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Christoph Lentsch
Autor: Christoph Lentsch
28.2.2021

Husqvarna Svartpilen 125 TestDarkstar

Husqvarna ist sowas wie die Spielwiese für KTM-Designer Kiska, wo noch eigenwilligere und individuellere Konzepte auf bestehender technischer Basis in die Realität umgesetzt werden können. Als Lifestyle-Modelle mit Hipster-Charakter schaffen die Streetbikes vor allem Aufmerksamkeit, denn im Vergleich zur Hauptmarke des Konzerns sind die Verkaufszahlen überschaubar, aber durchaus respektabel.

Vielleicht ist man mit Vit- und Svartpilen einfach seiner Zeit voraus, oder es fehlt schlicht die junge kaufkräftige Klientel. Denn günstig ist auch das kleinste Pfeilchen nicht zu haben, dürfte in der 125er-Klasse aber zumindest optisch ohnegleichen sein. Wie in der Duke leistet der Einzylinder die in der A1-Klasse maximal erlaubten 15 PS, mit 146 Kilo trocken ist sie wegen der vielen Spielereien aber um sieben Kilo schwerer. Bei der Ausstattung setzt KTM/Husqvarna wie gewohnt auf hochwertige Komponenten: Gitterrohrrahmen, WP-Apex-Fahrwerk mit 43-Millimeter-USD-Gabel, Fachwerksschwinge, LED-Beleuchtung, hydraulische ByBre-Bremsen (by Brembo, mit Supermoto-ABS-Modus), Pirelli Scorpion Rally STR-Bereifung. Vieles hat die 125er von der 401 übernommen.

Warum die Svartpilen 125 nicht 101 heißt? Man will wohl bei der Klientel, die wohl zu einem beträchtlichen Teil nicht aus informierten Motorrad-Cracks besteht, nicht für Verwirrung sorgen. Inspiziert man die Svartpilen näher, findet man praktisch keine Ecke, die nicht einem stringenten gestalterischen Prozess entsprungen ist. Bis auf ein paar Schönheitsfehler, die ein Motorrad ohne Verkleidung kaum verstecken kann, ist dieser Scrambler ein Design-Leckerbissen. 

Dass aber nicht nur die Optik zählt, zeigt die bereits aufgezählte Ausstattung aus hochwertigen Komponenten. Das Chassis stammt größ0tenteils von der großen Schwester und im Gegensatz zu den kleinen Dukes, wo 125 und 390 ziemlich klein geraten sind, fühlt sich die Svartpilen mit ihrer 835-Millimeter-Sitzhöhe und dem hohen, breiten Lenker voll ausgewachsen an. Beeindruckend die Dimension und Qualität der Gabel: Die 43-Millimeter-USD-Gabel mit getrennter Zug- und Druckstufe sorgt für hohe Transparenz und eine vielleicht konkurrenzlose Stabilität.

Mutige ließen sich bei der Testfahrt mit über 120 km/h in den Autobahn-Zubringer, die Svartpilen blieb dabei souverän auf Kurs und vermittelte dem Fahrer absolute Sicherheit. Der Topspeed lag bei 127 km/h am Tacho, was aber wirklich nur nach minutenlangem Beschleunigen in geduckter Position und bei leichtem Gefälle möglich war. Schade ist, dass dem Single unten der Biss fehlt und er sich mit dem Gewicht spürbar schwer tut. Speziell für den Einsatz im Gelände würde man sich mehr Schärfe im Antritt wünschen. Wozu hat man schließlich Pirelli Scorpion Rally STR an den Kreuzspeichenfelgen und durchaus ausreichende 142 Millimeter Federweg?

Man muss den Pfeil also laufen respektive fliegen lassen, dann entfaltet sich der Fahrgenuß und die Komponenten können ihre Leistung erst richtig einsetzen. Das gilt auch für die lineare und eisern zupackende Vorderradbremse. Die Vierkolbenbremszange von ByBre (By Brembo) und die 320 Millimeter Scheibe sind wie die Gabel eigentlich überdimensioniert, aber das hat einem Motorrad noch nie geschadet.

Auch die hintere Bremse verzögert fein dosierbar und kann zur Stabilisierung in Kurven, oder für den zackigeren Richtungswechsel im Offroad eingesetzt werden. Denn das ABS ist hinten deaktivierbar, was bei KTM/Husqvarna Supermoto-Modus genannt wird (eingestellt über zwei Knöpfe am runden, nicht sehr ansprechenden LC-Display). 

Bei einem Tankvolumen von 9,5 Kilo verspricht Husqvarna mögliche Reichweiten von über 450 Kilometer, aufgrund einer fehlenden Durchschnittsverbrauchsanzeige konnten wir das noch nicht überprüfen. Ob man aber mit 2 oder 3 Litern auf 100 Kilometer unterwegs ist, wird vernachlässigbar sein. Wegen der straffen und schmalen Sitzbank wird man ohnehin nicht über 200 Kilometer am Stück fahren.

Nachdem die Svart- und Vitpilen 701 in die EURO-5-Pension geschickt werden, erweitert also die kleinste Svartpilen die Palette nach unten. Damit reagiert man auf den aktuellen 125er-Boom – ausgelöst durch die jüngsten Gesetzesänderungen zur Führerscheinklasse A1. In Deutschland wurden vergangenes Jahr angeblich doppelt so viele 125er verkauft als im Jahr davor. 

Keine Frage: Es gibt kaum ein härteres und cooleres Bike als die Svartpilen 125 in der Achtelliterklasse. Um cool zu werden, muss man aber zuerst etwas vermögend sein. Husqvarna möchte 5199 Euro (Deutschland: 5150 Euro) für den Scrambler. Dazu gibt es optional jede Menge passendes Zubehör und Bekleidung aus der Lifestyle-Welt der Austroschweden. Man kann sich trösten mit dem Wissen, dass man fast eine 401 unter sich hat.

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