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Clemens Kopecky
Autor: Clemens Kopecky
25.3.2019

KTM Freeride E-XC TestSpannungsgeladen

Vertrauen ist gut, Kontrolle bekanntlich besser. Weil uns KTM für die zweite Generation der Elektro-Freeride 50 Prozent mehr Akku-Kapazität im Vergleich zum Vorgängermodell versprochen hat, wir das aber bei der ersten (streng überwachten) Probefahrt nicht in der Praxis verifizieren konnten, haben wir der E-XC nun im heimischen Forst erneut auf den Zahn gefühlt. Die erfreuliche Nachricht vorab: tatsächlich konnten wir auf unserer Referenzrunde dank der größeren Batterie nun sogar 1 Stunde 30 Minuten im Kreis fahren, während mit der ersten E-Freeride-Generation kaum 45 Minuten möglich waren. Ob man dabei jedoch Spaß hat, entscheiden Gefälle und Bodenbeschaffenheit. Zum Zeitpunkt unseres Test war der ultrasteile Waldboden fast so hart komprimiert wie ein Ziegelstein, mit einer tückisch rieselnden Sandschicht an der Oberfläche.

Dank optimierter Motor-Thermik leistet das jüngste E-XC-Modell 2018 nun bis zu 18 kW (ca. 25 PS) und stemmt 42 Newtonmeter auf die Kette. Segen und Fluch zugleich, denn während unseres Tests war das munter durchdrehende Hinterrad trotz der normalerweise tadellosen Trialmaxx-Pneus von Maxxis mangels schmerzlich vermisster Kupplung schwer zu zähmen. Besonders beim Anfahren steil bergauf war die Traktionssuche selbst mit superfeinen Gas-Kommandos und schleifender Hinterradbremse kaum von Erfolg gekrönt – unser Fotograf musste wegen des intensiven Dreckschleuderns am Freeride-Heck regelmäßig hinter Baumstämme flüchten. Mangels Gertriebe hindert auch kein eingelegter Gang das Elektro-Bike vor dem Zurückrollen, wenn Gas oder Bremse deaktiviert werden – die 111 Kilo schwere Fuhre rollt und rutscht rückwärts bergab.

Zum fairen Direktvergleich wechselten wir auf eine konventionelle Verbrenner-Freeride aus dem Privatfuhrpark und bewältigten sämtliche Auffahrten auf Anhieb völlig schweißfrei und problemlos. Unsere Erkenntnis daraus: bei losem Untergrund geht man mit der Freeride E-XC technischem, steilem Enduro-Gelände besser aus dem Weg. Pudelwohl fühlt sich die E-KTM dagegen jederzeit in sanfter Hügellandschaft, auf flotten Flow-Trails oder kompakten Motocross-Strecken. Hier profitiert sie gewaltig vom drastisch aufgewerteten WP-Fahrwerk mit Xplor-Technologie. Die 43-Millimeter-Gabel ist mit separater Dämpfung (Zugstufe rechts, Druckstufe links) ähnlich aufgebaut wie bei den EXC-Sportenduros, das PDS-Federbein verfügt über deutlich stärke Progression und damit über höhere Reserven.

Bei Vollgas sind in Modus 3 (max. 18 kW; Modus 2 bis 16 kW) bis zu 80 km/h Topspeed möglich, in Modus 1 (leistungsreduzierter Eco-Betrieb) wird nun bei der Elektro-Freeride sogar rekuperiert. Der breitere Lenker, der verstärkte Steuerkopf und die neuen Gabelbrücken verbessern Spurstabilität, Steifigkeit und Lenkpräzision deutlich. In Kombination mit der stattlichen Laufzeit bietet sich die Freeride E-XC also als hervorragendes Werkzeug für die alltägliche Trainingsrunde am Eigengrund an, ohne dass lärmempfindliche Nachbarn Amok laufen. Als Begleitfahrzeug am Heck des Wohnmobils ist die E-XC ebenfalls weiterhin erste Wahl, denn dank Homologation mit 9 kW ist sie A1-Führerschein-kompatibel und damit familien- und urlaubstauglich. Nach weniger als zwei Stunden ist ein leerer Akku wieder vollständig aufgeladen, Netzgerät und Batterie sind beim Anschaffungspreis von 7898 Euro jedoch nicht inkludiert – sie müssen für 49 Euro monatlich gemietet werden.

 

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