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15.2.2018

Honda Africa Twin Adventure Sports TestRuf der Wildnis

Den brandneuen Abenteuer-Ableger der Honda Africa Twin haben wir ja bereits hier vorgestellt, jetzt endlich können wir auch den ersten  Fahreindruck vom Motorradmagazin-Praxistest in Spanien nachreichen. Tatsächlich haben wir kaum die Ausfahrt unseres Quartiers in Andalusien hinter uns gelassen, da kristallisieren sich schon auf den ersten Kilometern im Sattel der Africa Twin Adventure Sports gravierende Unterschiede zum Standard-Modell heraus. Ganz besonders die rund zwei Zentimeter längeren Federwege sorgen für ein komplett neues Fahrgefühl. Zwar garantieren sie bei kommodem Langstreckentempo Komfort wie in einer Sänfte, in Kombination mit der 920 Millimeter hohen Sitzbank und dem üppigen 24,2-Liter-Tank treibt das offroad-orientierte, voll einstellbare Showa-Fahrwerk den Fahrzeugschwerpunkt jedoch merklich nach oben. Das kann auch die neue, 2,3 Kilo leichtere Lithium-Ionen-Batterie nicht wettmachen. Beim beherzten Anbremsen in voller Landstraßen-Fahrt nickt die Front der Adventure Sports naturgemäß tiefer ein als die straffer abgestimmte, konventionelle Africa Twin. Generell fühlt sich die Adventure Sports mit 27 Zentimetern Bodenfreiheit fast ein wenig so an als wäre sie vom Asphalt entkoppelt, beinahe wie bei einem Schwebesitz im Autobus. Das dürfte jedoch nur ganz Eilige stören – beim Weltenbummeln und Kilometerfressen zählt bekanntlich maximale Behaglichkeit viel mehr als die Kurvengeschwindigkeit. Und Komfort bietet die Adventure Sports reichlich.

Hervorragend erfüllt der 8 Zentimeter höhere Windschild seine Aufgabe. Kopf und Brust sind bei 185 Zentimeter Körpergröße tadellos vor Fahrtwind geschützt. Wegen des bitterkalten Februar-Morgenfrosts kommen auch die 5-stufigen, serienmäßigen Heizgriffe während unseres Tests intensiv zum Einsatz. Nach ein paar Minuten Aufheizphase lässt es sich bei 5 Grad Außentemperatur sogar mit Sommerhandschuhen passabel aushalten. Wahlweise kann die zweistufig justierbare Sitzbank auch nur in 900 Millimetern Höhe montiert werden, was besonders das Rangieren und Stehenbleiben erleichtert und den Windschutz hinter der Plexiglas-Scheibe nochmals verbessert – dafür muss man jedoch einen minimal spitzeren Kniewinkel in Kauf nehmen.

Großartig funktioniert der neue Ride-by-Wire Gasgriff, der ab sofort natürlich auch dem Standard-Modell der Africa Twin implantiert wird. Bei der Doppelkupplungsversion perfektioniert der elektronische Gasgriff nun übrigens auch das ruckfreie Herunterschalten, da die kluge Elektronik im Moment des Gangwechsels automatisch das Gas lupft.

Dank Ride-by-Wire stehen beim Modelljahr 2018 vier Riding-Modes zur Auswahl (Tour, Urban, Gravel, User), die jeweils Kraftentfaltung, Motorbremse und Traktionskontrolle beeinflussen. Wie der Name vermuten lässt, können die genannten Parameter im „User“ Modus individuell kombiniert werden, die Traktionskontrolle lässt sich in jedem Fahrmodus siebenstufig justieren. Auch die TC-Funktion hat eindeutig von Ride-by-Wire profitiert: statt bisher ausschließlich über die Zündung den Vortrieb der 95 PS und 98 Newtonmeter zu kappen, interveniert die Schlupfregelung nun außerdem über Eingriffe an den Drosselklappen – dadurch regelt das System die Leistung deutlich sanfter ab als bisher. Alle Assistenzsysteme lassen sich nun noch ein wenig übersichtlicher als bisher im neuen, rahmenlosen LCD-Display konfigurieren. Das wird zum besseren Entziffern 15 Grad flacher montiert als das Vorgängerinstrument. An der Lesbarkeit gibt es zwar absolut nichts zu meckern, Wermutstropfen bleiben dennoch: zum Beispiel, dass Honda der sonst so edlen, technisch aufwändigen und optisch unfassbar begehrenswerten Africa Twin kein modernes TFT-Farbdisplay spendiert. Und auch der Verzicht auf einen banalen Tempomaten gilt unter Langstreckenpiloten wohl als echtes Manko. Schade, denn mit dem neu implantierten Ride-by-Wire wären die technischen Voraussetzungen für eine Cruise Control ohnehin an Bord.

Ihre große Stärke kann die Adventure Sports erwartungsgemäß im leichten und mittelschweren Gelände ausspielen. Hier macht sich der im Vergleich zur Standard-Africa-Twin 6,5 Millimeter weiter hinten und 32,5 Millimeter höher montierte Lenker auf Anhieb bezahlt – ganz besonders bei der Fahrt im Stehen. Für unseren Offroad-Test haben wir statt der Bridgestone Battlax A41 Bereifung den ab sofort ebenfalls für die Africa Twin homologierten Conti TKC 80 Twinduro montiert und die Africa Twin Adventure Sports gnadenlos über die spanischen Gebirgspässe geprügelt. Kurz zusammengefasst: es ist einfach fantastisch wie gut ausbalanciert und gutmütig die neue Abenteuer-Honda durch Schotterkurven driftet – sofern man den Reifen-Luftdruck zuvor ordentlich reduziert, die Traktionskontrolle optimal justiert (Stufe 1-2) und das Hinterrad-ABS per Knopfdruck deaktiviert hat. Bodenwellen, Steine und Spurrinnen – egal was der Afrca Twin Adventure Sports in die Quere kommt, das softe Fahrwerk neutralisiert das Hindernis im Handumdrehen. Dank des souveränen Chassis werden flotte Etappen im Rallye-Style beinahe zum Kinderspiel. Ernst wird es erst, wenn der Tank randvoll und das Terrain diffizil ist: wegen des hohen Schwerpunkts ist in langsamen, technisch anspruchsvollen Passagen fortgeschrittene Fahrtechnik, gutes Gleichgewicht und eine ordentliche Portion Entschlossenheit gefragt. Definitiv kein Problem für routinierte Enduristen, für Offroad-Neulinge ist die Beherrschung der 243 Kilo (ohne DCT, vollgetankt) unter Umständen jedoch eine schweißtreibende Mission.

Wie auch das Standard-Modell der Africa Twin offeriert Honda auch die Africa Twin Adventure Sports auf Wunsch mit dem grandiosen DCT Doppelkupplungsgetriebe. Ob man um 16.890 Euro lieber konventionell schaltet oder sich lieber die DCT-Version um 18.190 Euro gönnt, ist natürlich weiterhin eine Frage der persönlichen Vorliebe. Weil wir vom Motorradmagazin-Testteam im Gelände die 10 Extra-Kilo fürs DCT sparen und gerne einen Kupplungshebel (z.B. zum Dosieren von Drifts oder zum Hochziehen der Front) haben wollen, empfehlen wir allen Offroad-Aficionados das Schalt-Modell – aufgerüstet mit dem brandneuen Quickshifter (für up- & downshift) um 650 Euro. Er funktioniert so fabulös ruckfrei und leichtgängig, dass wir das DCT offen gesagt in kaum einer Situation vermisst haben.

Motorrad Bildergalerie: Honda Africa Twin Adventure Sports 2018

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