Leeren ›

Österreichs Plattform
Symbol, das darstellt, dass dieses Magazin 24h am Tag und 7 Tage die Woche verfügbar ist
für schräges Leben

Leseprobe gefällig?

Bitte, gerne! Einfach auf das Vorschaubild klicken und schon startet der Download.

Kiosk-Button
menu
Christoph Lentsch
Autor: Mag. (FH) Christoph Lentsch
christoph.lentsch@motorrad-magazin.at
28.3.2019

BMW S 1000 RR Test 2019Neuanfang

Wir versuchen zwar stets, jedes Motorrad so objektiv wie möglich zu beurteilen - was uns, glaube ich, auch meistens sehr gut gelingt -, können uns aber dennoch nicht ganz unserer individuellen Vorlieben und Aversionen entziehen, für die es zahlreiche Gründe gibt: Vererbung, frühkindliche Prägung, unvergessliche Erfahrungen in der Jugend, elterliches Vorleben etc. Auch Alter, Statur und Fahrstil spielen eine entscheidende Rolle, welche Motorräder uns passen und welche nicht. Zu Letzteren gehörte für mich in den vergangenen zehn Jahren die BMW S 1000 RR. So lange gibt es die RR aus Bayern bereits und es verging nicht eine Saison, in der sie mir wirklich gut gefallen hat. Das lag vor allem an der Ergonomie, die es mir unmöglich machte, mich möglichst frei und ungezwungen auf dem Supersportler zu bewegen. Mein Maßstab ist Aprilias RSV4, die auf meinen 1.80-Meter-langen und 74-Kilogramm-schweren Körper zugeschnitten ist wie ein Brioni-Anzug. Die Italienerin steht im Serientrimm da wie ein für mich aufgebautes Racebike, so gut passt sie zu meiner Figur und meinem Fahrstil. Doch zum Jubiläum krempelten die Deutschen ihren Roadracer komplett um, füllten den Reihenvierer auf 207 PS auf und reduzierten das Gewicht auf 197 Kilo (193,5 Kilo mit M-Paket): Wechsle ich 2019 gar den Schneider?

Sämtliche Testfahrzeuge beim Presslaunch in Estoril waren mit dem M-Paket ausgestattet. Das schräge M der BMW-Motorsportabteilung adelt nun auch die Zweiräder des Hauses und löst das bisher bekannte HP (für High Performance ) ab. Im M-Paket enthalten sind die weiss-rot-blaue Lackierung, die Fahrmodi Pro (Race Pro 1-3, frei programmierbar), eine leichtere Batterie, ein harter Sportsitz, eine über einen Exzenter an der Schwinge einstellbare Heckhöherlegung, der variable M-Schwingendrehpunkt und Carbonfelgen. Das drückt das Gewicht auf 193,5 Kilo und hebt das Handling in neue Sphären. Als die erste S 1000 RR vor mittlerweile zehn Jahren als neue Großmacht in den Superbike-Krieg einstieg, fanden viele die Leistung brachial und das Design zum Brechen.

Die asymmetrischen Scheinwerfer waren laut dem Designer nicht nur ein distinktives Wiedererkennungsmerkmal, sondern dienten auch der Gewichtsersparnis. Mit der neuen, deutlich leichteren LED-Technik wäre es nun nicht mehr notwendig gewesen, einen Scheinwerfer schrumpfen zu lassen; man schrumpfte einfach beide. Dass die Front nun nicht mehr ganz so individuell erscheint, werten wir mal nicht als Nachteil. Die starke optische Veränderung setzt sich im Fahrgefühl auf den ersten Runden in Estoril fort. In den Vormittags-Turns mit Bridgestone S21 für die Rennstrecke zwar nicht optimal bereift, fällt sofort die geänderte, kompaktere und schärfere Ergonomie der Doppel-R auf. Die Sitzhöhe ist von 815 auf 824 Millimeter gewachsen, die Lenkerstummel wurden etwas nach vorne gedreht. Im Bereich der Oberschenkel fällt das Bike durch den geänderten Rahmen und dessen Verbindung mit dem Motor als mittragendes Element (genannt Flex-Frame) schmäler aus, der Knieschluss wurde enger. 

