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Neu: Ducati Superleggera V4 CentenarioDie Ärgste, Beste und Teuerste
Zum 100. Geburtstag legt Ducati wieder eine Superleggera-Version der aktuellen Panigale V4 auf. Wie zuletzt schon handelt es sich um eine Art Supercar auf zwei Rädern, mit den allerbesten Zutaten aus der Welt des Racing und vielen schlauen, teuren Lösungen. Dabei ist das Modell uneingeschränkt straßenzulassungsfähig.
Wird also ein Traum wahr? Für ein paar Glückliche sicher. Vorher muss man aber zwei Hürden überwinden. Zum einen sollte man finanziell einigermaßen sorglos durchs Leben schreiten. Ein Preis wurde zwar noch nicht genannt, aber die letzte Superleggera-Edition der Panigale V4 kostete 2020 mehr als 120.000 Euro. Es ist davon auszugehen, dass es diesmal nicht günstiger, sondern im Gegenteil noch einmal ordentlich teurer wird, schließlich werden nun noch mehr Feinheiten verbaut als vor sechs Jahren, dazu später mehr.
Geld allein wird allerdings nicht den Pfad zum Meisterstück ebnen. Man wird auch gute Beziehungen und etwas Glück brauchen, denn Ducati legt wieder nur 500 Stück dieses Modells auf – und weitere 100 Stück in einer wohl noch begehrteren Tricolore-Lackierung.
Bevor wir nun zu den Details kommen, noch kurz ein Rückblick: Schon 2013 erschien die erste Superleggera-Version, damals noch auf Grundlage der 1199. Superleggera bedeutet übrigens „superleicht“, womit die Marschrichtung klar ist. Die bislang letzte Version kam dann 2020, damals auf Basis der damals aktuellen Panigale V4.
Im Gegensatz zur jener Version, die den Einliter-V4 der R verbaute, kommt die neue Superleggera V4 Centenario mit einem speziell für dieses Bike weiterentwickelten Motor, der sich „Desmosedici Stradale R 1100“ nennt. Die Basis ist erneut der Superbike-WM-Homologationsmotor aus der Panigale V4 R, allerdings dank verlängerten Hubs wieder auf 1103 Kubikzentimeter vergrößert.
Dieser Motor ist um 3,6 Kilo leichter als der in Bohrung/Hub (also auch Hubraum) identische Motor aus der „normalen“ Panigale V4 S – vor allem durch die großzügige Verwendung von Titan, bis hin zu vielen Schrauben. Die Beibehaltung der Bohrung macht es möglich, dass der Zylinderkopf mit jenem der V4 R identisch ist. Man verbaut also Titan-Einlass- und Stahl-Auslassventile, dazu kommen noch weitere Besonderheiten. Desmodromic ist Ehrensache.
Die Motorleistung beträgt in der Straßenversion 228 PS. Montiert man die (im Lieferumfang enthaltene) Akrapovic-Racing-Anlage und verwendet das Ducati Corse Performance-Öl, so steigt die Leistung auf atemberaubende 247 PS. Das maximale Drehmoment liegt auf der Straße bei 117 Nm @ 10.500 U/min, in Racing-Spezifikation bei 126 Nm @ 12.500 U/min.
Tja, und dann gibt’s auch noch ein Renngetriebe mit dem Leerlauf ganz unten und „Ducati Neutral Lock System“, damit man sich bei eiligen Erste-Gang-Kurven nicht verhaspelt.
Kommen wir jetzt zum zentralen Motiv, dem Leichtbau. Dass hier ein Monocoque-Rahmen aus Carbon, eine Carbon-Schwinge und Carbon-Räder verwendet wird, nehmen wir mittlerweile schon fast als selbstverständlich zur Kenntnis – das war bei der 2020er-Superleggera schon so.
Ebenso bestand die gesamte Verkleidung aus Carbon. Nicht genug, Carbon wird nun auch für die folgenden Teile eingesetzt: Kotflügel, Tank-Cover, Kühlerluft-Einlässe, Ritzelabdeckung, Fersenschützer, Sitzbank-Unterbau, Kennzeichenhalter, Soziusabdeckung. Aus gefrästem Aluminium wiederum bestehen der Deckel des Kühlflüssigkeitsbehälter, der Racing-Tankdeckel, die Fußrastenanlage und die beiden Gabelbrücken. An der oberen findet sich eine gelaserte Plakette mit der Seriennummer. Jene wiederholt sich am Zündschlüssel (!) und in der Animation des Displays beim Hochstarten.
