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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
peter.schoenlaub@motorrad-magazin.at
1.10.2017

Harley Fat BOB 2018 ERSTER TestBREAKING BAD

Acht von Grund auf neue Modelle präsentierte Harley für das Modelljahr 2018 – darunter auch drei ehemalige Dyna-Familienmitglieder, die nun die Fronten gewechselt haben. Das mit Sicherheit spektakulärste darunter ist die neue Fat Bob – ein massives, mächtiges Macho-Bike mit völlig neuem Designansatz und bislang unbekannter Aggressivität und, ja, Brutalität. Doch kann die Fahrdynamik mit dem Styling mithalten und die Versprechen nach Angriff und Power einlösen? Wir machen die Probe aufs Exempel.

Der erste Eindruck nach dem Aufsteigen: Die Sitzposition passt perfekt. Die Beine kommen auf den ganz leicht nach vorne versetzten Fußrastern perfekt zum Ruhen, der Hintern ist in die tiefe Sitzmulde artgerecht eingepasst. Auch der breite, leicht gebogene Lenker ist ergonomisch einwandfrei. So kann’s losgehen.

Beim Druck auf den Startknopf erwacht der Milwaukee-8 mit Schütteln und Bollern zum Leben. Im Gegensatz zu den Touring-Modellen besitzt er hier eine zweite Ausgleichswelle, wurde aber fix im neuen Rahmen verschraubt. Für die Fat Bob sind im Modelljahr 2018 zwei Varianten zu haben: Der 107er (1745 ccm, 87 PS, 145 Nm) und der 114er (1868 ccm, 94 PS, 155 PS). Der preisliche Unterschied beträgt rund 2000 Euro, optische Unterscheidungsmerkmale sind die unterschiedlichen Luftfilter.

Für unseren ersten Test hatten wir nur die stärkere Version zur Verfügung. Und die macht wirklich Laune. Gas wird ab rund 1700 Umdrehungen freudvoll und ruckfrei angenommen, dann beginnt der Bär zu brüllen. Obwohl das maximale Drehmoment schon bei 3000 Umdrehungen anliegt, verliert er auch darüber nicht die Lust, Beute zu hetzen (und zu erlegen). Dabei bleibt er trotzdem kultivierter als jeder andere luftgekühlte Harley-V2 zuvor – große Freude!

Der wahre Fortschritt der Fat Bob liegt aber im Fahrwerk. Mit dem neuen Rahmen und dem fix verschraubten Motor hat die Steifigkeit des Chassis um gewaltige 90 Prozent zugenommen – und das spürt man. Gemeinsam mit den neuen Fahrwerkselementen – einer 43er-Upside-down-Gabel und einem Monoshock-Federbein – ergibt sich eine im Harley-Universum bislang unbekannte Souveränität in der Fortwegung. Aufschwingen in schnellen Kurven (eine Krankheit der alten Fat Bob) ist nunmehr völlig verschwunden, stattdessen lenkt der dicke Streetfighter präzise ein und bleibt auch bei stattlicher Geschwindigkeit stoisch in Schräglage. Umso erstaunlicher, als man mit dem 150er-Vorderreifen eine echte Walze vor sich herschiebt.

Schräglagenwechsel funktionieren auch dank des breiten Lenkers mit leichter Hand, das Bremsen dank der beiden vorderen Bremsscheiben ebenfalls. Klar, man spürt beim forschen Energievernichten, dass hier immer noch mächtige Massen bewegt werden. Trotz einer Diät, mit deren Hilfe 15 Kilo abgespeckt wurden, wiegt die Fat Bob immer noch 306 Kilo vollgetankt. Aber ein Hungerhaken und Harley-Davidson, das würde ja wirklich nicht zusammenpassen.

Unterm Strich: Ohne die Marke zu verleugnen wurde hier er erste ernstzunehmende Streetfighter von Harley auf die Räder gestellt. Mit vielen modernen Ansätzen (LED-Scheinwerfer, USB-Steckdose nahe des Lenkkopfs, Monoshock-Federbein, zeitgemäßes Cockpit), aber auch mit allen traditionellen Qualitäten einer Harley. Vielleicht eine der letzten Möglichkeiten, der Welt auf einem luftgekühlten Bullen seinen Stempel aufzudrücken. We’re loving it.

Motorrad Bildergalerie: Harley-Davidson Fat Bob 2018 im Test

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