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Christoph Lentsch
Autor: Christoph Lentsch
17.6.2021

Honda CB1000R Black Edition TestSchwarzarbeit

Text: Clemens Kopecky, Fotos: Andreas Riedmann

Eigentlich kennen wir vom Motorradmagazin die CB1000R im „Neo Sports Café“ Look in- und auswendig. Direkt nach ihrer Markteinführung 2018 begleitete sie uns durch eine intensive Dauertest-Saison, schon damals mit (abgesehen vom schwammigen Federbein und dem Leistungsdefizit im unteren Drehzahldrittel) beinahe klaglosem Resümee. Ihre Verarbeitungsqualität war auch im Premierenjahr über jeden Zweifel erhaben, doch das Design des „Pseudo-Retro-Bikes“ sorgte für hitzige Diskussionen. 

2021 ist alles anders. Honda spendiert der CB1000R im Zuge des notwendigen Euro-5-Updates eine umfassende Modellpflege samt Facelift. Neben filigraneren Sieben-Speichen-Felgen, schlankerem Alu-Heckrahmen, minimalistischeren Leichtmetall-Blenden und diversen Styling-Kleinigkeiten steht ein tropfenförmig nach hinten geneigter LED-Scheinwerfer im Zentrum der Retusche. In Kombination mit dem reduzierten Bodywork verleiht die neue Lichtmaske Hondas minimalistischem Naked-Bike-Flaggschiff jene Prise dynamischer Sportlichkeit, die viele bislang vermisst haben. 

Den drei Standard-Farbvarianten (Matt-Silber, Matt-Schwarz, Rot) um jeweils 14.990 Euro wird außerdem die 1700 Euro teurere „Black Edition“ zur Seite gestellt. In puncto Ausstattung unterscheidet sie sich eigentlich nur durch den bereits ab Werk implantierten Quickshifter, die Sozius-Abdeckung und einen kleinen Fly-Screen über der Scheinwerferblende. Doch als sich das Garagentor von Honda Österreich anlässlich unseres erstes Roll-Outs auf der CB1000R Black Edition öffnet, bleibt sogar uns abgebrühten Zweirad-Reportern vor Staunen fast die Spucke weg.

Auf den ersten Blick wirkt die Edel-Variante mit allgegenwärtigem Schwarz und zahlreichen liebevollen CNC-Fräselementen fast wie ein exklusives Custombike-Einzelstück – gefertigt von den geschickten Händen eines perfektionistischen Ästheten. Obwohl Geschmäcker bekanntlich verschieden sind und die (Nicht-)Farbe Schwarz an Motorrädern seit jeher die Gemüter spaltet, scheint es in diesem Fall kaum vorstellbar, dass jemandem diese „Black Beauty“ nicht gefallen könnte.

Alleine die veredelten Felgen, die aufwändig verarbeitete Alu-Lenkerklemme, die schwarz beschichtete Showa-Gabel und die brünierten, gebürsteten Metall-Applikationen treiben dem Betrachter fast schon Freudentränen in die Augen – und lassen den Aufpreis zur Standard-CB1000R im Handumdrehen vergessen. Keine Frage, die Black Edition ist eine Augenweide höchster Güte und jeden Cent wert.

Fast schon zu schön für den Staub der Straße scheint das „Custombike von der Stange“ zu sein – trotzdem bleibt natürlich auch dieser CB1000R eine ausgiebige Testfahrt nicht erspart. Ringen wir also nach Contenance und gehen ohne Umschweife in medias res: Beim Druck auf den Startknopf erwacht der ursprünglich aus der Fireblade SC57 aus 2004 stammende 998-Kubik-Reihenvierzylinder lautstark zum Leben.

Sozial fragwürdige 97 Dezibel Standgeräusch offenbart der Zulassungsschein – das Tiroler Außerfern ist für die CB1000R damit tabu. Die Überarbeitung der optisch makellosen 4-2-1-Auspuffanlage hat offenbar auch die Intensität des kernig-dunklen Sounds gesteigert. Das Vorgängermodell war deutlich leiser, wie wir uns nach vielen Monaten Dauerbetrieb vor drei Jahren zu erinnern glauben.

Eindrucksvoll und wirksam geglättet haben die Honda-Ingenieure die Leistungskurve der CB1000R. Zwar stemmt das Triebwerk nach wie vor 145 PS und 104 Nm Drehmoment auf den Asphalt, überarbeitete Einspritz-Einstellungen wirken sich jedoch äußerst positiv auf die Gleichmäßigkeit der Kraftentfaltung aus. In Kombination mit dem knackigen, kurz übersetzten Getriebe und der direkteren Gasannahme ist die nackte Honda bei niedrigen und mittleren Drehzahlen kaum wiederzuerkennen.

