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BMW Vision K18Der Sechszylinder lebt!
BMW zeigt auf dem Concorso d’Eleganza eine aufsehenerregende Designstudie, die den Sechszylindern wieder in den Fokus rückt. Wir präsentieren Euch die schönsten Bilder und spekulieren, was dieses Konzeptbike über ein kommendes Serienbike verrät.
Der Reihen-Sechszylinder ist aktuell ein Unikum in der Motorradwelt – einzig Honda führt mit der Gold Wing ein zweites Sechszylinder-Motorrad im Programm, dieses aber bekanntlich mit einem Boxer-Konzept. Und: Die junge chinesische Marke Benda hat im Herbst 2025 das Konzept eines Reihen-Sechszylinders angekündigt, dessen Verwirklichung aber wohl noch ein paar Jahre dauern wird.
Der Reihen-Sechser ist also ein prestigeträchtiger Exot von BMW, um den es in den letzten Jahren dennoch ruhig geworden ist. Die aktuell damit ausgerüsteten Modelle – K 1600 GT/GTL, K 1600 B/Grand America – sind schon ein wenig in die Jahre gekommen, die Verkaufszahlen sind überschaubar. Konzepte wie ein Sechszylinder-Roadster wurden einst gezeigt, aber nie umgesetzt.
Umso erfreulicher, dass der Sechszylinder nun mit neuem Leben erfüllt wird. Das kommt freilich nicht unangekündigt. Im Motorradmagazin-Exklusivinterview im vergangenen November hat BMW-Motorrad-Boss Markus Flasch genau dies vorweggenommen: „Wir haben schon lange nicht mehr in diese Modellreihe investiert. Den Kurs werden wir jetzt adaptieren. Ich glaube tatsächlich, dass der Sechszylinder für uns in Zukunft noch eine große Rolle spielen wird. Wir werden also nicht nur über leichte Modellpflegemaßnahmen nachdenken, sondern noch einmal ordentlich hingreifen.“
Die BMW Vision K18 ist daher als erster Schritt zu werten, der den Scheinwerfer wieder auf das momentan einmalige Motorkonzept richtet und den Boden für neue Modelle bereiten soll. Möglicherweise lassen sich auch gewisse Aspekte des Designs als richtungsweisend für Serienmodelle verstehen, aber man muss umgelehrt auch ganz klar festhalten: Viele Elemente an diesem Bike sind dem Status eines Showbike geschuldet – wir werden sie so wohl nie an einem käuflichen Bike sehen.
Dabei meinen wir unter anderem die kuriose Auspuffführung, die Abgase auf verschlungenen Pfaden Richtung Heck befördern. Dort werden sie großzügig mit sechs großen Endrohren dargestellt. Was auf den ersten Blick wie Seitenkoffer à la Bagger wirkt, ist im Grunde nur eine Verkleidung dieser massiven show-gerechten Schalldämpfer. Arg auch: Der im „Käfig“ offen laufende Hinterreifen – wohl auch ein klares No-Go für eine Homologation.
Die Zahl „Sechs“ spielt auch anderweitig eine Rolle: Etwa bei den Lufteinlässen an der Front. Dort finden sich außerdem sechs LED-Scheinwerfer. Dies wiederum könnte eine edle Lösung auch für ein Serienbike sein.
In das Reich von Show & Bühne wiederum ordnen wir die Idee ein, die „Karosserie“ des mächtigen, langgestreckten Bikes aus Alublechen zu dengeln. Sieht cool aus, ist aber eher nur bei Custombikes denkbar. Ebenso die Idee, die Positionen Luftfilter und Tank zu tauschen. Der Luftfilter ist zwischen den Beinen des Fahrers außerdem durch eine transparente Abdeckung sichtbar.
Was bleibt also am Ende außer einem weiteren Exponat fürs Firmenmuseum? Zum einen die Bestätigung, dass BMW den Sechszylinder nicht nur behalten, sondern sogar weiterentwickeln wird. Zum anderen der Hinweis, dass wir möglicherweise mit noch mehr Hubraum rechnen dürfen. K18 – dies deutet in der Tradition der Bayern auf rund 1800 Kubikzentimeter hin. Und zum dritten: Dass es wahrscheinlich nicht mehr lange dauern wird, bis wir neue Versionen mit R6-Motor sehen dürfen. Vielleicht schon im Modelljahr 2027? Spätestens aber wohl für 2028. Es bleibt spannend!
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