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Clemens Kopecky
Autor: Clemens Kopecky
20.3.2018

Husqvarna Vitpilen 701WENIGER IST MEHR ALS GENUG

Im November 2015 wurde der Prototyp der Husqvarna 701 Vitpilen auf der EICMA vorgestellt, diese Woche läuft in Mattighofen endlich die Serienproduktion des „weißen Pfeils“ an. Wir haben die Vitpilen rechtzeitig zum Marktstart bereits auf Herz und Nieren geprüft und können versprechen: die Retro-Husky schaut nicht nur fesch aus und ihrem damaligen Prototyp erstaunlich ähnlich, auch in Sachen Fahrspaß lässt sie sich nicht lumpen. Lassen wir die technischen Daten jetzt einmal beiseite, die wichtigsten Fakten haben wir ohnehin bereits hier zusammengefasst. Schwingen wir uns lieber gleich in den äußerst kernig gepolsterten, 83 Zentimeter hohen Sattel und erwecken den 693-Kubik- Einzylinder per Knopfdruck zum Leben.

Das aktuelle Triebwerk kennt man bereits aus der erfolgreichen 701 Supermoto, für den Einsatz in der Vitpilen 701 wurde lediglich die Endübersetzung und das Getriebe überarbeitet. Statt bisher vier Schaltklauen verbauen die Mattighofener jetzt fünf – eine Maßnahme, die nicht nur wegen des neuen, serienmäßigen Quickshifters notwendig war. Auch die Präzision bei Gangwechseln hat sich im Vergleich zur 701 SM drastisch verbessert: an der Drift-Waffe ist man bei halbherzigen Schaltvorgängen bekanntlich immer wieder mal zwischen den Gängen gelandet. Mit dem neuen Schaltassistenten der Vitpilen flutschen die Gänge hingegen beim Hochschalten wie frisch geschmiert, und auch das kupplungsfreie Herunterschalten klappt dank kluger Abstimmung des Ride-by-Wire-Systems ab mittlerer Drehzahl recht ordentlich. Hier muss jedenfalls anerkannt werden, dass die Abstimmung eines Quickshifters an einen Einzylinder-Motor wegen der starken Motorbremswirkung deutlich diffiziler ist als bei Mehrzylinder-Triebwerken.

Abgesehen von Quickshifter, abschaltbarem Bosch-ABS und deaktivierbarer Traktionskontrolle wurde die Elektronik-Ausstattung der Vitpilen von Husqvarna bewusst spartanisch gehalten – dass die Assistenzsysteme angesichts des nicht ganz günstigen Anschaffungspreises von 11.298 Euro technisch simpel gestrickt sind und nicht (wie bei der KTM 790 Duke) schräglagenabhängig intervenieren, ist im Sinne maximaler Verkehrssicherheit dennoch ein wenig schade. Dafür punktet die 701 Vitpilen mit hervorragend dosierbarer, kräftiger Brembo-Bremsanlage und fein dosierbarer, hydraulischer Kupplungsbetätigung von Magura, dank der man Wheelies im ersten und zweiten Gang ganz locker aus dem Handgelenk schüttelt. Auch die WP-Split-Gabel mit justierbarer Zug- und Druckstufe sowie das straffe, in der Vorspannung adaptierbare WP-Federbein brillieren im kurvenreichen Hinterland von Barcelona mit sensiblem Ansprechverhalten und glasklarem Chassis-Feedback. Die Superkraft der Vitpilen ist ihre unfassbare Handlichkeit, die jedem Zweizylinder naturgemäß eine Nasenlänge voraus ist. Sowohl die geringen rotierenden Massen im Inneren des Motors als auch die 157 Kilo Leergewicht sorgen für die spielerische Wendigkeit, die man in dieser Intensität derzeit eigentlich nur auf KTM 690 Duke und Husqvarna 701 SM/Enduro erlebt.

