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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
26.3.2017

Ducati Monster 797 im TestDie Rückkehr der Monsterino

Eine kleine Monster mit 75 PS? Kann ein solches Modell dem Spirit der legendären Baureihe gerecht werden? Wer das wirklich fragt, der kennt sich in der Geschichte der Monster nicht aus. Denn erstens: Die Ur-Monster, die vor knapp 25 Jahren vorgestellt wurde und damals als extrem heißes Eisen galt, brachte kaum mehr Leistung aufs Hinterrad. Und zweitens: Quer durch die Monster-Geschichte gab es meistens ein kleineres, abgespeckteres Einstiegsmodell, dem stets große Sympathien galten. Ab 1994 war das die Monster 600, die später zur 620, 696, schließlich 796 wuchs. Die Italiener nennen diese Einstiegsmodelle liebevoll „Monsterino“, also Monsterchen.

Das jüngste Monsterchen wird von einem alten Bekannten angetrieben: dem luftgekühlten Desmodue mit 803 Kubikzentimeter, der über die Jahre so gut gereift ist wie ein teurer Bordeaux. Er wird hier in fast gleicher Spezifikation eingebaut wie in der Scrambler 800: mit 75 PS Leistung und 69 Newtonmeter an maximalem Drehmoment. „Eigentlich hatten wir ja vor, den luftgekühlten Motor nur mehr für die Scrambler weiterzuentwickeln“, erzählt uns Produktmanager Stefano Tarabusi. „Aber dann gab es viele Kunden, die sich wieder eine echte Monsterino wünschten. Da dachten wir: Warum eigentlich nicht? Und den Desmodue hatten wir ja ohnehin für Euro 4 fit gemacht.“
Dazu entwickelte Ducati einen neuen Gitterrohrrahmen und spendierte auch dem Monsterchen jene Design-Updates, die heuer bei der großen 1200 zum Einsatz kommen: den Tank im Look der Ur-Monster und den neuen Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht, der ebenfalls eine Hommage an Miguel Galluzzis Meisterwerk von 1992 ist. Damit stellt sich die bizarre Situation ein, dass gerade die kleine 797 als einziges Modell der Baureihe alle charakteristischen Merkmale der Monster enthält: Luftkühlung, Gitterrohrrahmen und das Design, dass sich über 25 Jahre in unsere Netzhaut eingebrannt hat.

Ergänzt wurde das Paket mit einem soliden Fahrwerk. Vorne arbeitet eine nicht einstellbare 43er-USD-Gabel von Showa, hinten ein Sachs-Federbein, das sich in Vorspannung und Druckstufe verstellen lässt. Noch aufwändiger ist die Bremserei: Die Brembo-Anlage arbeitet mit zwei 320er-Scheiben vorne, umklammert von radial montierten 4-Kolben-Sätteln. Das ABS wird von Bosch zugeliefert.
Rundum wurden der Monster ein paar nette Details spendiert: Neben dem erwähnten LED-Tagfahrlicht gibt’s auch eine LED-Heckleuchte, einen mit Alublech ummantelten Schalldämpfer, hübsche Spiegel, feingespeichte Felgen und eine USB-Buchse unter dem Sattel. Ein wenig Verzicht muss man dennoch üben. Eine Traktionskontrolle – in dieser Leistungs- und vor allem Preisklasse bereits üblich – sucht man vergeblich und das monochrome LCD-Display ist alles andere als eine Augenweide. Zudem vermisst man eine Ganganzeige.