Sofort nach dem Einkuppeln schiebt das kultivierte, vibrationsarme Reihentriebwerk manierlich vorwärts und erreicht zwischen 6000 und 8000 Touren auf Landstraßen seinen Wohlfühlbereich. Keine Spur mehr von der einstigen Beschleunigungsschwäche im unteren Drehzahldrittel, im Gegenteil: Plötzlich bekommt die souveräne, dreistufige Traktionskontrolle beim beherzten Einschenken mit der Gashand einiges zu tun. 

Nach wie vor erfüllt die tadellose Tokico-Bremsanlage im Landstraßen-Einsatz sowohl bei Kraft und Dosierbarkeit höchste Ansprüche, das ein wenig rustikale ABS muss weiterhin ohne schräglagensensitive Kurvenfunktion auskommen. Beim Chassis gibt es abgesehen vom neuen Alu-Hilfsrahmen ebenfalls nichts Neues zu vermelden: Die Tourentauglichkeit im bequemen Pilotensitz bleibt dank geradem Rücken, kommodem Kniewinkel, schlankem 16,2-Liter-Tank und entlasteter Handgelenke im Naked-Bike-Segment weiterhin überdurchschnittlich.

Die Performance der konventionell mittels Schraubendreher-Klicks justierbaren Showa-Komponenten ist für den Einsatz abseits der Rennstrecke allemal gut genug, obwohl an dieser Stelle wohl das größte Potenzial für den nächsten Modell-Feinschliff schlummert. Dennoch überzeugt die kompakte CB1000R unterm Strich mit fantastischer Handlichkeit, hoher Linien-Präzision und passablen Rückmeldungen. 

Neben der harmonischeren Leistungsentfaltung findet sich das zweite große Highlight des CB1000R-Uprades im Cockpit: Das einstige LCD wird endlich durch ein brandneues, kontraststarkes 5-Zoll-TFT-Instrument ersetzt. Jenes lässt sich tadellos intuitiv und „deppensicher“ über einen griffigen 4-Wege-Schalter an der linken Lenkerarmatur bedienen. Für die Anzeige stehen vier Layout-Modi und drei Hintergrund-Farben zur Wahl.

Die bevorzugten Informationen auf den 16 Positionsfeldern des Bordcomputers lassen sich völlig individuell anordnen, die drei Parameter Motorbremse, Traktionskontrolle und Kraftentfaltung im „User“-Modus (neben den fixen Modi Sport, Standard und Rain) simpel programmieren. Auf Wunsch kann unter anderem auch die Schaltkraft des Quickshifter dreistufig justiert und die automatische Blinkerrückstellung deaktiviert werden. Das Koppeln mit dem unter der Sitzbank an der USB-Ladebuchse verstauten Smartphone konnten wir leider nicht testen – die notwendige „RoadSync“-App ist in Österreich derzeit noch nicht erhältlich.

Einen Bericht dazu reichen wir hoffentlich in Kürze im Rahmen eines umfangreichen Naked-Bike-Vergleichstests nach. Dann sollen sogar Sprachsteuerung, SMS-Diktat, Musiksteuerung, Anrufannahme und Pfeil-Navigationsanzeigen direkt am Farbmonitor möglich sein. Unterm Strich verdienen Funktionsumfang und Menüführung schon jetzt allerhöchstes Lob – und dass sich das brillante Display bei sämtlichen Lichtbedingungen stets gut entziffern lässt, ist ebenfalls alles andere als ein Nachteil.

Chapeau, Honda! Das durchwegs gelungene Upgrade der CB1000R beweist, dass man ein Fahrzeug nicht zwangsläufig komplett runderneuert auf die Räder stellen muss, um es dem verwöhnten Publikum erneut schmackhaft zu machen. Mit Fingerspitzengefühl und vergleichsweise kleinen – aber dennoch feinen – Optimierungsmaßnahmen an Bodywork, Motor und Cockpit wandeln sich die einstigen Schwächen des japanischen Naked Bikes plötzlich zu handfesten Stärken. Die „Black Edition“ setzt der konsequenten Evolution zu guter Letzt die Krone auf und könnte unter Motorradfahrern einen neuen Trend zum „Schwarz sehen“ auslösen.

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