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Markus Reithofer
Autor: Markus Reithofer
8.4.2017

Yamaha SCR950 im TestAll Terrain Vehicle

Der neueste Scrambler von Yamaha aus der hauseigenen „Faster-Sons“-Baureihe macht vor allem eines: Freude. Und das auf Asphalt genau so wie auf Schotter und Sand.

Die Kraxler (= Scrambler) unter den Motorrädern erleben gerade eine ungeahnte Renaissance und man fragt sich, warum sich die Hersteller nicht schon früher mit der Neuinterpretation dieser launigen Zweiräder beschäftigt haben. Dabei ist die Entwicklung relativ simpel, weil man als Scrambler-Pilot weder die neueste Technik braucht, noch auf umfassende Elektronik Wert legt. Im Prinzip sind sie also sehr einfach zu bauen – wäre da nicht die Sache mit dem Design.

Ein gewisses Maß an 60er- und 70er-Authentizität zählt zur Grundausstattung und darüber hinaus sollte eine Form von Individualität dabei sein, die möglichst an die eigenen Wurzeln der jeweiligen Marke erinnert. Yamaha hat da einiges im Ärmel. Immerhin trägt die legendäre XT 500 aus dem Jahr 1975 das Logo mit den drei Stimmgabeln, und die war damals zwar als Enduro gedacht, erfüllt aber aus heutiger Sicht alle Voraussetzungen eines Scramblers.

Die SCR950 holt sich optisch einige Elemente dieser Linie, vor allem ihr Tank erinnert an zahlreiche Yamaha-Modelle der alten Tage. Absolut legitim ist es, quasi ins Regal zu greifen und einen altbekannten Motor zu verwenden. Das luftgekühlte V2-Aggregat mit 942 Kubik begegnete uns zuletzt im Cruiser XV950, wurde für 2017 auf Euro 4 angepasst und leistet daher vergleichsweise moderate 54 PS. Die liegen allerdings schon bei 5500 Touren an und – viel wichtiger – werden mit einem bereits bei 3000 Touren erreichten maximalen Drehmoment von 80 Nm vorangekündigt. Der erdige Auftritt des in schwarz gehaltenen Luftkühlers wird dadurch von einer passenden Lowend-Power und einer enormen Elastizität untermalt. Deshalb, und weil der Topspeed für einen Scrambler Nebensache ist, kommt die SCR950 auch mit fünf Gängen aus, was die Schaltarbeit noch einmal reduziert.

Trotz 252 Kilo mit vollem 13-Liter-Tank fühlt sich die Yamaha erstaunlich easy an. Flotte Wechselkurven auf Bergstrecken machen mit ihr enormen Spaß, was vor allem an ihrem tiefen Schwerpunkt, dem breiten Lenker und den schmalen Reifen liegt. Das gilt auch im leichten Gelände. Wenn man stehend über Schotterstraßen fährt und eine lange Staubfahne hinterher zieht, würde man die SCR in eine wesentlich leichtere Gewichtsklasse einordnen. Natürlich darf man sich nicht wundern, wenn bei einem kleinen Sprung die Gabel durchschlägt. Dann machen sich nicht nur das Gewicht, sondern auch die kurzen Federwege von 135/110 Millimeter bemerkbar.

Yamaha bereichert mit der SCR950 die Scrambler-Szene auf eine erfrischend unkapriziöse Art. Wer sie einmal erlebt hat, für den dürfte auch der vergleichsweise ambitionierte Preis von 11.899 Euro nicht mehr so schwer wiegen.

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