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Clemens Kopecky
Autor: Clemens Kopecky
12.3.2017

Trial FÜR EINSTEIGERTrial ist das Golfspiel des Motorradsports? Wir wissen es besser

Frustrierend. Gerade will ich triumphierend die Faust gen Himmel reißen und stolz meiner weiblichen Begleitung signalisieren, dass ich dank meines überragenden Fahrkönnens und meiner konditionellen Topform den tückischen, mit Felskanten und Wurzeln gespickten Steilhang hinter mir bezwingen konnte. Da höre ich leises, unaufgeregtes Zweitakter-Tuckern, das sich stetig den tückischen Berg hinaufschraubt. Mit einem eleganten Sprung katapultiert sich Sekunden später ein vielleicht zwölfjähriger Dreikäsehoch über die letzte Felskante. Grinsend bleibt er, das Motorrad am Stand balancierend, neben mir stehen und sagt: „Hast gesehen? Ein Nuller“, was im Trial-Fachjargon bedeutet, er hat die Auffahrt bewältigt, ohne mit dem Fuß den Boden zu berühren. „Toll. Gratuliere. Aus dir wird mal ein richtiger Profi“, ringe ich mir einige respektvolle Worte ab. Dass meine Füße auf derselben Sektion mindestens viermal Bodenkontakt hatten, verschweige ich wissentlich. Trial ist eben kinderleicht. Wenn man es kann.

Die Weisheit „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer“, trifft allerdings weniger auf den Trial-Sport zu als auf alle anderen Motorrad-Disziplinen. Für Wettbewerbserfolge auf internationalem Niveau sollte man zwar auch beim Trial besser schon im zarten Kindesalter mit dem Training beginnen. Wer kostengünstig und mit einer großen Portion Spaß seine Motorrad-Fahrtechnik verbessern will, kann aber auch im Erwachsenenalter ein beachtliches Niveau erreichen. Trial eignet sich hervorragend als Freizeitaktivität für die ganze Familie: Das Gleichgewicht wird geschult, die Koordination von Kupplung, Gas und Bremse perfektioniert und der Bewegungsapparat gestärkt. Außerdem schont Trial das elterliche Nervenkostüm: Wegen der geringen Geschwindigkeit in den Hindernis-Sektionen ist das Verletzungsrisiko deutlich geringer als bei allen anderen Motorrad-Kategorien.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb kämpft die Motorrad-Akrobatik häufig mit einem Imageproblem. Nicht selten schimpfen böse Zungen den Trial-Sport das „Golf der Motorradfahrer“. Auch der Autor muss zugestehen, in der Vergangenheit dieser Körperertüchtigung zu wenig Respekt gezollt zu haben. Erst ein Schnupperkurs beim vierfachen Trial-Staatsmeister Richard Hitzler (www.trialschule.at) sorgte für die überfällige Läuterung. Es ist eben wie mit der ersten Zigarette, dem ersten Kuss oder dem ersten Urlaub auf Mallorca: Man muss es einmal probieren, um sich ein Bild machen zu können. Zwar presche ich schon seit Jahren routiniert auf Hardenduros durch Forst und Schottergrube, trotzdem hält schwieriges Gelände immer wieder haarige Passagen parat, die man nur äußerst ungern und mit mulmigem Gefühl im Bauch in Angriff nimmt. Hier ist ein Trial-Motorrad nicht selten eine Wunderwaffe: Dort wo trotz Stollenreifen, langen Federwegen und potentem Triebwerk nichts mehr geht und der Pilot literweise Angst- und konventionellen Schweiß vergießt, fängt mit der rund siebzig Kilo leichten Trial der Spaß oft erst ganz stressfrei an. Nicht umsonst mutierte die Bezeichnung „Trial“ aus dem englischen „try all“ (dt.: versuch alles). „Geht nicht, gibt’s nicht“, das weiß man spätestens seit den TV-Übertragungen von Indoor-Trial-Wettbewerben. Drei Meter hohe Wände, meterweite Sprünge aus dem Stand oder sekundenlanges Balancieren auf dem Hinterrad – mit routinierten Piloten auf den Fußrastern schaffen die handlichen Trials nahezu jede Tücke des Terrains. Was man mit Trials noch alles anstellen kann, zeigt im Internet eindrucksvoll der zwanzigfache Weltmeister Toni Bou (Video 1). Aber auch die Österreichische Trial-Szene hat's drauf: Video 2 gibt einen kleinen Einblick.

