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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
5.2.2021

Suzuki Hayabusa 2021Alle Infos zur dritten Generation!

Als die erste Hayabusa im Jahr 1999 erschien, schlugen die Pauken und schallten die Trompeten: Das erste Serienmotorrad für 300 km/h war geboren! Doch so schnell wie der Jubel losbrach traten auch die Kritiker aufs Tapet, sodass sich die Hersteller zu einer freiwilligen Selbstbeschränkung verpflichteten und das Topspeed-Wettrüsten offiziell bei 299 km/h einfroren.

Also ging auch die zweite Generation der Suzuki Hayabusa, die ab dem Jahr 2008 mit 197 PS deutlich stärker war als die erste Generation mit ihren 175 PS, „nur“ 299 km/h. Am Image der Speed-Rakete hat sich dadurch aber nichts geändert, im Gegenteil: Mit insgesamt rund 180.000 Exemplaren kann die Suzuki Hayabusa auch als Markterfolg gelten – und stellt die Inkarnation des pfeilschnellen Eilflugs auf zwei Rädern dar. Umso verwunderlicher, dass Suzuki dieses Flaggschiff nicht mehr für Euro 4 fit gemacht, sondern es stillschweigend vor einigen Jahren eingestellt hat. 

Doch damit ist nun Schluss: 2021 kehrt der Wanderfalke (japanisch: Hayabusa) wieder ins Lineup von Suzuki zurück. Die ersten Exemplare sollen bereits Ende März bei den Händlern eintreffen, den Preis (zumindest für Österreich) findet ihr bereits unten im Text. Zuvor gibt’s aber einen genauen Blick auf alles, was zwischen der zweiten und dritten Generation passiert ist.

Eine Meldung gleich vorab: Wer sich ein bahnbrechend neues Motorrad gewünscht hätte, der muss sich umstellen. Die dritte Generation der Suzuki Hayabusa baut ganz stark auf der zweiten Generation auf, sowohl stilistisch als auch technisch. Und noch eine schlechte Nachricht für Leistungsfreaks: Wer gehofft hat, dass die neue Hayabusa wie das Urmodell eine neue Zeitrechnung in Sachen Leistung und Topspeed beginnt, wird auch enttäuscht. Im Gegenteil, die neue Hayabusa gibt sich sogar eine Spur moderater als die alte: Die Leistung sinkt von 197 auf 190 PS, das maximale Drehmoment von 155 auf 150 Newtonmeter. Die Quelle der Kraft ist – zumindest rein äußerlich – identisch: Es ist ein flüssig gekühlter DOHC-Vierzylinder mit 1340 Kubikzentimeter Hubraum.

Jetzt aber die guten Nachrichten: Abgesehen davon, dass der Motor natürlich Euro 5 erfüllt, blieb in seinem Inneren fast kein Stein auf dem anderen. Fast jede Komponente ist neu und optimiert, von den Kolben über die Pleuel bis hin zum Nockenwellenantrieb. Natürlich wurde auch der Ansaugtrakt (Ram-Air, Airbox, Einspritzung) ebenso neu gestaltet wie das Abgasystem. Bei Letzterem konnten die Suzuki-Ingenieure dank eines neuen Vorschalldämpfers sogar auf etwas schlankere und zwei Kilo leichtere Endschalldämpfer zurückgreifen – und das, obwohl nun auch hier kleine Katalysatoren verbaut sind, zusätzlich zu einem großen unterhalb des Motors.

Unterm Strich wollen die Motorentechniker mit all den Maßnahmen nicht nur saubere Emissionswerte zustande gebracht haben, sondern auch eine fülligere Drehmomentkurve im unteren und mittleren Bereich. Davon soll die Fahrbarkeit im Alltag profitieren, aber auch die Performance. Der Topspeed liegt natürlich weiterhin festgenagelt bei 299 km/h, aber im Sprint verspricht Suzuki sogar Fortschritte. Die Achtelmeile will die neue Hayabusa um eine Zehntelsekunde schneller durchmessen haben als ihre Vorgängerin (6,8 statt 6,9 Sekunden). Von Null auf 100 soll der neue Wanderfalke sogar um zwei Zehntel schneller sein: Er braucht 3,2 statt 3,4 Sekunden.

