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Christoph Lentsch
Autor: Mag. (FH) Christoph Lentsch
christoph.lentsch@motorrad-magazin.at
15.3.2021

KTM 390 Duke gegen Yamaha MT-03Vergleich A2-Nakedbikes

Text: Clemo
Fotos: Kurt Pinter

Schön langsam scheint den Japanern beim Anblick der Farbe Orange der Kragen zu platzen. Nicht nur, dass KTM mittlerweile sogar in der MotoGP siegreich ist (und im Grand Prix von Tschechien Yamaha auf Platz Zwei verwiesen hat), auch in puncto Verkaufszahlen mutieren die Mattighofener mehr und mehr zum starken Gegner. Im patriotischen Österreich zum Beispiel könnte der schlimmste japanische Alptraum bald Realität werden: KTM hat sich in der Zulassungsstatistik der Alpenrepublik längst zur dritterfolgreichsten Motorradmarke gemausert und sich knapp hinter Honda und Yamaha platziert.

Dass dem „Ready to Race“ Motto besonders die junge Generation gerne folgt, sorgt vor allem in Hamamatsu für schlechte Laune – schließlich bemüht man sich seit mehr als sieben Jahren mit dem für japanische Verhältnisse radikalen MT-Konzept vor allem um diese „Young Guns“. Zumindest bei den ungedrosselten A2-Motorrädern führt hierzulande dennoch an KTMs 390 Duke kein Weg vorbei. Mit 373 Exemplaren des in Indien produzierten Austro-Streetfighters sichert sich KTM den sechsten Platz in der Zulassungsstatistik 2019. Für das in Indonesien gefertigten Yamaha-Pendant MT-03 fanden sich nur 53 Käufer.

Damit sich das schnell ändert, bläst Yamaha ab sofort mit einem wilden Update der MT-03 zum Angriff auf den oberösterreichischen Platzhirsch. Während die technischen Modifikationen mit 37-Millimeter-Upside-Down-Gabel, LCD-Display, Voll-LED-Beleuchtung, schmalerem Tank und geringfügigen Ergonomie-Anpassungen schnell aufgezählt sind, macht die genaue Betrachtung des Facelifts beinahe sprachlos. Ultraböse blinzelt die MT-03 aus den winzigen Schlitzaugen ihrer Lichtmaske, unterhalb glüht das zentrale LED-Fernlicht in R1-Stil bedrohlich wie das Laserschwert von Darth Vader.

Keine Frage, diese Optik hat das Zeug die Konkurrenz das Fürchten zu lehren – aber auch die potenielle Kundschaft zu polarisieren. Denn je jünger der Befragte ist, desto größeren Anklang findet der extraterrestrische Androiden-Look – aber eben auch umgekehrt. Jedenfalls in einem Punkt herrscht über sämtliche Generationen hinweg Einigkeit: die ungeschickt unterhalb der charismatischen Front montierte Hupe ist ein Dorn im Auge - hier hätte sich mit minimalem Aufwand garantiert eine dezentere Position gefunden. Auch sonst trifft der optische Feinschliff der Yamaha nicht hundertprozentig ins Schwarze.

Die Verarbeitung von Schalt- und Fußbremshebel wirkt grobschlächtiger als bei der 390 Duke und geben eindeutiges Zeugnis vom Kostendruck in diesem Fahrzeugsegment. Die im Unterschied zur KTM in der Griffweite nicht justierbaren Handhebel sind günstige Massenware und auch das Finish von Krümmerrohren und Kastenschwinge lässt Luft nach oben – optische Mankos an der MT-03 um 5899 Euro, wo sich die nur 300 Euro teurere 390 Duke keine Schnitzer leistet.

Wer den marginalen Aufpreis für die KTM in Kauf nimmt, belohnt sich nicht nur mit liebevolleren Details. Obendrein protzt der 373-Kubik-Einzylinder mit 2 PS und 7 Newtonmetern mehr Power als der Yamaha-Paralleltwin mit 320 Kubik Hubraum. Damit sind die Rollen schon zu Beginn der Vergleichsfahrt eindeutig verteilt: die Duke bleibt unangefochten an der Spitze, ihr Japanischer Verfolger versucht den Windschatten nicht zu verlieren.

Denn sobald der kurzhubige Single antritt, zwingt er den kleinvolumigen Zweizylinder ansatzlos in die Knie. Im Direktvergleich mit der spritzigen KTM ist das für flotte Fahrt nutzbare Drehzahlband der MT-03 nämlich äußerst klein. Während der Tourenbalken im aufgeräumten Yamaha-Cockpit permanent fünfstellige Werte attestiert, ist der potente KTM-Eintopf vom Drehzahl-Orgeln noch weit entfernt.

