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Christoph Lentsch
Autor: Christoph Lentsch
28.12.2020

Vespa PrimaveraGlu treibts bunt

Jetzt ist es auch schon wurscht. Nach all den Peinlichkeiten, die ich Ihnen in den letzten gefühlt 1000 Geschichten über mich erzählt habe – oder der der Werner Jessner erzählt hat – kommt es auf diese Episode auch nicht nimmer drauf an. Die geneigte Leserin, der geknickte Leser, resigniert inzwischen eh schon davor, dass diese Seiten eher ein Psychogramm aus dem Leben eines Taugenichts sind, als schöne Mopedgeschichten, die man gerne liest. Mit solchen sind Sie in diesem Heft aber eh gut bedient worden, bis Sie hier angelangt sind. Sie sind immer noch da? Also gut. Ich gestehe. Ich hatte jahrelang eine Farbberaterin.

Ich fürchte fast, dass es ihr selber ein bisserl peinlich war, mir fürs um den Hals legen von Stoffresten so viel Geld abzuknöpfen. Aber „Schau, wie da die Farbe deiner Augen schön rauskommt“ und „Sieh nur, wie die Haut dunkler aussieht und die Haare zu glänzen beginnen“ hat mich so beruhigt, dass ich immer wieder zu ihr hingepilgert bin. Ich war der irren Meinung, dass mein Misserfolg bei den Damen wohl nur an der falschen Wahl der Farben meiner Kleidung habe liegen können. Meine spätere Frau hat mich eines besseren belehrt.

An unserem ersten Date schleifte sie mich noch vor dem Kaffee zu einem Fetzentandler und kleidete mich neu ein. Die neue Mode musste ich gleich anbehalten, das schweinderlrosa Hemd, die schweinderlrosa Socken und die schweinderlrosa Unterhose blieben im Geschäft. Nur die nicht weniger unpassende Jean durfte ich mitnehmen.

Als Arbeitshose, sagte sie. Für dreckige Tätigkeiten, die im Keller zu verrichten sind – nicht im Garten. Besuche bei der Farbenexpertin hat sie mir verboten. Nur bei der lachsrosa Zeitung weiterzuarbeiten, war mir dann noch gestattet. Für jedes andere Rosa, hatte sie mir Hiebe mit dem Buch „Color me beautiful“ von Carole Jackson angedroht. Die Jüngeren unter Ihnen finden das Meisterwerk aus den 1980er-Jahren, das später auch auf Deutsch unter gleichen Namen erschienen ist, in der Schandschublade der Mutter, Oma oder Tante. Sean Wotherspoon hat es auch den Farben. Der schöne Sean sagt Ihnen nix?

Macht nix. Er ist ein Star in der Modewelt, hat für Disney, also Mickey, und Nike gearbeitet, oder Lacoste. Und auch für Vespa. Die Italiener haben dem US-Amerikaner eine Primavera in die Hand gedrückt und gesagt: „Mach was!“ Und das hat er, in dem er fast jeden Teil der Vespa in einer anderen Farbe hat anfärbeln lassen. Wir dürfen davon ausgehen, dass ihm ein Polo Harlekin, falls sich an den wer erinnert, in den Staaten wohl nie untergekommen ist. Vom Harlekin wurden zwar statt der ursprünglich geplanten 20 Stück mehr als 3800 gebaut, aber in Richmond, Virginia, wird es vermutlich nicht viele gegeben haben. Während der Polo immer ein bisserl so ausgeschaut hat, als hätte man aus vier Unfallwagen einen gemacht – je nachdem von welcher Kiste das Blech am besten war – wirkt die Vespa Primavera Sean Wotherspoon wie aus einem Guss.

Außerdem zeigen ein paar sehr schöne Details, dass der junge Mann nicht einfach nur glücklich in seinen Wasserfarbenkasten genießt und daraufhin seine Honorarnote geschickt hat. Die Felgen etwa. Die sind weiß und werden von kleinen Vespalogos geziert. Sogar der Balg am vorderen Federbein ist rot, die Trittschutzleisten sind blau statt wie üblich schwarz. Das Sitzbankl ist aus Schnürlsamt-Stoff – eine Abdeckung dafür gibt es von Vespa natürlich, sollte einer der Käufer – oder soll ich sagen Käuferinnen? – die Frechheit besitzen diesen Roller auf der Straße statt im Schlafzimmer abzustellen.

Sogar einen Helm im Wotherspoon-Design gibt es. Der war aber grad vergriffen, als ich die Vespa für eine Probewiege abholte, was auch der Grund dafür ist, dass eine bereits verkaufte Wotherspoon-Primavera noch beim Faber statt schon im Schlafzimmer einer Dame steht. Die Kundin würde sich nie, wie sonst ein Pöbel, einfach einen gelben Helm aufsetzen und mit einem solchen fahren, ließ sie wissen. Und weil sie sich gerade in Rage geredet hat, ließ sie sich auch noch über meine hübsche Tasche aus. Sie habe zwar die gleiche, aber in knalligeren Farben.

Also wenn sie demnächst eine bunte Tasche auf einer bunten Primavera sehen, werfen Sie nicht gleich mit Steinen, es könnte sein, dass Sie nicht mich treffen. Aber grüßen Sie gern lieb von mir. Das macht die Dame sicher rasend. Was sein Gutes hat. Denn die bunte Primavera gibt es nur als 50erl und als 125er, nicht aber als 300er. Die Eckdaten sind die gleichen wie bei der gewohnten Primavera – und weil wir ja unter uns sind, reicht es, wenn wir von der 125er reden: Ein-Zylinder-Viertakt, 10,8 PS, Automatik, also perfekt geeignet für den Führerschein mit dem Code 111 – also eh alles in sich stimmig.

Was ich damit meine? Wenig dezent ist nicht nur das Äußere, auch bei der Preisgestaltung ist Zurückhaltung nicht oberste Prämisse gewesen. Ab 5.199 Euro bekommt man die 125er. Damit ist sie um 400 Euro teurer als eine einfärbige Primavera. Aber unter uns: Wenn auch Sie jetzt Ihrer Farbberaterin den Weisel geben, haben sie das Geld in zwei Wochen wieder herinnen.

Doch, doch, das geht sich aus. Weil Ihre Garderobe müssen Sie mit einer Wotherspoon-Vespa nicht gleich komplett austauschen. Auf dem Motorrad würde man Ihre Farbwahl soundso passend finden. Außer Sie wollen auch heiraten. Aber davon würde Ihnen meine Frau inzwischen abraten.

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