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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
peter.schoenlaub@motorrad-magazin.at
22.2.2021

Harley Pan AmericaAlle Daten, Infos, Preise

Jetzt ist es endlich so weit: Nachdem Harley seine erste Reiseenduro nun schon vor gefühlten Ewigkeiten angekündigt und gezeigt hat, wurden heute sämtliche Daten und auch die Preise enthüllt. Auch der Marktstart wurde bekanntgegeben, wobei hier die erste (und einzige) Enttäuschung zu verdauen war: Wer die Pan America schon sehnsüchtig erwartet, muss sich nochmals länger gedulden, der Marktstart in Europa wurde auf frühestens Juni verschoben.

So, jetzt aber hinein in die Materie. Beginnen wir beim Motor, der bekanntlich eine Zeitenwende für Harley einläutet und auf den Namen „Revolution Max“ hört. Zunächst die wichtigsten Infos: Der 1252 Kubik große Motor (Bohrung/Hub 105/72 mm) wird in der Pan America 118 kW/152 PS  bei 8750 U/min leisten. Damit liegt er deutlich vor der BMW R 1250 PS (136 PS), aber natürlich hinter der KTM 1290 Super Adventure (160 PS) und der Ducati Multistrada V4 (170 PS). Beim Drehmoment schafft er es mit 128 Nm bei 6750 U/min ebenfalls auf Rang 3. Hier liegt ausgerechnet die potente Ducati hinter ihm (sie weist 125 Nm aus).

Der neue Motor selbst ein kleines Kunstwerk. Er weist einen Zylinderwinkel von 60 Grad auf, besitzt aber einen Hubzapfenversatz von 30 Grad, was ihm die Zündfolge eines 90-Grad-V2 beschert. Eine Ausgleichswelle im Kurbelgehäuse und eine weitere im vorderen Zylinderkopf sollen Vibratiionen entschärfen. In den Zylinderköpfen selbst sitzen jeweils zwei kettengetriebene Nockenwellen und vier Ventile, deren Steuerzeiten variabel sind. Dazu gibt’s noch zwei Zündkerzen pro Zylinder und eine ziemlich hohe Verdichtung von 13:1. Dennoch soll die Pan America auch problemlos mit Normalbenzin (91 ROZ) oder sogar widrigerem Fossilgebräu zurechtkommen.

Eine mit elf Liter Volumen äußerst große Airbox soll für gute Zylinderfüllung und saubere Verbrennung sorgen, die Maximaldrehzahl des Motors liegt bei 9500 Umdrehungen. Einen gesicherten Verbrauchswert gibt’s noch nicht, nur einen Zirka-Wert: 5,5 Liter. Damit liegt man auf Niveau der meisten Mitbewerber und sollte in Verbindung mit dem 21,2-Liter-Tank gute Reichweiten garantieren können.

Was man bei Harley extra erwähnen muss: Es hier keinen Riemenantrieb; die Kraftübertragung ans Hinterrad übernimmt die gute, alte Kette. Und auch das Getriebe ist konventionell, ein Hinweis auf einen Quickshifter war in den ersten Unterlagen nicht zu finden.

 

Der Motor wirkt auf den Fotos nicht nur sehr massiv und stabil – er ist es auch oder sollte es zumindest sein, denn die Harley Pan America besitzt kein klassisches Rahmenkonzept. Stattdessen kommt ein dreiteiliges System zum Einsatz, das sich jeweils auf den Motor abstützt: eine Stahlrohrkonstruktion im Bereich des Lenkkopfs, ein zentrales Element und ein Heckrahmen. Damit soll das Gewicht begrenzt werden, was auch gut gelungen ist: Harley gibt ein fahrfertiges Gewicht von 245 Kilo für das Basismodell und 258 Kilo für die Special an. Der Vergleich mit Klassenprimus BMW belegt die guten Werte: die R 1250 GS wiegt fahrfertig 249 Kilo, wobei man hier das Basismodell der Harley für die Gegenüberstellung heranziehen muss. Voilà: Die Harley ist also leichter. Der Radstand beträgt übrigens 1580 Millimeter.

Das Fahrwerk selbst besteht aus einer mächtigen, voll verstellbaren Showa-47er-USD-Gabel und einem Federbein mit Ausgleichsbehälter (Vorspannung verstellbar) an einer Alu-Zweiarm-Gussschwinge. Die teurere Pan America Special besitzt ein semiaktives elektronisches Fahrwerk, das von Showa gemeinsam mit den Amerikanern entwickelt wurde. Dazu später mehr. Die Federwege betragen vorne und hinten jeweils klassenkonforme 191 Millimeter.

Noch ein Blick auf die übrigen Komponenten: Die Bremserei besteht aus hochwertiger Brembo-Ware, kommt vorne mit 320er-Scheiben um 4-Kolben-Monoblocksätteln, hinten mit 280er-Scheibe und Zweikolbensattel. Serienmäßig verfügt die Bremse über eine Teilintegral-Funktion.

Die Räder wiederum kommen in jenen Formaten, die sich in dieser Klasse bewährt haben: 19 Zoll vorne, 17 Zoll hinten. Als Räder hat sich Harley für Gussfelgen entschieden, gegen Aufpreis (505 Euro) kann man aber auch Kreuzspeichenräder für schlauchlose Reifen ordern. Apropos Reifen: Hier kommen extra für Harley entwickelte Michelin Scorcher zum Einsatz, auf Wunsch auch grobstolligere Michelin Anakee Wild.