Für den kultivierten Yamaha-Twin gilt: je schneller die Kurbelwelle dreht, desto besser! Der lange Gasgriff-Weg zwingt ihren Piloten ohnehin zum grobmotorischen „Auswinden“ des rechten Handgelenks – wer dann penibel auf die Gangwahl achtet und sparsam bremst, kann der 390 Duke trotz des klaren MT-03-Leistungsdefizits dennoch hartnäckig am Heck kleben. Mit Tempo 170 erschnauft die Yamaha bei Bedarf sogar 10 km/h mehr Höchstgeschwindigkeit und fühlt sich wegen ihres längeren Radstands und der tiefer ins Fahrzeug integrierten Sitzposition dabei einen Hauch souveräner an als die nervöse KTM. 

Die Hyperagilität der 390 Duke lernt man dagegen im City-Einsatz und im Landstraßen-Winkelwerk schnell zu schätzen und nutzen – zumindest sobald man sich daran gewöhnt hat, dass die KTM oft flinker zu Schräglage tendiert als das Vorderrad den Kurveneingang erreicht. Stimmt das Timing, wieselt die überbewegliche KTM dann durchzugsstark, geschmeidig und lastwechselfrei von Ecke zu Ecke.

Dabei liefert sie dank knackigem Chassis-Setup glasklares Feedback an ihren Piloten, begeistert mit leichtgängigem Kupplungshebel und knackiger Vorderradbremse. Höchstens während ausgiebiger Wochenendtouren muss man wegen des kantigen, straffen Sitzpolsters Abstriche hinnehmen. Kurz gefasst: gestreckter Galopp durch kurvenreiches Geläuf ist die Paradedisziplin des fahrfertig 163 Kilo leichten Mattighofener Straßenfegers – hier kann der Duke kaum etwas das Wasser reichen.

Trotzdem schlägt sich auch die nur sechs Kilo schwerere Yamaha trotz schwammiger Kupplung und leichter Lastwechselreaktionen respektabel. In einigen Punkten presst die MT-03 sogar überraschend frech den Finger in kleine KTM-Wunden. Zum Beispiel fällt ihr Durst während unserer Testfahrten mit durchschnittlich 4,1 Liter einen halben Liter sparsamer aus als jener der 390 Duke. Gangwechsel klappen bei der Japanerin fluffiger und präziser, die harmonischere Abstimmung des Fahrwerks bietet einen klugen Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit.

Zu guter Letzt erweist sich auch die Ergonomie einen Hauch ausgefeilter als bei der KTM. 780 Millimeter Sitzhöhe sind selbst für kleine Piloten kein Hindernis, der Oberkörper neigt sich sanft nach vorne und der Lenker liegt gut in der Hand. Der Yamaha-Sattel offeriert Sozias einen entspannteren Sitzplatz, und auch der Pilot freut sich über üppige Bewegungsfreiheit und passablen Tourenkomfort. Paradoxerweise fällt sogar der Kniewinkel auf der MT-03 kommoder aus als auf der fünf Zentimeter höheren KTM – mangelnde Schräglagenfreiheit gibt es dennoch bei keinem der einsteigerfreundlichen Streetfighter zu beklagen. 

Die aufrechte Sitzposition hinter dem kurzen Tank in Kombination mit dem ultrakompakten Knieschluss weckt bei der 390 Duke auf Anhieb Assoziationen mit einer Supermotard – und genauso agil und widerstandsfrei lässt sie sich auch in engste Radien bugsieren. Dieser Sportlichkeit trägt KTM auch beim ABS Rechnung, das über einen eigenen SM-Modus verfügt. Hier regelt die Stotterbremse ausschließlich an der Front, das Hinterrad kann blockiert werden.

Ein Feature, mit dem die ein Alzerl weniger dynamisch ausgelegte Yamaha nicht aufwarten kann. Auch dem funktionsreichen Farb-TFT-Display mit Bluetooth-Schnittstelle im Duke-Cockpit hat die MT-03 nichts entgegenzusetzen: während der linke Daumen des KTM-Reiters mittels 4-Wege-Tasten durch die simple Menüstruktur surft und sogar die Musikwiedergabe über das Mobiltelefon steuert, beschränkt sich die konventionelle Lenkerarmatur der Yamaha wie gewohnt auf Licht, Blinker und Hupe.

Weil die neue MT-03 im Grunde nur optisch aufgehübscht wurde und technisch weiterhin ihrem eher konventionellen Konzept treu bleibt, sichert sich die modernere, Performance-orientierte und emotionsstarke KTM 390 Duke unterm Strich den Testsieg. Nichts desto trotz liefert die upgedatete Yamaha einen ausgesprochen homogenen Auftritt und punktet mit kultiviertem Lauf, komfortabler Federung, tadelloser Ergonomie und dem vielleicht sogar markantesten Gesicht im ganzen Naked-Bike-Segment.

Gefährlich nahe kommt sie dem KTM-Bestseller derzeit dennoch nicht – in Mattighofen bietet man jetzt schlicht und einfach mehr Motorrad fürs gleiche Geld.

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