorne 120 Millimeter Federweg, hinten arbeitet ein Monofederbein mit überschaubaren 65 Millimetern Radfederweg. Verzögert wird vorne über eine 300-Millimeter-Scheibe mit Nissin-Doppelkolbensattel, hinten über eine 240-Millimeter-Scheibe. ABS und Traktionskontrolle gehören zur Ausstattung. Beim Cockpit verbindet Rieju die klassische Optik mit durchaus moderner Ausstattung. Das runde Fünf-Zoll-TFT bietet Smartphone-Anbindung und Mirror-Link. Dazu kommen Voll-LED-Beleuchtung, Keyless-System sowie USB-A- und USB-C-Anschlüsse.
Damit fügt sich die Rieju Coaster 407 AMT in eine bisher noch dünn besetzte, aber wachsende Nische. Konkurrenz findet sich bei kleineren Cruisern mit "Automatik"-ähnlichen Lösungen vor allem bei chinesischen Marken wie QJMotor, Benda und CFMoto. Mit 34,6 PS und einem österreichischen Listenpreis von 6.299 Euro macht Rieju eine interessante Vorgabe. Ob uns die AMT-Abstimmung beim Anfahren, Rangieren und während der Gangwechsel überzeugen kann, muss ein erster Fahrtest zeigen. Technisch ist die Coaster 407 aber schon jetzt eines der ungewöhnlicheren Angebote in der unteren Mittelklasse.
Außergewöhnlich sind übrigens die Felgen. Ein derart aufwändiges Design kennt man sonst eher von einer Harley-Davidson Breaout. Und die ist in einer ganz anderen Preisklasse unterwegs ...