Neu ist hingegen – und zwar zum allerersten Mal bei einem Straßenbike – dass nicht nur die Gabel-Standrohre aus Carbon gefertigt werden, sondern dass vorne auch Carbon-Bremsscheiben (340 Millimeter Durchmesser) zum Einsatz kommen. Letzteres wohl hauptsächlich aus Prestige, man will ja möglichst nahe an der MotoGP sein. Wer mit diesem Bike auf die Rennstrecke geht, wird wohl auch von den bekannten Vorzügen weidlich profitieren. Nur wer damit tatsächlich auf der Straße unterwegs ist, der wird die Dinger wohl kaum auf entsprechende Temperatur bringen. Aber wir wollen nicht kleinlich sein, hier geht’s um das Symbolhafte, und wir wissen es zu schätzen.
Viele, viele Details sorgen für weitere Gewichtsersparnis: Der Antriebssatz allein spart 690 Gramm dank jener Kette, die auch das Superbike-Factory-Team verwendet (DID ERV7) sowie Ergal-Kettenblatt.
Was schaut am Ende heraus? 173 Kilo fahrfertig, aber ohne Sprit. Montiert man die Racing-Schalldämpferanlage, dann sind es nur mehr 167 Kilo. Spektakulär, alleweil, allerdings wurden für die 2020er-Superleggera nur 159 Kilo bzw. 152,5 Kilo im Racing-Trimm angegeben. Das lässt sich allerdings nur bedingt vergleichen, da Ducati diese Werte damals dezidiert als „trocken“ angegeben hat. Dieses Verwirrspiel, das die Vergleichbarkeit schwierig macht, kennen wir von den Italienern.
Schauen wir uns daher im Vergleich das Gewicht der aktuellen Panigale V4 R an: Dort werden 186,5 Kilo fahrfertig ohne Treibstoff angegeben. Das bedeutet also, dass man 13,5 Kilo abgespeckt hat – gegenüber dem ohnehin schon leichten Homologationsmodell für die Superbike-WM. Chapeau!
Noch rasch ein Blick zum Fahrwerk: Hier sehen wir wie bei der V4 R ein mechanisches Öhlins-Fahrwerk, die Komponenten sind größtenteils identisch: NPX25/30-Gabel (allerdings eben mit Carbon-Standrohren!), TTX36 GP LW Federbein. Auch die gesamte Elektronik-Suite stammt von der V4 R, freilich noch einmal aktualisiert und modernisiert, wie Ducati stolz anmerkt.
Dem ultra-exklusiven Status entsprechend kommt die Superleggera V4 Centenario auch mit jeder Menge Beigaben: zum einen in einer schönen Holzbox (allein schon ein Sammlerstück), dazu mit einem Echtheitszertifikat, wieder um einer speziellen Box. Eine Abdeckplane, eine Bodenmatte und Rennständer für vorne und hinten sind auch part of the game.
Mitgeliefert wird auch der schon erwähnte Racing-Kit. Es besteht aus Akrapo-Komplettanlage, DAVC-Racing-Software, offenem Kupplungsdeckel, dazu Abdeckungen für Generator und und Schwinge, allesamt natürlich aus Carbon. Ergänzend findet man ein Kit zur Entfernung aller auf der Rennstrecke nicht notwendigen Teile, sprich Scheinwerfer, Seitenständer, Nummerntafelhalter, Blinker. Stattdessen montiert man die mitgelieferten Teile: Bremshebelschutz, Neopren-Rennsitz, Alu-Racing-Tankverschluss und einen Batterie-Ladungserhalter für die Box.
Wer das Ensemble vollenden will: Ein dazu passender Arai-Helm, eine Lederjacke und ein Rennstrecken-Einteiler im entsprechenden Look werden ebenfalls aufgelegt.
Und weil wir am Anfang bei Kohle, Exklusivität und Glück waren: 26 der Superleggera-Käufer wird das Privileg zuteil, bei der MotoGP Experience teilzunehmen. Sie wird am 6./7. Juli in Misano, direkt nach dem WDW 2026, stattfinden. Dabei kann man unter Anleitung von Ducati-Instruktoren einen Tag auf der Rennstrecke verbringen und am Ende auf der DesmosediciGP26 Platz nehmen. Neid.
Ducati Panigale V4 R 2026
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