In diesem Bereich soll die S 1000 RR nur um 20 Millimeter breiter bauen als ein V4-Konkurrenzmodell. Die Sitzposition wirkt aggressiver, vorwärtsorientierter und stärker auf den Rennstreckenbetrieb ausgelegt. Diesen Eindruck bestätigt auch die bessere Radlastverteilung von 53,8 Prozent statt 52,3 Prozent vorne. Auch bei der Geometrie wurde nachgeschärft. Der Lenkkopfwinkel steht um 0,4 Grad steiler (66,9 Grad), der Nachlauf wurde um 2,6 auf 93,9 Millimeter verringert. Um 9 Millimeter gewachsen ist hingegen der Radstand von 1441 Millimetern. Die Länge der Unterzug-Hinterradschwinge beträgt 606,6 Millimeter. Das Ergebnis sind mehr Stabilität, besonders im Kurveneingang, sowie mehr Traktion und weniger Wheelie-Neigung am Kurvenausgang. Letzteres verhindert oder ermöglicht im gewünschten Maße auch die dreifach einstellbare Wheelie-Control. Zusammen mit der feinjustierbaren dynamischen Traktionskontrolle (-7 bis +7) und dem fünfstufigen, integralen ABS kann fast nichts mehr schiefgehen.

Aber: Was soll schon schiefgehen mit 207 PS? Angesichts der Leistungsdaten würde man einen Kampf mit einem neunköpfigen Ungeheuer erwarten, ein ständiges, verzweifeltes Einfangen, Runterdrücken, Abwehren, Umreissen, Niederprügeln. Aber es ist genau das nicht. Abgesehen von der überwältigenden, orgiastischen Power, die den vom Geschwindigkeitsrausch gehirngelähmten Piloten auf der Start-Ziel-Geraden glauben lässt, das Ding könne jetzt ganz normal bis 400 durchbeschleunigen, erlebt man keine abrupten Leistungsexplosionen, die zwei Nockenprofile der ShiftCam gleiten bei 9000 Umdrehungen nahtlos von der Teillast- zur Vollastnocke. Die Drehmomentkurve legte zwischen 4500 und 7500 Umdrehungen extrem zu, bildet nun einen Berg an Druckmittel, wo vorher ein Tal war. Man würde vor Freude juchzen und jodeln, wenn man nur einmal Luft holen könnte. 

Dieses Superbike fühlt sich fast wie ein Spielzeug an und nicht wie eine Waffe. Nach drei bis vier Turns steigt man entspannt ab wie nach einer gemütlichen Runde Radfahren. Die Grenze in Agilität und Beherrschbarkeit zwischen einer 600er und 1000er wäre damit endgültig aufgelöst. Vorbei die Zeiten des zehrenden Abrackerns, trotzdem sollte man gerade jetzt fit genug sein, um so ein Superbike mit Straßenzulassung entsprechend zu bewegen. Sonst läuft man Gefahr, beim harten Anbremsen in Ohnmacht zu fallen, oder zumindest das Frühstück im Helm zu verteilen. Denn dieses Motorrad tut auch weh. Weil es dem Fahrer all seine Schwächen aufzeigt, weil der genau merkt, wieviel Performance er in der Kiste lassen muss. Es ginge noch so viel mehr, mehr als je zuvor, und doch nur das, was der Steuermann ohne Kontrollverlust nutzen kann. Leider kann man sich (noch) nicht mit-upgraden lassen. Zum Schluß noch das Allerwichtigste, der Komfortblinker: Bei all dem Wahnsinn vergisst man schnell, dass die S 1000 RR mit Spiegeln, Nummerntafel und Straßenzulassung kommt (ganz ehrlich, das ist unvorstellbar). Der Komfortblinker stellt sich abhängig von der gefahrenen Geschwindigkeit automatisch wieder zurück. Damit man nicht vergisst, ihn abzuschalten, wenn man bei 300 die Spur wechselt. Schließlich will man auch im Alltag sicher unterwegs sein.

Mehr zum Thema:

Supersport/Superbike:

star_half
Motorradmagazin Premium. Redaktionell selbstständiger und unabhängiger Journalismus kostet – Euch ein paar Cent oder Euro. Inhalte, die als Motorradmagazin-Premium mit dem Stern gekennzeichnet sind, werden nach Lesezeit berechnet. Kein Abo, keine Verpflichtung, volle Transparenz. Dazu sorgt eine schlanke Preis-Obergrenze pro Monat für Kostensicherheit.

