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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
peter.schoenlaub@motorrad-magazin.at
9.10.2017

2018 Harley Street Bob Erster TestAFFENZAHN

Mit zwei Eigenschaften sticht die Street Bob aus der neuen Softail-Palette hervor: Sie ist einerseits das günstigste Bike dieser Liga, andererseits das leichteste. Mit 297 Kilo schafft sie es als einzige Softail unter die 300-Kilo-Marke.

Softail? Richtig, die Street Bob gehört ab sofort wie andere ehemalige Dyna-Modelle (Lowrider, Fat Bob) nun zur Softail-Familie. Auf den ersten Blick erkennbarer Unzterschied ist der Wegfall der beiden sichtbaren Federbeine am Heck. Wie bei allen Softails simuliert die Konstruktion nun einen Starrrahmen, wobei die Stahl-Dreickschwinge natürlich doch gefedert wird – nunmehr über ein Monoshock-Federbein, das unter dem Sitz versteckt ist.

Was ist noch passiert? Die Street Bob erhielt den neuen Milwaukee-8-Motor und damit mehr Power. 87 PS und ein maximales Drehmoment von 145 Newtonmeter sorgen für munteren Vortrieb, eine zweite Ausgleichswelle bedingt, dass sich die Vibrationen trotz starrer Verschraubung im Rahmen in Grenzen halten. Ein gewaltiger Schritt nach vorne ist die damit erzielte Steifigkeit: Im Vergleich zum alten Dyna-Rahmen mit gummigelagerten Motor ist das neue Konzept und rund 90 Prozent steifer.

Und das spürt man beim Fahren sofort. Die Street Bob reagiert präziser auf Lenkbewegungen, liegt souveräner in Schräglage, schwingt sich bei Bodenwellen nicht auf – es ist ein echter Genuss, das Motorrad durch die Kurven zu schleudern. Dabei erweist sich die Street Bob als überraschend leichfüßig und ungemein transparent. Trotz sehr guter Schräglagenfreiheit beginnt man rasch mit den Fußrastern aufzusetzen und einen Moment später schon mit den langen Auspufftröten – ein Beweis, wie sicher und souverän sich alles anfühlt. Auch dank der neuen 49er-Telegabel, dem gut funktionierenden Monoshock-Federbein und sehr gut verzögernden Bremsen. Sogar der Komfort ist trotz der kurzen Federwege (niedrige Sitzhöhe!) überraschend hoch.

Zu alldem kommt eine blitzsaubere Verarbeitung, nette Details wie die Speichenfelgen, ein neuer, peppiger LED-Scheinwerfer und ein kleines, sinnvolles Goodie in Form einer USB-Steckdose in der Nähe des Lenkkopfs. Außerdem kommt ein schlankes, in die Lenkerklemme integriertes LED-Display statt der großen Instrumente zum Einsatz – sieht cool aus, erfüllt seinen Zweck tadellos. Wer mag, kann die Street Bob auch mit einem Soziussitz und entsprechenden Fußrastern ausstatten.

Ein perfektes Einsteigerbike in die Welt der Big Twins von Harley? Fast, denn die Sitzposition ist nach wie vor eine Katastrophe. Es soll ja Menschen geben, die diese Haltung mögen, wir zählen nicht dazu. Die Fußraster sind zu weit hinten, die Oberschenkel zu stark angezogen, die Hände am Apehanger zu weit oben. Um es ganz klar zu sagen: Es mag cool aussehen, ist aber eine Tortur.

Trotzdem kein Grund, die Street Bob abzuschreiben. Mit Teilen aus dem unermesslich reichen Zubehör von Harley kann man die Sitzposition leicht korrigieren und für die eigenen Befindlichkeiten maßschneidern. Dann bekommt man tatsächlich ein perfektes Einsteigerbike, das einerseits ganz leicht zu fahren und zu rangieren ist, eine ultraniedrige Sitzhöhe bietet und unkomplizierten Fahrspaß möglich macht – andererseits aber mit fettem Big-Twin den vollen Harley-Davidson-Geschmack garantiert. Und immer ein Lächeln im Gesicht.

Motorrad Bildergalerie: Harley Street Bob 2018 Erster Test

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