Natürlich ist auch bei diesem Sport ohne Fleiß kein Preis zu gewinnen, aber schon gelegentliches Training bringt nachweisbare Erfolge für Gesundheit und Fahrtechnik. Die komplexen Bewegungsabläufe der Trial-Manöver laufen meist in Sekundenbruchteilen ab und beanspruchen neben der Koordination die Muskulatur des ganzen Körpers. Einsteiger dürfen nach einigen Stunden Training also den Franzbranntwein bereitstellen (bitte nur zum Einreiben!) – der Muskelkater kommt verlässlich wie der nächste Sonnenaufgang. Trotzdem lohnen alle Anstrengungen: Besonders bei Anfängern steigt die Lernkurve in wenigen Wochen steil an, und bereits nach wenigen Übungseinheiten bewältigt man auf zwei Rädern scheinbar Unmögliches. Sogar beinahe senkrechte Passagen, die selbst per Pedes kaum zu erklettern sind. Enduristen und sogar Motorrad-Tourenfahrer profitieren in ihrem Metier deutlich vom jahreszeitenunabhängigen Trial-Training. Auch auf Schneeboden werden Fahrtechnik geschliffen, Reflexe verbessert und das Gefühl fürs Fahrzeug geschärft.

Das Allerbeste für Sparfüchse: Trial ist ein bemerkenswert budgetfreundliches Hobby. Kaum eine Motorsport-Kategorie ist so kostengünstig finanzierbar wie der Trial-Sport. Neufahrzeuge gibt es bereits ab 5000 Euro, Versicherung und NOVA fallen für die untypisierten Modelle nicht an. Der Wartungsaufwand der robusten Zweitakter beschränkt sich im Freizeit-Einsatz großteils auf Routinekontrollen und regelmäßige Ölwechsel. Auch die Teilnahme an Wettbewerben schlägt sich in Österreich mit nur wohlfeilen 30 Euro Startgeld zu Buche (www.otsv.at).

Während die Offroad-Möglichkeiten für Hardenduro-Piloten abseits des Renngeschehens weniger und weniger werden, finden Trialfahrer dank des geringen Platzbedarfs, der kaum verursachten Flurschäden und der leisen Fahrzeuge noch leichter Trainingsmöglichkeiten. Oft reichen fünfzig Quadratmeter Parkplatz oder Wiese, die nach individuellen Anforderungen mit Paletten und Pylonen zum Trialgarten umgestaltet werden. Selbst der eigene Garten kann unter Umständen mit wenigen Handgriffen zum Übungsparcours modelliert werden. Den Nachbarn kann eine Stunde tägliches Training herzlich egal sein. In zwanzig Metern Entfernung ist ein modernes, flüsterleises Trial-Motorrad kaum mehr wahrnehmbar. Übrigens ist man mit Trial als Hobby in guter Gesellschaft: In Österreich gibt es eine unauffällige, aber sehr rege Szene. Knapp zwanzig Wettbewerbe werden in entspannter, einsteigerfreundlicher Atmosphäre jedes Jahr ausgetragen. Auch der Handel mit Trial-Motorrädern blüht: Jährlich wandern in unseren Breiten mehrere hundert Trials über den Ladentisch. Es scheint, als könnte Trial sogar zur Trendsportart avancieren. Ganz zu Recht.

Hier gibt's Infos über Trial-Motorräder, Bekleidung und das Reglement.

 

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Mit gerade einmal 25 Jahren und 246 Tagen stellt er diesen Rekord auf und verdrängt somit Mike Hailwood vom ersten Platz in den Geschichtsbüchern, der diese unglaubliche Leistung 1966 im Alter von 26 Jahren und 140 Tagen absolvierte. 
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25 Jahre World Xtreme Enduro Supreme! Die Jubila?umsausgabe des weltweit einzigartigen Motorsport- Events versammelt tausende ambitionierte Motorrad-Offroadsportler im Herzen O?sterreichs und macht die Region um den Steirischen Erzberg zum Epizentrum der internationalen Enduroszene.

