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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
31.3.2020

KTM und Corona„Wir stemmen das!“

Hubert Trunkenpolz ist seit mehr als 25 Jahren bei KTM und aktuell als Vorstand für Brand und Product Management sowie für Teile, Zubehor und Bekleidung zuständig. Sein Onkel Hans gründete das Unternehmen in den Fünfzigerjahren, das „T“ in KTM steht bekanntlich für Trunkenpolz. Das Exklusivinterview mit Hubert Trunkenpolz führte Motorradmagazin-Chefredakteur Peter Schönlaub.

Hubert, wie ist die aktuelle Lage bei KTM?
Wir sind wie die meisten in der Auto- oder Fahrzeugindustrie in Kurzarbeit. Geplant ist, dass wir unseren Betrieb nach Ostern schrittweise wieder aufnehmen. Das heißt, wir fangen nach Ostern mit halber Mannschafft im Bereich Forschung und Entwicklung wieder an, um unsere Projekte voranzutreiben. In der Woche danach werden wir beginnen unsere Lieferketten wieder aufzubauen. Das ist natürlich von Italien abhängig. Aber die Italiener sollten eigentlich bis nach Ostern die Produktion wieder aufnehmen. Brembo, Acerbis und Co. Das Ziel ist Anfang Mai wieder voll in die Produktion einzusteigen.

Die Produktion in Mattighofen wird also bis Anfang Mai noch stillstehen?
Motorenfertigung und Vorbetriebe nicht, sie fangen bereits Ende April wieder an. Die Endfertigung folgt dann am 4. Mai.

Wenn wir ein Krisenranking machen würden, wie verhält sich die Corona-Krise zur Finanzkrise von 2008, die Euch ja auch stark getroffen hat?
Die Corona-Krise ist anders, aber von den Auswirkungen her nicht minder dramatisch. Wobei wir heute wesentlich solider dastehen als 2008 und diese Krise mit Sicherheit bewältigen können und auch werden. Die Sorge derzeit liegt darin, dass die Krise 2008 eine reine Finanzkrise war, diese Krise jetzt aber Stillstand auf der Angebots- und Nachfrageseite bedeutet. Unser Fokus liegt darauf, unsere Mitarbeiter zu halten. Dazu stehen wir. Wir wollen auch versuchen, so viele Händler wie möglich durch diese Zeit durchzutragen, um für die Zeit nach der Corona-Krise ein ordentliches Händlernetz zu haben – dazu wird es auch eine Unterstützung von uns geben. Das sind unsere zwei Hauptaugenmerke.

Gilt diese Händler-Unterstützung nur für Österreich?
Nein, sie gilt zumindest für ganz Europa. Da geht es um Zahlungszielverlängerungen, Schuldfreistellungen und dergleichen. Wir wollen die Liquidität der Händler sicherstellen, damit wir dann wieder loslegen können.

 

 

Mit diesem Zeitplan im Hintergrund muss man sich also keine Sorgen um die wirtschaftliche Existenz von KTM machen?
Nein, in keiner Weise. Wir stemmen das, keine Frage. Es ist natürlich alles andere als lustig, weil wir davon ausgehen müssen, dass wir rund 20 Prozent an Umsatz in diesem Jahr verlieren. Das werden wir wohl auf die eine oder andere Weise einsparen müssen, aber nicht beim Personal. Wir wollen die Mitarbeiter halten. Aber alleine im Motorsport wird es wesentliche Einsparungen geben, weil wir ja bestenfalls von einer halben Saison ausgehen müssen. Egal ob MotoGP oder Motocross, da fällt schon viel weg. Wir werden aber auch anderswo sparen müssen, etwa bei den Marketingbudgets oder auch auf der Entwicklungsseite, wo wir vielleicht das eine oder andere Projekt verschieben müssen. Keine Frage, wir werden den Gürtel enger schnallen müssen, aber es ist nicht existenzbedrohend.

Du bist ja auch Obmann der Arge2Rad, der österreichischen Importeursvereinigung. Wie lässt sich denn die generelle Lage der österreichischen Motorradbranche derzeit einschätzen?
Wir werden bis Ende April durchhalten. Ich glaube aber fest daran, dass unsere Regierung nach Ostern eine Abschätzung machen muss, wie groß die gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Schäden sind und wie groß das verbleibende gesundheitliche Restrisiko sein wird. Denn ich glaube – und das gilt nicht nur für den Motorradhandel, sondern allgemein –, wenn wir nicht Ende April beginnen, das Land wieder hochzufahren, dann haben wir vermutlich ein anderes Thema ... dann wird es kritisch. Ich glaube, jeder in der Bevölkerung versteht die Maßnahmen der Regierung, begrüßt sie auch und zum Glück haben wir schnell genug damit begonnen – aber man muss mit Sicherheit nach Ostern einen sinnvollen Weg heraus finden. Ich kann mir da alles Mögliche vorstellen. Es wird sicher nicht so sein, dass wir den Schalter umlegen und alles wie vorher ist, aber ich kann mir vorstellen, dass man etwa die Personenanzahl in den Shops je nach Quadratmeteranzahl begrenzt oder einen Mundschutz vorschreibt ... die Motorradfahrer sind es ohnehin gewohnt eine Sturmhaube aufzuhaben. Das ist alles gescheiter, als die Geschäfte zuzulassen. Man muss einfach pragmatische Lösungen finden, um den Shutdown in einen Restart zu verwandeln.

Und wenn der Shutdown nach dem 27. April weitergeht – würde es dann kritisch werden?
Ich glaube, dass der 27. April wirklich der späteste Termin ist, an dem wir zur Normalität zurückkehren sollten. Schrittweise, also nicht zur bekannten Normalität, sondern zur „neuen Normalität“, wie es unser Bundeskanzler genannt hat. Wir leben vom Saisongeschäft. Den April haben wir schon verloren, wenn wir nun auch den Mai verlieren, haben wir ein großes Thema ... Dann kann der Staat noch so viel Geld hineinpumpen, das ist dann nicht mehr machbar. Wie soll denn etwa ein Motorradhändler in Kurzarbeit gehen?

Gibt es einen Appell, den Du als Sprecher der österreichischen Motorradwirtschaft an die Community der Motorradfahrer richten möchtest?
Alles wird wieder gut werden! Die schönste Zeit des Motorradfahrens kommt noch! Ich bin davon überzeugt, dass wir im Mai wieder geöffnete Motorradhändlerbetriebe haben werden. Wir werden wohl ein bisschen anders miteinander umgehen, es wird auch keine großen Events geben, aber wir werden total happy sein, wenn wir wieder gemeinsam herumfahren können. Ich bin da sehr zuversichtlich – und das sollten auch alle anderen sein! Und ich hoffe, dass unsere Regierung mit Maß und Ziel und intensiv an diesem Restart arbeitet und die Sache nicht einen Tag länger prolongiert als notwendig. Ich kann auch an alle appellieren, die App vom Roten Kreuz zu nutzen, das ist eine gescheite Sache. Einfach alles nutzen, was hilft, damit wir schnell zur Normalität zurückkehren. Und bleibt bis Ostern zu Hause! Umso schneller haben wir dann wieder eine gute Zeit.

Danke für das Gespräch!

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