Dafür ist die Ergonomie wiederum perfekt gelungen. Man sitzt hier deutlich entspannter als auf jeder anderen aktuellen Monster, was man den etwas weiter vorne und deutlich tiefer angebrachten Fußrastern verdankt. Damit verringert sich zwar die Bodenfreiheit, aber nicht so, dass man auf der Landstraße die Freude verliert. Der Lenker ist – typisch Monster – vergleichsweise gerade und breit, aber ebenfalls ein Stück weiter Richtung Fahrer gerückt, was in Summe eine immer noch fahraktive, aber auch relaxte Haltung ermöglicht. Dazu passt eine moderate Sitzhöhe von 805 Millimeter, die man vermittels einer Komfortsitzbank um 25 Millimeter erhöhen oder mit einer Spezialsitzbank um weitere 20 Millimeter absenken kann.
Dermaßen gut untergebracht ist auch das Fahren eine spielerische, leichtfüßige Angelegenheit. Unser alter V2-Freund erledigt seinen Job ja auch in der Scrambler hervorragend und macht das Fahren auf der Monsterino zu einem ebenso genussvollen Erlebnis. Schon unter 3000 Umdrehungen setzt er die Gasgriff-Befehle sauber und ruckfrei um, ab 5000 wird’s dann richtig energisch. Das Highlight: Richtig gute Vibrationen, also dort, wo man sie haben mag – als Herzschlag des Motors, nicht als nerviges Gekitzel in Handgriffen und Fußrastern. Ducati hat durch Adaptionen im Getriebe nun auch die Präzision der Schaltbarkeit verbessert, unsere Kritik im Lauf des Dauertests mit der Scrambler (Modelljahr 2015) scheint nun ausgeräumt.

Wie zu erwarten funktioniert auch die Bremserei hervorragend, wobei sie sehr schlau abgestimmt wurde: Sie beißt zunächst zärtlich zu, stellt aber bei entschlossenem Zugreifen eine astreine Verzögerung bereit. Das passt zum Charakter der Monster 797, die auf Freundlichkeit, Unkomliziertheit, Easyness getrimmt wurde, unterstützt auch vom vergleichsweise geringen Gewicht: 182 Kilo gibt Ducati an – fahrbereit, aber ohne Sprit, wohlgemerkt. Flüssig-flottes Fahren durch Kurvenkombinationen, schnelle Schräglagenwechsel, herzhaftes Drehen des Motors sind genauso möglich wie lustvolles Cruisen oder Stop-and-Go in der Stadt. Bei alldem schätzt man auch die APTC-Kupplung, die nicht nur die benötigten Handkräfte verringert, sondern ein Stempeln des Hinterrads beim forcierten Herunterschalten vor Kurven vermeidet. Gerade Letzteres ist wichtig, da der Desmodue eine starke Motorbremswirkung generiert.
Unser erstes Resümee: Die Ducati 797 ist alles andere als ein weichgespültes Einstiegsmodell. Im Gegenteil: In vielerlei Hinsicht kommt für uns gerade hier der alte Monster-Spirit zum Vorschein, geknüpft an den luftgekühlten Motor und den wunderschönen Gitterrohrrahmen. Mit gut abrufbaren 75 PS hat man auch alleweil gute Karten, um auf der Landstraße mit stärkeren Kameraden mitzuhalten, vor allem da das Fahrwerk, insbesondere die Bremserei, brav mitspielt. Dazu kommt der immer noch einnehmende Purismus, der die Monster zum Urvater moderner Roadster macht. Vielleicht eine der letzten Chancen, sich die luftgekühlte Legende fabriksneu zuzulegen.

Preise, Farben und Zubehör:

Die Monster 797 ist in drei Farbvarianten verfügbar: Mattschwarz (mit schwarzem Rahmen und Felgen), Ducati-Rot (mit rotem Rahmen und schwarzen Felgen) sowie in Mattweiß (mit rotem Rahmen und Felgen). Alle Versionen kosten in Österreich 10.495 Euro. Um einen Aufpreis von rund 400 Euro gibt’s für eine „Plus“-Ausstattung, die eine für alle Farbvarianten jeweils passende Soziusabdeckung und einen Flyscreen (der Monster 1200 R!) enthält. Darüber hinaus bietet Ducati wie gewohnt ein breites Zubehörprogramm an, unter anderem mit verschiedenen Softbags, Carbonteilen, LED-Blinkern. Witziges Teil: ein Bluetooth-Modul, das die Kopplung eines Smartphones oder Headsets mit dem Cockpit erlaubt und damit die Fernbedienung eines Musicplayers oder das Managen von Anrufen – falls einem wirklich so fad ist am Motorrad.
Motorrad Bildergalerie: Ducati Monster 797

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