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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
peter.schoenlaub@motorrad-magazin.at
19.4.2017

BMW HP4 RACEDie CArbon-Beauty kommt im September!

Jetzt ist die Raubkatze aus dem Sack! Nach der ersten Präsentation auf der Eicma im vergangenen November hat BMW heute die technischen Daten und weitere Infos zur HP4 Race bekannt gegeben. Wichtigste Eckdaten: Das rein für Rennstreckeneinsatz konzipierte Bike wird auf 750 Einheiten limitiert sein und Superbike-Techologie für betuchte Privatkunden verfügbar machen. Die ersten Auslieferungen werden am 2. September 2017 starten, wie viel dafür zu berappen sein wird, bleibt derzeit allerdings noch offen.

Dafür wissen wir ganz genau, was man bekommt: ein größtenteils aus Carbon gefertigtes Superbike, das trocken 146 und fahrfertig vollgetankt 171 Kilo wiegt. Diese geringe Masse wird von einem gegenüber der S 1000 RR vielfach modifizierten Vierzylinder bewegt, der saftige 215 PS bei 13.900 U/min leistet. Kurzum: der pure Wahnsinn!
Der spektakulärste Bauteil ist natürlich der Carbon-Brückenrahmen, der hier erstmals von BMW verwendet wird und für dessen industrielle Kleinserienfertigung man auf Know-how der Auto-Kollegen zurückgreift. Das Bauteil nützt den Motor als mittragendes Element und wiegt nur 7,8 Kilo – um vier Kilo weniger als der ohnehin schlanke Alurahmen der S 1000 RR. Ebenfalls aus Carbon gefertigt werden die Räder (um 30 Prozent leichter als Schmiedefelgen!), das selbsttragende, verstellbare Rahmenheck, der Sitzbankhöcker, die Verkleidung und der Vorderradkotflügel. Der Tank besteht aus handgebürstetem, klarlackiertem Aluminium, die Schwinge wird ebenfalls aus Leichtmetall gefertigt und entspricht jener Spezifikation, die auch in der WSBK und in der Langstrecken-WM verwendet wird. Die Lightweight-Komponenten werden mit einer Titan-Abgasanlage (der Akrapovic-Schalldämpfer besitzt eine Carbon-Ummantelung) ergänzt.

Fahrwerkseitig wird ebenfalls in die Schublade mit den rennerprobten Premiumteilen gegriffen: Die Öhlins-USD-Gabel (FGR 300) und das Öhlins-Federbein (TTX 36 GP) werden baugleich auch in der WSBK verwendet. Auch die Bremserei gibt sich keine Blöße: Brembo Monobloc GP4 RR aus Alu verwenden Titankolben, die auf Racing-Stahlscheiben beißen.
Der Motor selbst entspricht in Grundzügen der S 1000 RR, bekam aber neue Nockenwellen verpasst, die größere Ventilhübe ermöglichen; neue Steuerzeiten, eine neue Airbox und natürlich die Renn-Abgasanlage sorgen dann für 16 zusätzliche PS. Parallel dazu wurde das Kühlsystem leistungsfähiger gestaltet, die Kurbelwelle um rund 200 Gramm erleichtert und natürlich auch das Getriebe angepasst. Das Renngetriebe besitzt im Vergleich zum Straßenmodell einen ersten und zweiten Gang mit längerer Übersetzung, während die Gänge vier bis sechs kürzer ausfallen. Im Lieferumfang sind diverse Ritzel und Kettenräder, die eine Anpassung der Endübersetzung erlauben.

Klar, dass auch die Elektronik alle Stückerln spielt: DTC und die Motorbremswirkung (EBS) lassen sich nicht nur jeweils in 15 Stufen verstellen, sondern auch gangselektiv. Auch die Wheelie-Kontrolle lässt sich gangselektiv anpassen. Dazu gibt’s eine Launch Control, einen Pit Lane Limiter und vier Fahrmodi: Wet, Intermediate, Dry1 und Dry2. All das lässt sich über farbige Tasten an der Lenkerarmatur (wie sie auch in der WSBK verwendet werden) justieren. Ablesbar ist alles am befrachteten LCD-2D-Dashboard, sämtliche Daten lassen sich natürlich auch nach der Fahrt auslesen. 

Apropos anpassen: Im Lieferumfang sind auch viele Teile enthalten, mit denen man die Geometrie des Fahrwerks der eigenen Köpergröße, den eigenen Vorlieben und natürlich an die jeweilige Rennstrecke anpassen kann, unter anderem den Gabel-Offset, den Lenkkopfwinkel oder den Schwingen-Drehpunkt. Auch das Rahmenheck kann man dreifach verstellen und damit die Sitzhöhe zwischen 816/836/846 Millimeter variieren. Die HP-Fußrasteranlage aus gefrästem Aluminium lässt sich achtfach verstellen.
Nach dem Gezeigten scheint klar, dass die HP4 Race die derzeit wohl schärfste Waffe ist, die man sich auch als Privatier für die Rennstrecke einpfeifen kann. Wieviel die ausgereizte WM-Technologie, verknüpft mit Carbon-Leichtbau, kosten wird, bleibt als großes Fragezeichen noch offen.
Motorrad Bildergalerie: BMW HP4 RACE

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