In Sachen Style modernisiert die neue Hayabusa das bekannte Design nur behutsam, wie man auch am Foto oben erkennt. Der charakteristische, gewölbte Bürzel ist weiterhin zu finden, auch die Grundform blieb erhalten, selbst wenn natürlich jeder Karosserieteil neu ist und schärfer wirkt. Das gilt auch für die Front, die nun ein schmaler LED-Scheinwerfer dominiert. Zu seinen Seiten finden sich schmal geschlitzte LED-Positionslichter, die zu Blinkern mutieren. Auch die futuristische Heckleuchten-Einheiten wirkt wie von einer fliegenden Untertasse abgeschraubt.

Bevor wir zu unserem Lieblingsthema, der Elektronik kommen, noch ein Blick auf die Hardware: Der Alu-Brückenrahmen wurde mit ganz minimalen Adaptionen komplett von der letzten Generation übernommen, daher gibt’s auch keine News in Bezug auf Radstand, Sitzhöhe und Co. Einzig die Ergonomie wurde – ebenfalls nur ganz leicht – verändert, indem der geteilte Lenker um 12 Millimeter näher zum Fahrer rückt. Das soll ein wenig für Entspannung sorgen, falls das auf der Rakete überhaupt möglich ist. Auch der Beifahrer erhält einen griffgünstigeren Haltebügel am Heck.

Die weiterhin voll einstellbaren KYB-Federelemente wurden neu abgestimmt, kommen aber weiterhin ohne Elektronik aus. Ein deutliches Update gab’s hingegen bei den Bremsen: Die vorderen Scheiben wuchsen von 310 auf 320 Millimeter Durchmesser, dazu werden nun hochwertige Brembo-Stylema-Sättel verbaut. Die Bereifung blieb unangetastet (mit 190er hinten), allerdings kommen feingliedrige 7-Speichen-Räder zum Einsatz. Trotz einiger Areale, an denen Gewicht gespart wurde, konnte man das Gewicht des Vorgängermodells nicht erreichen, sondern legte um vier auf 264 Kilo fahrfertig zu.

Wer angesichts der zwei großen, analogen Instrumente denkt, dass Suzuki bei der Elektronik Zurückhaltung übt, der lässt sich täuschen. Die neue Hayabusa ist das aktuell fortschrittlichste Modell von Suzuki und hat praktisch alles an Bord, was der Stand der Technik an zeitgemäßen Assistenzsystemen zu bieten hat. Zwei Ausnahmen: Die Radartechnologie, die heuer so en vogue ist, bleibt der Hayabusa genauso erspart wie ein elektronischer Schlüssel.

Grundvoraussetzungen für die Hightech-Offensive sind zwei wichtige Komponenten: die Sechs-Achsen-IMU von Bosch und die Motorsteuerung mittels Ride-by-Wire. Sie sind die Bausteine für eine ganze Reihe an Funktionen, die Suzuki unzter dem neuen Begriff „Suzuki Intelligent Ride System“ (S.I.R.S.) bündelt. Dazu gehören vor allem die drei konfigurierten Fahrmodi (A/B/C – Active, Basic und Comfort), die von drei frei wählbaren User-Modi ergänzt werden.

