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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
peter.schoenlaub@motorrad-magazin.at
3.3.2018

BMW F 750 GS TESTADVENTURE LIGHT

Schon bislang stand die F 700 GS ein wenig im Schatten ihrer größeren Schwester – und das ist bei der Präsentation der neuen Midsize-Adventure-Klasse von BMW nicht anders. Ein wenig ungerecht: Zum einen, weil das kleinere Modell in den Verkaufszahlen vorne liegt; bislang haben die Bayern um rund 20 Prozent mehr 700er als 800er verkauft. Und zum anderen, weil die kleinere Variante ein schlüssiges, charmantes und für den Straßeneinsatz noch harmonischeres Motorrad ist als sein größeres Pendant.

Was sich im Rahmen des Modellwechsels nach zehn Dienstjahren getan hat, haben wir bereits hier zusammengefasst. Nun hatten wir die Möglichkeit die neue BMW F 750 GS auf den Landstraßen Südspaniens zu testen. Leider nicht ganz so intensiv, wie es geplant und wie wir es uns gewünscht hätten – Starkregen und Sturmböen haben das geplante Test-Prozedere durcheinander gewirbelt. Aber dank einer kurzen Trockenphase durften wir zum Glück gerade so lang fahren, dass wir ein erstes Resümee ziehen können.

Und das fällt sehr positiv aus. Die F 750 GS hat ihre Positionierung als leichtes, universelles Adventurebike beibehalten und mit ein paar hinzugekommenen Fähigkeiten erweitert. Wie bisher schon punktet sie mit extrem niedriger Sitzhöhe, die man mit vier verschiedenen Sitzbänken zwischen 830 und 770 Millimetern variieren kann. Die Ergonomie ist angenehm, der Sattel auch für längere Touren gut geeignet. Einzig einen etwas breiteren Knieschluss am 15-Liter-Tank muss man hinnehmen, was aber nicht so schlimm ausfällt, dass es stört.

Sehr angenehm und gut balanciert gibt sich auch das Fahrwerk. Die F 750 GS lenkt leichtfüßig ein und bleibt stabil in Schräglage. Hier erweist sich das 19-Zoll-Vorderrad als perfekter Kompromiss: Groß genug, um auf Schotterwegen Vorteile gegenüber Naked Bikes (mit 17 Zoll) zu bringen, aber klein genug, um beim Handling neutral zu bleiben. Natürlich ist auf der F 750 GS der Federungskomfort nicht ganz so wolkenweich wie auf der F 850 GS, allerdings bringt diese Straffheit mehr Feedback und ein insgesamt schlüssigeres Verhalten auf der Straße.

Nicht zuletzt profitiert ja auch das Bremsgefühl von der strafferen Auslegung: Die F 750 GS verzögert akkurat und bleibt dabei stabiler als ihre größere Schwester. ABS ist natürlich wie die Traktionskontrolle serienmäßig an Bord, auf Wunsch gibt es zudem ABS Pro (Kurven-ABS) und das feinfühliger regelnde DTC.

Dass eine Traktionskontrolle nicht übertrieben ist, liegt am erstarkten Motor. Der von Grund auf in München neu entwickelte Zweizylinder mit 853 Kubikzentimeter (gefertigt wird er bei Loncin in China) zeigt nämlich auch mit der reduzierten Leistungsabgabe in der F 750 GS Zähne. 77 PS und saftige 83 Newtonmeter haben mit dem fahrfertig 224 Kilo schweren Bike keine Probleme. Im Gegenteil, der Motor dreht energisch hoch und füttert den Fahrer schon bei niedrigen Drehzahlen mit kernigem Punch. Dazu hängt er schöner am Gas als die stärkere Version in der F 850 GS und trägt damit zum harmonischen, freundlichen Auftreten der Reiseenduro bei – genauso wie die ultraleichte Betätigung des Kupplungshebels oder die neue Anti-Hopping-Funktion, die ein Überbremsen des Hinterrads beim sportlichen Herunterschalten verhindert.

Stichwort Extras und Zubehör: Hier schlägt die nächste große Stunde der F 750 GS, vor allem im Vergleich zum Mitbewerb (Kawasaki Versys 650, Suzuki V-Strom 650 oder, noch straßenorientierter, Yamaha Tracer 700). Keines der genannten Modelle hat auch nur annähernd ein so breit aufgefächertes Arsenal an Möglichkeiten: neben ABS Pro und DTC stehen auch Dynamic ESA (nur am Heck), der Intelligente Notruf, Keyless Ride, bis zu vier Fahrmodi oder das 6,5-Zoll-TFT-Display mit Connectivity-Funktionen zur Verfügung. Letzteres interagiert via Bluetooth mit dem Smartphone und dem Helm-Kommunikationssystem. So kann man das Telefon, den Musicplayer oder das Navi via Multicontroller und einem Wippschalter steuern. Das Navi besitzt übrigens nur Grundfunktionen (Ziel suchen), Routenplanung gibt’s noch nicht.

Doch selbst wenn man all diese Connectivity-Fähigkeiten nicht nützt, ist das moderne TFT-Display eine feine (aber leider auch teure) Angelegenheit. Auf dem großen Schirm werden nämlich zahlreiche Infos appetitlich und übersichtlich dargestellt, ein gewaltiger Fortschritt gegenüber herkömmlichen Cockpit-Lösungen.

Wer daran denkt, mit der F 750 GS die Welt – oder zumindest einen Teil davon – zu bereisen, der freut sich auch über die schlauen Variokoffer. Unbedingt notwendig wird dann aber ein Tausch der Scheibe: Das serienmäßig montierte Plexi taugt nämlich hauptsächlich dafür, die Instrumente abzudecken. Das höhere Exemplar der F 850 GS ist dann zumindest dafür geeignet, mittelgroße Menschen bis Autobahntempi abzuschirmen.

Letzte News: Kurz vor der Markteinführung, die Mitte Mai stattfinden soll, wurde entschieden, dass der LED-Scheinwerfer auch bei der F 750 GS serienmäßig montiert wird, womit sich der bereits kommunizierte Preis von 10.250 Euro (Österreich) noch knapp erhöhen soll. Das Y-förmige LED-Tagfahrlicht kostet aber weiterhin Aufpreis. Mehrkosten muss man letztlich auch noch einplanen, wenn einem die Farbe Gelb gefällt (57 Euro) oder wenn man auf den Style „Exclusive“ mit galvanisierten Seitenelementen steht (227 Euro).

Motorrad Bildergalerie: BMW F 750 GS TEST

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