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Christoph Lentsch
Autor: Mag. (FH) Christoph Lentsch
christoph.lentsch@motorrad-magazin.at
8.6.2021

Piaggio Beverly 300 HPE S TestForsche Signora

Text: Peter Schönlaub, Fotos: Kurt Pinter

So ein Modell nennt man Superseller: Zählt man den Beverly 300 und den praktisch baugleichen 350 zusammen, so wurden im vergangenen Jahr über 600 Stück des italienischen Mittelklasse-Scooters in Österreich verkauft. Unter den Motorrädern hätte der Beverly damit Rang 3 belegt. Unter den Scootern wäre es nur Rang 5 geworden, zu erfolgreich sind die Konzerngeschwister: drei Vespa-Modelle und der kleinere Piaggio Medley verkauften sich noch beherzter. Letztes statistisches Detail: Der Beverly 350 war trotz des Mehrpreises deutlich beliebter als der 300.

Das könnte sich 2021 ändern. Piaggio hat den Beverly nämlich einer Intensivkur unterzogen, die dem Roller nicht nur mehr Ausstattung und ein deutlich sportlicheres Design angedeihen lässt, sondern ein Update im Motorenprogramm: Der Beverly 300 erhielt die HPE-Version des Einzylinders, die wir bereits aus der Vespa kennen. Hier allerdings nochmals mit mehr Schmalz: saftigen 26 PS – das sind 3,5 PS mehr als bisher. Der Beverly 350 wurde überhaupt zum 400 hochgestuft und bringt es nun auf 35 PS.

Beide Modelle erhielten nun außerdem einen Smart Key, neue Fahrwerkselemente, ein hübsches, großes LC-Display und elegante Lenkerarmaturen. Das hauseigene Connectivity-System MIA ist beim 300 optional, beim 400 serienmäßig. Letzterer verfügt auch über einen Windschild.

Für beide Motorvarianten gilt: Sie sind wahlweise in einer eleganten Variante (mit mehr Chrom und silber satinierten Oberflächen) sowie in der jeweils preisgleichen sportlichen S-Version (mit vielen dunklen Elementen) zu haben.

Für unseren ersten Test haben wir die schwächere Variante in S-Spezifikation bekommen. Schon der erste Anblick zeigt, dass die Piaggio-Designer die Daumenschrauben angezogen haben: dynamische Lichtkanten ziehen sich an den Flanken entlang, während die Front mit sportlichem Wabengrill und flachem LED-Scheinwerfer deutlich entschlossener blickt. Ein nach Motorradart tief montierter Kennzeichenträger sorgt für einen leichten Abschluss, der mit ebenfalls schmal geschnittenen LED-Heckleuchten flott daherkommt.

Flott ist auch das Stichwort für den ersten Fahreindruck: Der Beverly 300 hat mehr an Dynamik gewonnen als die 3,5 PS vermuten lassen. Der Ampelstart verläuft hurtig, die Zwischenspurts sind erfrischend. Um vor allem beim Quickstart nicht eingebremst zu werden, sollte man allerdings die Antriebsschlupfregelung (ASR) deaktivieren: Sie reagiert fast zu vorsichtig. Bei aller Vehemenz sind der Motor und die Variomatik aber auch blitzsauber abgestimmt, laufruhig und auch im Stop-and-Go-Modus vorbildlich.

Die sportliche Ausrichtung zeigt sich auch beim Fahrwerk. Während es gegen die kräftig zupackenden und sauber dosierbaren Bremsen keine Einwände gibt, sind die neuen Federelemente von Showa doch ein wenig zu unbarmherzig. Die straffe Abstimmung ermöglicht zwar kampfstarkes Fahren und gute Stabilität bei höherem Speed, andererseits beginnt man bald Kanaldeckeln und anderen potenziellen Wirbelschädlingen auszuweichen.

Fein gelungen ist wiederum die Ergonomie, sowohl der Sitzkomfort am edel bezogenen Sattel als auch die Beinhaltung, die Kniefeiheit, die Lenkerposition und die Sicht in den Rückspiegeln. Auch ein Beifahrer wird fein untergebracht (jammert aber ebenfalls über die Härte der Federbeine).

Den Forderungen nach praktischen Nutzen werden das kleine Staufach an der Front (mit USB), der ausklappbare Taschenhaken und der Stauraum unter dem Sitz gerecht. Hier passen zwei Jethelme hinein, wenn sie sie sehr klein geschnitten sind. Sonst ein Helm, dafür egal welcher Machart – plus einiges an Kleinzeug oder sogar eine dünnere Jacke.

 

Optional stehen auch zwei Topcases bereit, wobei sich die größere Version in das Smartkay-System integrieren lässt. Jenes funktioniert übrigens friktionsfrei: die Lenkersperre lässt sich genauso entriegeln wie die Sitzbank, das Staufach und der Tankdeckel – alles, ohne den kleinen Schlüssel aus der Hosentasche zu nehmen. Gezündet und gestartet wird natürlich ebenfalls ohne Gefummel.

Unser Resümee: Wer einen feschen, modernen und praktischen Alltagsbegleiter sucht, der deutlich mehr Power bietet als ein 125er, aber preislich nicht durch die Decke schießt, der wird hier fündig. Abstriche im Federungskomfort lassen sich mit sportlichen Argumenten alleweil wettmachen.

PIAGGIO BEVERLY 300 HPE S

1-Zyl.-SOHC-4V, flüssig gekühlt • 278 ccm • 19 kW (26 PS) • 26 Nm • Sitzhöhe: 812 mm • Tankinhalt 12 l • Reifen: 110/70-16 und 140/70-14 • Gewicht: fahrbereit 185 kg • Topspeed: 127 km/h • ABS, TCS, Smart Key, USB • Testverbrauch: 3,2 l/100 km • € 5899,–

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