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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
9.2.2016

Indian Scout SixtyDer kleine Indianer

Sixty trifft bei den großen Indian-Modellen recht gut den Altersschnitt der Käufer. Damit haben die Amerikaner freilich kein Problem: Mit fortgeschrittener Lebensreife bewegen sich ja häufig auch das verfügbare Einkommen und die Gemütslage in die richtige Richtung für XXL-Cruiser.

Bei der Scout Sixty steht die Zusatzbezeichnung hingegen für die Kubatur. Der vor zwei Jahren eigens für die Scout entwickelte, flüssig gekühlte V2 wurde für das neue Einstiegsmodell nun von 1131 auf 999 Kubikzentimeter reduziert. In der für Amerika üblichen Angabe wären das 61 Cubic Inch, also sagen wir Sixty, das klingt griffiger. 

Mit dieser Reduktion will Indian nun endgültig die Jungen in den Sattel holen. All jene, denen der Motor noch immer zu dick, die Power zu furchterregend und der Preis zu hoch war, bekommen nun mit der Sixty eine schlankere Alternative: Von 100 blieben 78 PS übrig, statt 15.930 zahlt man nur mehr 13.990 Euro.

Diese Senkung des Einstiegspreises war freilich nicht allein durch die Verkleinerung der Bohrung um sechs Millimeter möglich. Neben dem zusätzlichen Verzicht auf einen sechsten Gang ist es vor allem die Ausstattung, die deutlich abgespeckt wurde. Der Einzelsitz wird mit Vinyl statt mit Leder bezogen und viele Chrom-Akzente der Scout sind auf der Scout Sixty einfach unbehandelt oder nur schwarz lackiert: das Scheinwerfergehäuse, der Lenker, die hinteren Stoßdämpfer, der Motor. Auch Rahmen und Alufelgen sind simply black.

Wer den schlichteren Auftritt schätzt, wird sich daraus keinen Strick drehen, schließlich steht auch die Sixty recht imposant auf dem Asphalt: Mit ihren dicken Reifen, dem langen Radstand und den für Indian typischen voluminösen Schutzblechen ist sie eine attraktive Konkurrenz zu Harleys Sportster-­Modellen und Yamahas XV950. 

Bevor die Einwände kommen: Klar, die beiden genannten Cruiser sind luftgekühlt. Für jeden, der diese Art von Nostalgie nicht zur Religion erhebt, hat die Wasserkühlung der Scout aber entschieden Vorteile: Der Motor läuft kultivierter, weicher, angenehmer und bringt trotzdem mehr Leistung. Gute Vibrationen – in softerer Form – sind trotzdem an Bord und wenn man die beiden serienmäßigen Megapipes gegen schlankere Remus-Röhren aus dem Originalzubehör tauscht (siehe am Foto unten), dann bekommt an auch ­einen rotzigen Motorsportsound, in den man sich verlieben kann.

Dieser Spreizung zwischen Vintage-Look und moderner Technik kann man auch beim Kurvenwedeln verfallen. Die Sitzposition ist selbst auf längeren Etappen angenehm, das Ansprechverhalten des Motors hervorragend. Die auf 78 PS reduzierte Leistung reicht völlig, um das Thema Crui­sen artgerecht zu erleben und bei Bedarf ein paar schnellere Sektionen zu absolvieren. Dabei hilft auch das üppige Drehmoment von 89 Newtonmetern, das schon bei 5600 Umdrehungen gipfelt: Es macht das Leben angenehmer, das Fahren relaxter und bringt die schon erwähnte Prise Dynamik, wann immer der Hafer sticht.

Flottere Zwischenstücke werden auch vom Fahrwerk unterstützt, das in diesem Segment eine neue Referenz ist, vor allem am Heck sind Modelle mit ultraniedriger Sitzhöhe – hier 643 Millimeter – üblicherweise ja knochen­trocken gefedert. Hier bieten die Federbeine aber dank der schrägen Einbaulage immerhin 76 Millimeter Federweg, was alleweil okay ist und die schlimmsten Stöße wegfiltert. Superb übrigens auch das Einlenkverhalten: Keine Spur von cruisermäßiger Schwammig- oder Staksigkeit, sondern exaktes Feedback und gute Stabilität. Beide Eigenschaften wird man übrigens nicht nur als sportlicher Fahrer, sondern auch als Rookie zu schätzen wissen: Die Scout ist extrem einfach und leichtfüßig zu fahren.

Was ist uns noch aufgefallen? Die Bremsen sind für einen Cruiser okay, das Getriebe ist präzise, das Single-Instrument hübsch und leicht ab­lesbar, aber nur mit den Minimalinfos ausge­stattet. Was uns gut gefällt, ist die Möglichkeit, Lenker und Fußraster über das Zubehör­programm an die eigene Ergonomie anzupassen. Schade, dass Brems- und Kupplungshebel nicht ebenso verstellbar sind, dafür ist die Sicht in den hochwertigen Rückspiegeln wiederum selbst für Breitschultrige exzellent. 

Unterm Strich: Die Scout Sixty ist ein hübscher, fein zu fahrender und charismatischer Cruiser, der den Glanz der alten Marke gut verkörpert – mit einem Extraschuss hochprozentigem Feuerwasser. Davon darf ruhig mehr kommen.

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Wenn sich eine Firma auf die kunstvolle Auffächerung einer Modellpalette versteht, dann ist das Harley-Davidson. Durch die geschickte Kombination von verschiedenen Tankgrößen, Sitzbänken, Rädern, Lenkern, Lackierungen entsteht so auf der gleichen technischen Basis eine ganze Familie für die unterschiedlichsten Geschmäcker und Bedürfnisse.

Jüngstes Beispiel ist die Sportster-Garde. Die kleinen Luftgekühlten bekommen 2018 weiteren Zuwachs durch die neue Iron 1200 und die Forty-Eight Special. Letztere stellt dem Urvater aller modernen Bobber eine leicht veränderte Interpretation zur Seite.

Groß sind die Unterschiede zur normalen und bekannten Forty-Eight nicht, muss man sagen. Ihr wichtigstes Merkmal stellt der höher aufragende Tallboy-Lenker dar. Im Gegensatz zum Mini-Ape, wie er beispielsweise auf der Iron 1200 montiert ist, steht der Tallboy aufrechter, seine Griffe sind weniger stark gekröpft. So wird der Fahrer in eine leicht vorgeneigte Position gezwungen, die Fäuste werden in den Wind gestreckt.

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