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Christoph Lentsch
Autor: Christoph Lentsch
9.6.2021

BMW R 18 Classic TestBreites Land

Text: Christoph Lentsch, Fotos: Kurt Pinter

Es ist kein Geheimnis, dass BMW von der R 18 eine ganze Modellfamilie ableiten will, alles andere wäre nach der Entwicklung des 1802 Kubik großen Big-Boxers auch wirtschaftlicher Wahnwitz. Bis wir für einen Blick auf weitere Varianten hinter den Vorhang gebeten werden (mehr dazu im nächsten Heft), durften wir uns die Zeit mit dem ersten, 365 Kilo schweren Abkömmling des üppigen Cruisers verkürzen. Die Classic ist im Gegensatz zur Urmutter schon ab Werk für den ausgedehnten Spaß zu zweit gerüstet. Sie bietet der Begleitung einen großzügig bemessenen, abnehmbaren Soziuspolster, dem Fahrer angemessenen Windschutz und beiden genug Stauraum für eine genussvolle Wochenendtour.

Die soften Satteltaschen bieten je 15,5 Liter Gepäckvolumen, das die praktischen, aber nicht im Lieferumfang enthaltenen, herausnehmbaren Innentaschen auf je 10 Liter verkleinern. Hinter den klassischen Gürtelschnallen verbirgt sich ein kleiner Fake, der das Öffnen und Schließen der Koffer erleichtern soll, nämlich Steckverschlüsse, deren Handhabung natürlich viel einfacher und schneller vonstattengeht. Nicht jeder wird darüber traurig sein, dass wohl wegen der Koffer der bauchige Fishtail-Auspuff einer geraden Doppelanlage weichen musste.

Neben den genannten Zusatzausstattungen der Classic erhalten Kunden der First Edition weitere exklusive Extras wie die geschichtsträchtige schwarze Lackierung mit handgezogener Doppellinierung, eine im Fahrersitz eingearbeitete Plakette, First-Edition-Embleme an den Seitendeckeln und viel zusätzlichen Chrom. Mit der „Welcome Box“ werden schließlich noch ein paar R-18-Devotionalien für den geneigten Boxer-Fan geliefert.

Im Vergleich zur R 18 sitzt man um 20 Millimeter höher über dem monumentalen Flat-Twin, durch den Sozius am Steiß besser gestützt, die fetten Griffe des breiten Lenkers, der solch einem Koloss würdig ist, in den Händen und fühlt sich plötzlich wie Alice im Wunderland nach dem Genuss der Schrumpfpille. Am Steuer fällt neben den üblichen Knöpfen zum Schnellwechsel der drei Fahrmodi Rock, Roll und Rain ein neues Bedienelement auf: der Schieber des Tempomaten, hier serienmäßig verbaut.

Ansonsten beschränken sich die elektronischen Features auf ein Teilintegral-ABS, eine Traktionskontrolle (ASC) und eine Motorschleppmoment-Regelung (MSR). Wer versucht, das bis zu 560 Kilogramm schwere Konglomerat aus Mensch und Maschine kraft der Oberschenkelmuskulatur (richtig formuliert?) rückwärts vom Parkplatz zu schieben, wünscht sich den winselnden Gesang der Rückfahrhilfe herbei, doch die gibt es nur für die Zusatzsumme von 1134 Euro.

Leicht wird auch die Classic nur, sobald sie von 91 PS und 158 Newtonmetern in Bewegung gewuchtet wurde. Dann gleitet sie plötzlich tief und schwer, aber überraschend beweglich über den Asphalt und lädt den Fahrer zum heiteren Schunkeln ein wie ein freundlicher Sitznachbar am Münchner Oktoberfest. Vorne gibt bei der Classic statt des 19-Zoll-Rads ein wulstiger 16-Zöller in 130er Breite die Richtung vor, der ihr eine noch bulligere Optik verleiht.

Der Gummi verfügt zudem über mehr Eigendämpfung. Der Reisekomfort ist grundsätzlich hoch, nur den sechsfach verschraubten Windschild würde man gerne verstellen und nach längerer Fahrzeit die Beine doch auch mal nach vorne strecken können. Vielleicht hätte BMW wenigstens die Trittbretter noch in die Serienausstattung aufnehmen können, auch wenn die 176 Euro extra beim Gesamtpreis keine Rolle spielen dürften.

Auch wenn die Tage länger werden, ist die Zeit, die man gerne im Schoß der vollbusigen Matrone verbringen möchte, gerät meist viel zur kurz. Versinkt die Sonne schneller hinter dem Horizont als die Reiter ihr Ziel erreicht haben, leuchten Zusatzscheinwerfer den Weg in die Herberge. Die Welt öffnet ihre Tore vor diesem eisernen Giganten, in dessen gewaltiger pulsierender Brust eine sanfte Seele wohnt. Nur die zwischen tiroler Gebirgszügen mäandrierenden Asphaltbänder versinken unter dem Echo von 99 Dezibel im Tal der Tränen. (Hinweis: Das Standgeräusch wurde laut BMW mittlerweile auf unter 96 dB reduziert.)

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KTM 890 Adventure 2023
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Test: KTM 890 Adventure 2023Lückenschluss

Die eigenwillige Optik von KTM 790 und 890 Adventure, bei denen zwischen Lichtmaske und Tank eine stattliche Lücke klafft, war bei Motorradfahrer-Benzingesprächen stets ein Grund für erregte Gemüter. Für 2023 spendiert KTM der 890 Adventure nun eine neue, durchgängige und viel gefälligere Frontverschalung. Und auch sonst umfasst das jüngste Upgrade der Midsize-Adventure noch viel mehr als nur den optischen „Lückenschluss“.

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