Kommen wir nun zur Ausstattung, beginnend beim Basismodell, das bereits nicht nur für Harley-Verhältnisse äußerst üppig bestückt ist. Hier ist dank Ride-by-wire und 6-Achsen-IMU nämlich bereits fast das gesamte elektronische Assistenz-Arsenal an Bord: das Kurven-ABS, die Schräglagen-Traktionskontrolle, fünf Fahrmodi, eine Überschlag- und Wheelie-Kontrolle, eine Berganfahrhilfe, ein Tempomat und Smartphone-Connectivity.

Gesteuert wird alles über einen 6,8-Zoll-TFT-Touchscreen, der in der Neigung justierbar ist und dessen Benutzeroberfläche natürlich ebenfalls anpassbar ist. Per Touchscreen lassen sich die Einstellungen jedoch nur am Stand vornehmen, während der Fahrt muss man die Anzeigen über Taster am Lenker wechseln.

Noch kurz zu den Fahrmodi: Sie beeinflussen die Gasannahme, die Motorbremswirkung, die Traktionskontrolle und die Wirkungsweise des ABS. Außerdem lassen sich beispielsweise im Offroad-Modus (und dessen Submodus Offroad-Plus) die Traktionkontrolle, das ABS am Hinterrad, der Überschlagschutz und die Wheelie-Kontrolle deaktivieren.

Zurück zur Hardware. Schon beim Basismodell lässt sich die Sitzhöhe zweifach justieren, der Windschild mit einer Hand sogar vierfach. Auf Wunsch gibt’s sowohl Sättel für kleinere als auch größere Fahrer, ebenso stehen kleinere oder größere Scheiben zur Verfügung.

 

Damit kommen wir zur Harley Pan America Special. Wo liegen die Unterschiede? Die wichtigsten zählen wir rasch auf:

• Die Pan America Special besitzt das semi-aktive elektronische Fahrwerk. Es stellt sich automatisch auf die Beladung ein und kann in fünf verschiedenen Dämpfungs-Setups arbeiten. Diese sind bei der Special an die Fahrmodi gekoppelt – oder können in einem der User-Modi angewählt werden.

• Die Special besitzt sieben statt fünf Fahrmodi, wobei die zwei weiteren „nur“ frei konfigurierbare User-Modi sind.

• Serienmäßig kommt ein Reifendruck-Kontrollsystem (TPMS)

• Es gibt einen Hauptständer

• Die Special besitzt seitliche Sturzbügel

• Das Fußbremspedal ist zweifach einstellbar, was vor allem im Gelände beim Stehendfahren Vorteile bringen soll

• Der LED-Scheinwerfer kann auch adaptiv in die Kurven leuchten

• Es gibt Handschützer, Heizgriffe ...

• ... und einen Lenkungsdämpfer

Abgesehen von diesen serienmäßigen Mehrausstattungen gibt es auch zwei attraktive Extras, die nur für die Special zur Verfügung stehen. Zum einen die orange-weiße Zweifarblackierung, zum anderen das neue System „Adaptive Ride Height“ (ARH). Dieses System verringert für 660 Euro (D) bzw. 700 Euro (A) die Sitzhöhe am Stand automatisch um 25 bis 50 Millimeter, um nach dem Losfahren wieder auf Sollhöhe zu zoomen. Für die Feinabstimmung dieses Systems, das kleinere Fahrerinnen und Fahrer begünstigen soll, stehen vier Funktionsmodi bereit.

Abgesehen davon gibt es wie bei Harley üblich bereits ab dem Start jede Menge an Extras und Zubehör, bis hin zu einer eigenen Bekleidungslinie.

Neben den genannten Speichenrädern, den Sitzen und Windschilden bietet Harley sogar drei verschiedene Koffersysteme an:

• die Sportkoffer, bestehend aus einem flexiblen Kunststoff, aber mit 116 Liter Fassungsvermögen keineswegs schlampig
• das Alu-Kofferset (Foto oben), das von SW-Motech entwickelt wurde und in Summe 120 Liter fasst
• ein vollständig softes Gepäckset für verwegene Geländefahrer, das an den Aufhängungen des Alu-Sets montiert wird und 100 Liter fasst.

Darüber hinaus stehen Abdeckungen, extrem große, verstellbare Zusatzscheinwerfer, ein Titan-Schalldämpfer von Screamin’ Eagle und vieles mehr bereit.

Damit bleibt am Ende nur mehr das Verkünden der Preise, die für uns extrem überraschend ausfallen. Damit kann sich Harley nicht mitten, sondern sogar unterhalb der europäischen Konkurrenz positionieren.

Die Preise für Deutschland:

Harley Pan America: 15.995 Euro zzgl. Nebenkosten
Harley Pan America Special: 17.995 Euro zzgl. Nebenkosten

Die Preise für Österreich:

Harley Pan America: 18.995 Euro
Harley Pan America Special: 21.695 Euro

 

Bildergalerie Harley Pan America (Basismodell)

Bildergalerie Harley Pan America Special 

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