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Clemens Kopecky
Autor: Clemens Kopecky
19.11.2020

BMW S 1000 R 2021Evolution statt Revolution

Die lang ersehnte Runderneuerung der BMW S 1000 R wird 2021 endlich Realität: Der bayerische Roadster mit Superbike-DNA wurde für die kommende Saison komplett neu auf die Räder gestellt und optisch an die F 900 R angelehnt. Obwohl die jüngste Generation des „Dynamic Roadsters“ in gewohnter Manier auf der Technik des aktuellen Doppel-R-Superbikes basiert, verzichtet man beim Naked-Bike-Flaggschiff (wie auch im Antrieb der S 1000 XR) auf die variable „ShiftCam“-Nockenwelle, die Ventilhub und Steuerzeiten je nach Drehzahl anpasst. Dennoch soll die Kraftentfaltung des Reihenvierzylinders unter anderem dank hohlgebohrten Stahl-Einlassventilen, leichteren Schlepphebeln (8 statt 11 Gramm) und kürzeren Pleueln im Vergleich zum Vormodell fülliger ausfallen. Auch von den neu berechneten Nockenprofilen und dem optimierten Ansaugsystem dürfte der praxisrelevante Durchzug spürbar profitieren.

Nun jedoch die für Stammtisch-Helden schlechte Nachricht: An der Jagd nach 200-PS-Rekorden in der Streetfighter-Klasse beteiligt sich BMW weiterhin nicht. Die Höchstwerte für Spitzenleistung und maximales Drehmoment der S 1000 R bleiben mit 165 Pferdestärken bei 11.000 U/min und 114 Newtonmetern bei 9250 U/min unverändert. In die über 200 PS großen Fußstapfen von Ducatis Streetfighter V4, der MV Agusta Brutale oder auch einer Kawasaki Z H2 will man offensichtlich nicht treten, und auch der fast 180 PS starken KTM 1290 Super Duke R kann man in puncto Power weiterhin nicht das Wasser reichen.

Aber Hand aufs Herz: Im Landstraßenbetrieb macht ein solches Übermaß an Spitzenleistung ohnehin keinen Sinn, und der Durchzug der neuen S 1000 R soll ja zukünftig deutlich spritziger ausfallen, wie der Hersteller verspricht. Mittels längerer Übersetzung der obersten drei Gänge soll bei der S 1000 R das Drehzahlniveau immerhin um acht Prozent gesenkt worden sein – eine Maßnahme, die laut BMW auch den WMTC-Benzinverbrauch um acht Prozent auf jetzt 6,2 Liter reduziert. Die Schaltpräzision des Getriebes wurde ebenfalls optimiert, so der Hersteller. 

 

Die Bedienkräfte der selbstverstärkenden Anti-Hopping-Kupplung konnten für 2021 rund ein Viertel auf 65 Newton reduziert werden. Gegen Aufpreis offeriert BMW jetzt außerdem auch eine Motorschleppmoment-Regelung (MSR). Analog zum Superbike-Antrieb konnte die Breite (minus 12 Millimeter) und Höhe des Triebwerks verkleinert und das Antriebsgewicht um satte fünf Kilo abgespeckt werden – in Kombination mit dem nun leichteren „Flex Frame“ Chassis nach RR-Vorbild (minus 1,31 Kilo), leichteren Alu-Gussrädern und der Euro-5-konformen Abgasanlage senkt diese Diät das Fahrzeuggewicht um insgesamt 6,5 Kilo auf fahrbereit 199 Kilo. Mit dem exklusiven M-Sonderausstattungspaket können optional sogar weitere 4,8 Kilo Ballast abgeworfen werden.

Ergonomische Anpassungen erlauben eine verstellbare Lenkerklemmung, die Breite des in puncto Geometrie adaptierten Alu-Brückenrahmens soll nun besonders im Kniebereich ebenfalls bis zu drei Zentimeter schmaler sein. Bei der Geometrie zeigt sich der Lenkkopfwinkel mit 66 Grad nun steiler als bisher. Der Nachlauf verringert sich dadurch ein wenig, der Radstand wächst aufgrund der nun längeren Schwinge dennoch von 1439 auf 1450 Millimeter.  Erfreulich, besonders beim Rangieren in der engen Garage: der Lenkeinschlag ist mit 33 Grad nun 5 Grad gewachsen. 

Zum Basispreis von 16.990 Euro wird die ab April 2021 in Österreich verfügbare S 1000 R mit DTC, ABS Pro und drei Fahrmodi ausgeliefert. Weitere nützliche Helferleins wie beispielsweise der Schaltassistent Pro, das DDC-Elektronikfahrwerk (statt mechanischer Closed-Cartridge-USD-Gabel und konventionellem Federbein), die justierbare Motorbremse, eine Berganfahrhilfe, das adaptive Kurvenlicht oder ein dynamischer Bremsassistent (DBC) sind BMW-typisch Teile der ellenlangen Sonderausstattungsliste. Immerhin muss man für die LED-Lichtanlage und das brillante, aus der Doppel-R bekannte 6,5-Zoll große TFT-Display keinen Cent extra berappen. Die abgebildete Motorsport-Lackierung bleibt übrigens dem exklusiven M-Ausstattungspaket vorbehalten. Zum Grundpreis wird der neue BMW-Roadster wahlweise in Rot oder Silber offeriert.

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