Seit einem Vierteljahrhundert setzt das Erzbergrodeo nicht nur konstant neue Maßsta?be im Endurosport, die einzigartige Veranstaltung za?hlt weltweit zu den gro?ßten und renommiertesten Motorradsport-Events. Mit der offiziellen Bekanntgabe des Erzbergrodeo-Veranstaltungstermins beginnen fu?r tausende ambitionierte Motorrad-Offroadsportler auf allen Kontinenten die Vorbereitungen auf das gro?ßte und ha?rteste Xtreme Enduro Event des Jahres. Das Frohnleichnams-Wochenende vom 29. Mai bis 2. Juni 2019 streichen sich auch zig-tausende Fans aus aller Welt dick im Kalender an, die allja?hrlich die komplette Region rund um das beschauliche Eisenerz und Vordernberg ins Epizentrum der internationalen Dirtbike-Szene verwandeln.

Die Vorbereitungen fu?r die Erzbergrodeo-Jubila?umsausgabe laufen bereits auf Hochtouren und Erzbergrodeo-Mastermind Karl Katoch zieht fu?r das Erzbergrodeo 2019 wieder einige neue Pfeile aus dem Ko?cher. "Wir planen eine neue, erweiterte Streckenfu?hrung fu?r das Red Bull Hare Scramble, die alles bisherige in den Schatten stellt. Wir reagieren damit auf das weiter steigende Niveau im Xtreme Endurosport und ko?nnen zusa?tzlich neue Besucherzonen fu?r die Fans einrichten. Das Erzbergrodeo XX5 wird ein unvergessliches Fest fu?r alle Teilnehmer und Besucher werden.", so Katoch.

Neue Besucher-Busrouten und noch mehr Live-Action
Besonderes Augenmerk wird auf das Service fu?r die Besucher gelegt. "Das Erzbergrodeo XX5 wird nicht nur fu?r die Teilnehmer ein echtes Highlight. Fu?r die Besucher werden neben dem spektakula?ren Rahmenprogramm in der Interwetten Action Arena vor allem die neuen Shuttle-Busrouten und erweiterten Besucherzonen beim Red Bull Hare Scramble ein besonders beeindruckendes Erlebnis ermo?glichen. Die Fans vor Ort ko?nnen die spektakula?re Action so hautnahe wie mo?glich erleben.", verku?ndet Organisationsleiter Mark Schilling. Das Erzbergrodeo XX5 wird erneut Live bei ServusTV und auf Red Bull TV zu sehen sein, zusa?tzlich wird der Live-Stream des Red Bull Hare Scramble 2019 auch vor Ort in der Erzbergrodeo Arena zu sehen sein. Erzbergrodeo XX5 Fahreranmeldung startet am 5. November 2018 Der erste "Bewerb" jedes Erzbergrodeos startet traditionell vor den Computer-Bildschirmen: bei der Online-Anmeldung zum Erzbergrodeo 2019 werden sich erneut tausende ambitionierte Endurosportler um einen der 1.500 Startpla?tze reißen.

Die Fahreranmeldung startet am 5. November 2018 um 9:00 Uhr MEZ auf erzbergrodeo.at und ist die erste große Hu?rde - denn die Startpla?tze gehen weg wie heiße Semmeln!

Mit dem MITAS ROCKET RIDE Steilhangrennen, dem legenda?ren BLAKLA?DER IRON ROAD PROLOG und dem Highlight-Bewerb RED BULL HARE SCRAMBLE bietet das Erzbergrodeo an allen 4 Veranstaltungstagen hochkara?tige Motorrad Offroad-Action. Zusa?tzlich du?rfen sich die Besucher und Teilnehmer auf ein nicht minder spektakula?res Rahmenprogramm freuen, das die Interwetten Action Arena am Fuße des Erzbergs erbeben lassen wird. Vom Tagesticket bis zur Platin VIP-Karte gibt es viele Mo?glichkeiten, das Erzbergrodeo Live vor Ort zu erleben - alle Infos und den Kartenvorverkauf gibt's auf erzbergrodeo.at

Text: Martin Kettner
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