4.3.2026

KTM 990 RC R Track in Weiß auf der Rennstrecke
KTM 990 RC R Track in Weiß auf der Rennstrecke

KTM 990 RC R TrackMehr als ready to race

Die rennstreckenfertige Version des orangen Supersportbikes steht kurz vor der Auslieferung, und selten war der Leitspruch von KTM so treffend wie bei diesem Motorrad: ready to race. Was diese Spezialversion kann und wieviel sie kostet, das lest ihr hier.

weiterlesen ›
star_half
Motorradmagazin Premium. Redaktionell selbstständiger und unabhängiger Journalismus kostet – Euch ein paar Cent oder Euro. Inhalte, die als Motorradmagazin-Premium mit dem Stern gekennzeichnet sind, werden nach Lesezeit berechnet. Kein Abo, keine Verpflichtung, volle Transparenz. Dazu sorgt eine schlanke Preis-Obergrenze pro Monat für Kostensicherheit.

26.2.2026

Suzuki GSX-R1000 2026
Suzuki GSX-R1000 2026

Suzuki GSX-R1000 AnniversarySensationspreis

Es wird doch nicht alles teurer. Suzuki hat es geschafft, den Preis der neuen GSX-R1000 40th Anniversary unter dem Niveau des 2021er-Modells zu halten.

weiterlesen ›
star_half
Motorradmagazin Premium. Redaktionell selbstständiger und unabhängiger Journalismus kostet – Euch ein paar Cent oder Euro. Inhalte, die als Motorradmagazin-Premium mit dem Stern gekennzeichnet sind, werden nach Lesezeit berechnet. Kein Abo, keine Verpflichtung, volle Transparenz. Dazu sorgt eine schlanke Preis-Obergrenze pro Monat für Kostensicherheit.

23.12.2025

Ducati Panigale Marquez Replica
Ducati Panigale Marquez Replica

Panigale SondermodellMarquez Replica

Die Panigale V4 Márquez 2025 World Champion Replica, ein Sammlerstück in einer Auflage von nur 293 Stück, mit einer von der MotoGP inspirierten Lackierung und exklusiven Komponenten

weiterlesen ›

BMW:

star_half
Motorradmagazin Premium. Redaktionell selbstständiger und unabhängiger Journalismus kostet – Euch ein paar Cent oder Euro. Inhalte, die als Motorradmagazin-Premium mit dem Stern gekennzeichnet sind, werden nach Lesezeit berechnet. Kein Abo, keine Verpflichtung, volle Transparenz. Dazu sorgt eine schlanke Preis-Obergrenze pro Monat für Kostensicherheit.

4.3.2026

Die neue BMW R 1300 R Superhooligan neben der BMW R 90 S von 1976
Die neue BMW R 1300 R Superhooligan neben der BMW R 90 S von 1976

BMW R 1300 R SuperhooliganHommage an das erste siegreiche Superbike

Vor exakt 50 Jahren gewann die BMW R 90 S die allererste Superbike-Meisterschaft: die 1976 erstmals ausgetragene AMA Superbike Meisterschaft. Als Hommage an den Klassiker stellt BMW nun die R 1300 R Superhoologan auf die Räder – ein Einzelstück, das ebenfalls auf der Rennstrecke seine Qualitäten beweisen soll.

weiterlesen ›
star_half
Motorradmagazin Premium. Redaktionell selbstständiger und unabhängiger Journalismus kostet – Euch ein paar Cent oder Euro. Inhalte, die als Motorradmagazin-Premium mit dem Stern gekennzeichnet sind, werden nach Lesezeit berechnet. Kein Abo, keine Verpflichtung, volle Transparenz. Dazu sorgt eine schlanke Preis-Obergrenze pro Monat für Kostensicherheit.

