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Christoph Lentsch
Autor: Mag. (FH) Christoph Lentsch
christoph.lentsch@motorrad-magazin.at
1.2.2023

Triumph Tiger 1200 Rally ProDauertest Zwischenbericht

In Hinckley hat man viel Zeit und Mühe investiert, um die große Tiger zu modernisieren und einen direkten Angriff auf den Platzhirsch von BMW zu starten. Stärker, leichter, wendiger und technisch auf der Höhe der Zeit stehend, ist ihr das auch zweifellos gelungen (siehe unser großer Vergleich im Motorradmagazin 4-2022). Wir haben uns in dieser Saison für die im Vergleich mit der GT deutlich geländetauglichere Rally Pro entschieden, weil wir explizit ihre Langstrecken-Fähigkeiten auf schlechten Straßen, Feldwegen und ausgiebigen Schotterpassagen testen wollen.

Unsere Tiger ist mit den beiden Expedition-Koffern aus Aluminium (inklusive Montageset 1127,38 Euro) von Triumph ausgestattet, die wir bei längeren Fahrten grundsätzlich dabei haben. Die beiden exzellent bedienbaren Top-Lader sind äußerst robust, mit 5,6 Kilo pro Koffer aber auch relativ schwer. Jeder Koffer darf mit 7,5 Kilo Gepäck beladen werden. Das reicht mit dem Volumen von jeweils 37 Liter auch für längere Reisen, wobei durch die schlanke Bauart kein Helm hinein passt. Der müsste also beispielsweise in das als Zubehör erhältliche Expedition-Topcase, das Triumph um 422,52 Euro anbietet und wie die Seitenkoffer mit dem Zündschlüssel sperrbar ist.

Ein Nachteil der quaderförmigen Seitenkoffer ist ihre ungünstige Aerodynamik. Auf der Autobahn ist unabhängig von der gewählten Einstellung des ansonsten mustergültigen semiaktiven Fahrwerks immer ein dezentes Schaukeln dabei, das ohne Koffer vollständig verschwindet. Das gilt auch für den leichten Shimmy bei 80 km/h, den die Koffer sowohl leer als auch voll beladen verursachen. Eine Schwingungsentkoppelung der Koffermontage – wie etwa bei KTM – könnte hier Wunder wirken.

Apropos Aerodynamik: Das Windschild geht in Ordnung, seine Verstellbarkeit während der Fahrt mit nur einem Handgriff ist sogar perfekt. Fahrer über 180 Zentimeter erzielen mit dem Windabweiser (160,33 Euro) aus dem Triumph-Zubehör eine deutliche Reduktion der sonst lauten Turbulenzen über dem Helm, müssen sich aber an seine großflächige schwarze Montageklammer im Sichtfeld gewöhnen. Ein Nebeneffekt des Windschilds ergibt sich durch seine aufwändige 3D-Formgebung: Fährt man nachts mit voller Helligkeit des TFT-Displays, breitet sich ein deutlich vergrößertes Spiegelbild der bunten Anzeigen an der Innenseite des Windschilds aus. Das empfinden wir als äußerst irritierend und ist nur über ein händisches Nachjustieren der Helligkeit verbesserbar. Eine geeignet abgestimmte Automatik wäre hier sinnvoll, denn ein Sensor für die Umgebungshelligkeit ist vorhanden.

Wer sein Smartphone am Lenker montieren will, sucht vergeblich nach einem USB-Anschluss. Vorne ist zwar eine DIN-Steckdose vorhanden, für die man aber einen geeigneten USB-Adapter besorgen muss. Triumph geht offenbar davon aus, dass man sein Smartphone in der unter dem Soziussitz befindlichen wasserdichten Handyschale am dortigen USB-Adapter anschließt und via Bluetooth mit dem Connectivity-System des TFT-Displays verbindet.

Auf Bundesstraßen fällt uns bei 100 – 110 km/h ein sehr lauter „Sington“ auf, der alle anderen Fahrgeräusche übertrifft und eindeutig vom Vorderreifen kommt. Sehr wahrscheinlich beruht das auf einer Resonanz, die jedenfalls auf der Tiger 1200 Rally Pro vom Profil der Metzeler Karoo Street angeregt wird. Nicht ausgeschlossen, dass es bei stärker abgefahrenem Profil verschwindet. Ein Update dazu gibt es beim nächsten Zwischenbericht.

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