Warum drei User-Modi? Weil die Fahrmodi ungewöhnlich viele Parameter beeinflussen. Dazu gehören:

• Die schräglagenabhängige Traktionskontrolle (10 Stufen und abschaltbar)
• Die Power-Modi, also Gaskennlinie (3 Stufen, wobei die dritte Stufe leistungsreduziert ist)
• Den Quickshifter für up/down (2 Stufen)
• Das Anti-Lift Control System vulgo Wheelie-Kontrolle (10 Stufen und abschaltbar)
• Die Motorbremswirkung (3 Stufen und abschaltbar)

Neben diesen Systemen, die von den Fahrmodi mitgeregelt werden, bietet die neue Suzuki Hayabusa noch weitere serienmäßige Hilfs-Systeme:

• Ein Kurven-ABS, das sich hier Motion Track Brake System nennt und zudem eine Integral-Funktion besitzt (CBS): Bremst man vorne, wird automatisch hinten mitverzögert
• Einen Berganfahrassistenten
• Einen Tempomaten, der zwischen 31 und 200 km/h funktioniert
• Einen Active Power Limiter. Nicht ganz unwichtig bei der Rakete: Man kann selbst einen Speed definieren, über den man nicht beschleunigt. Ein volles Aufreißen des Gasgriffs erlaubt aber ein kurzzeitiges „Überziehen“, etwa bei Überholmanövern.
• Eine Launch Control (3 Stufen)
• Das Slope Dependent Control System. Es verhindert beim Bergahfahren ein Abheben des Hinterrads beim zu starken Bremsen
Easy Start System. Kennt man bei Suzuki bereits: Ein kurzer Durck auf den Startknopf genügt, der Starter dreht so lange, bis der Motor zündet
Low RPM Assist. Auch das ist bekannt: Beim Anfahren wird die Drehzahl automatisch leicht erhöht, um ein Absterben des Motors beim Einkuppeln zu vehindern.
Emergency Stop Signal. Erstmals bei Suzuki werden Nachfahrende bei Notbremsungen visuell gewarnt.

Diese sehr zahlreichen und zum Teil komplexen Assitenten und Systeme werden mit erstaunlich wenigen Tasten und Schaltern an den Lenkerenden gemanagt. Ablesbar und abrufbar sind sie via TFT-Diplay, das den Raum zwischen den beiden großen Rundinstrumenten einnimmt.

Die neue Suzuki Hayabusa des Modelljahrs 2021 wird in drei Farbkombinationen verfügbar sein: Schwarz/Gold, Mattsilber/Rot, Weiß/Mattmetallic-Blau. Dazu wird es auch einiges an Zubehör geben, unter anderem einen um knapp 4 Zentimeter höheren Windschild. Die ersten Exemplare sollen noch, wie erwähnt, Ende März bei den Händlern eintreffen.

Bleibt uns am Ende noch die Verkündigung des Preises, den wir aber vorderhand nur für Österreich nennen können: 22.490 Euro sind’s. Und wir freuen uns schon auf die erste Ausfahrt!

Suzuki Hayabusa 2021 – technische Daten

Vierzylinder-Reihenmotor, DOHC, 16V, flüssig gekühlt
Hubraum: 1340 ccm
Bohrung/Hub:81 x 65 mm
Leistung: 140 kW (190 PS) bei 9700 U/min
Max. Drehmoment: 150 Nm bei 7000 U/min
6-Gang-Getriebe mit Quickshifter 

Alu-Brückenrahmen
Alu-Zweiarmschwinge
43-mm-USD-Gabel (KYB, voll einstellbar)
Zentralfederbein (KYB, voll verstellbar)
Federwege: k.A.
Reifen: 120/70-17 und 190/50-17
Bremsen vorne: zwei 320-mm-Scheiben mt Brembo-Stylema-4-Kolben-Sättel
Bremsen hinten: eine Scheibe mit Nissin-1-Kolben-Bremssattel

Radstand: 2180 mm
Sitzhöhe: 800 mm
Tankinhalt: 20 l
Gewicht fahrfertig: 264 kg

Verbrauch (WMTC): 6,7 l/100 km

0–200 m: 6,8 s
0–100 km/h: 3,2 s
Topspeed: 299 km/h

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