21.1.2026

Wunderlich Edition-X-Kits für BMW GS
Wunderlich Edition-X-Kits für BMW GS

Wunderlich Edition XZwei Enduro Kits

Das EDITION-X-ENDURO Conceptbike hat für viel Aufsehen gesorgt. Jetzt kann man jede BMW R 1300 GS in eine individualisierte EDITION X verwandeln, erhältlich im Trophy- oder Triple-Black-Style.

weiterlesen ›
star_half
Motorradmagazin Premium. Redaktionell selbstständiger und unabhängiger Journalismus kostet – Euch ein paar Cent oder Euro. Inhalte, die als Motorradmagazin-Premium mit dem Stern gekennzeichnet sind, werden nach Lesezeit berechnet. Kein Abo, keine Verpflichtung, volle Transparenz. Dazu sorgt eine schlanke Preis-Obergrenze pro Monat für Kostensicherheit.

20.1.2026

BMW F 450 GS
BMW F 450 GS

BMW Motorrad Messen 2026Start der Messesaison

In den kommenden Monaten vor Saisonstart 2026 wird BMW Motorrad auf vier deutschen Messen, vom Bodensee bis Hamburg, vertreten sein.

weiterlesen ›

:

star_half
Motorradmagazin Premium. Redaktionell selbstständiger und unabhängiger Journalismus kostet – Euch ein paar Cent oder Euro. Inhalte, die als Motorradmagazin-Premium mit dem Stern gekennzeichnet sind, werden nach Lesezeit berechnet. Kein Abo, keine Verpflichtung, volle Transparenz. Dazu sorgt eine schlanke Preis-Obergrenze pro Monat für Kostensicherheit.

4.3.2026

Honda WN7, Modelljahr 2026, in Schwarz fahrend von links nach rechts
Honda WN7, Modelljahr 2026, in Schwarz fahrend von links nach rechts

Erster Test: Honda WN7Wie fährt sich das erste große Elektro-Motorrad von Honda?

Reichweiten, Preise, Laden – Elektromobilität ist mit vielen Fragezeichen behaftet und konnte sich in den vergangenen Jahren nur in Nischen am Markt etablieren. Gelingt dem ersten Elektro-Motorrad des weltgrößten Herstellers diese Hürden zu überwinden? Wir sind die WN7 bereits gefahren.

weiterlesen ›
star_half
Motorradmagazin Premium. Redaktionell selbstständiger und unabhängiger Journalismus kostet – Euch ein paar Cent oder Euro. Inhalte, die als Motorradmagazin-Premium mit dem Stern gekennzeichnet sind, werden nach Lesezeit berechnet. Kein Abo, keine Verpflichtung, volle Transparenz. Dazu sorgt eine schlanke Preis-Obergrenze pro Monat für Kostensicherheit.

3.3.2026

Triumph Trident 660 Modelljahr 2026 in Gelb gefahren in der Kurve von rechts nach links
Triumph Trident 660 Modelljahr 2026 in Gelb gefahren in der Kurve von rechts nach links

Erster Test: Triumph Trident 660 202695 PS, schärferer Look, bessere Ergonomie

Triumph erneuert nach fünf Jahren sein Einsteigerbike mit Dreizylinder: die Trident 660. Wir konnten den schlanken Roadster bereits fahren und schildern euch hier unsere ersten Eindrücke: Macht sich das Mehr an Power bezahlt?

weiterlesen ›
star_half
Motorradmagazin Premium. Redaktionell selbstständiger und unabhängiger Journalismus kostet – Euch ein paar Cent oder Euro. Inhalte, die als Motorradmagazin-Premium mit dem Stern gekennzeichnet sind, werden nach Lesezeit berechnet. Kein Abo, keine Verpflichtung, volle Transparenz. Dazu sorgt eine schlanke Preis-Obergrenze pro Monat für Kostensicherheit.

20.2.2026

Kawasaki KLE500 im Gelände
Kawasaki KLE500 im Gelände

Kawasaki KLE500 TestAllround oder Adventure

Eine Legende kehrt zurück und bleibt sich vielleicht etwas zu treu. Die KLE500 ist eine Allround-Enduro der Alten Schule mit vielen Qualitäten und einer langen Geschichte. Wir haben sie in Almeria On- und Offroad getestet.

weiterlesen ›

Leseprobe gefällig?

Bitte, gerne! Einfach auf das Vorschaubild klicken und schon startet der Download.