Dazu hängt der austro-schwedische Eintopf spritzig am Gas und presst auf Kommando jederzeit motiviert vorwärts. Vor dem charismatischen Einzylinder mit 74 PS Nennleistung und 72 Newtonmetern Drehmoment kann man eigentlich nur warnen: nach einer flotten Probefahrt im kurvenreichen Winkelwerk sorgt das unfassbar vibrationsarme Triebwerk in Kombination mit dem spielerischen Handling und der hervorragenden Bremse für höchste Suchtgefahr. Superneutral entert die Vitpilen 701 den Radius und hält präzise die anvisierte Linie. Ist man zu schnell dran, wirft man einfach kurz den Anker und drückt die Husky noch enger in Schräglage – alles ohne nervöses Wimpernzucken. Wer sich konzentriert dem Kurventanz widmet, kann außerdem den etwas spitzen Kniewinkel und die moderat vorgebeugte Oberkörper-Position länger ignorieren – eine volle 12-Liter-Tankfüllung hält man bei kurzweiliger Streckenführung im Sattel der Vitpilen problemlos aus, erst bei der Zwangspause an der Zapfsäule machen sich zarte körperliche Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Egal, Weltenbummler sind ohnehin nicht die Hauptzielgruppe der neuen Husqvarna. Sie will vorwiegend am Weg zur Arbeit oder auf der Feierabend-Runde glänzen.

Trotz der unmittelbaren Kraft-Explosion des quirligen Einzylinders sind absolut keine lästigen Lastwechsel spürbar – die Vitpilen 701 lässt sich auch bei Stop-and-Go-Verkehr tadellos und ruckelfrei durch den Stadtverkehr dirigieren. Leise Kritik muss sich höchstens das runde LCD-Cockpitinstrument gefallen lassen. Wir behaupten: es ist weder eine Design-Augenweide noch besonders gut ablesbar. Obendrein dürfte das großflächige Plexiglas für Kratzer recht anfällig sein. Aber Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, und irgendwo muss ja auch Verbesserungspotenzial für die zweite Modell-Generation bleiben. Abgesehen davon gibt es am optischen Auftritt der klassisch-puristischen Vitpilen absolut nichts zu meckern – nichts stört den coolen Neo-Vintage-Look. Elegante Details wie der gefräste Tankdeckel, die stylische LED-Lichtanlage oder das flache, abgespeckte Heck unterstreichen den hochwertigen, edlen Gesamteindruck.

Insgesamt 120 Exemplare der Vitpilen 701 werden 2018 bei den Österreichischen Händlern verfügbar sein – man darf also gespannt sein, ob Husqvarna ab sofort trotz immenser Konkurrenz im Vintage-Segment auch diese Sparte erobern kann.

Motorrad Bildergalerie: Husqvarna Vitpilen 701 2018

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Es sind die einfache Dinge im Leben, die wirklich schwierig sind. Nicht anders erging es den Jungs von MotoShed, die eigentlich nur ein simple Idee für ein unkompliziertes Bike hatten ... Zwei Mitarbeiter der Custom-Garage konnten die Indian Scout Sixty kurz nach ihrer Vorstellung fahren und waren begeistert vom klaren Design und der satten Leistung des Power-Cruisers. Und was ein Customizer mag, das will er auch verändern. In diesem Fall war es eigentlich nur der Auspuff, der kaum sichtbar unter den Sitz verlegt werden sollte. Und damit begannen schon die Probleme.

Hunderte Stunden Planung, Diskussionen und harte Arbeit flossen danach in das Projekt. Die Scout sollte neben dem neuen Auspuff eine aggressivere Sitzposition, ein besseres Fahrwerk und mehr Bodenfreiheit erhalten. Damit sollte die Schräglagenfreiheit und letzendlich die Dynamik des Cruisers verbessert werden. Alles, was nicht unbedingt notwendig war, wurde abmontiert, anderes durch bessere Teile ersetzt. Vor allem unter der Sitzbank musste Platz für die Endrohre geschaffen werden, was sich als schwierigster Teil des Umbaus herausstellte, denn dort liegen einige wichtige Teile wie die Batterie, die ECU und viel Kabelsalat. Durch die Verlegung einer kleineren Batterie anstelle des ABS-Kästchens wurde dieses Problem gelöst und die nächsten beiden offenbarten sich: Wie führt man die Rohre unter den Sitz? Und noch viel wichtiger: Wie hält man die Hitze vom Gesäß fern? 

Ein Hitzeschild für den Sitz wurde angefertigt und die Krümmer kunstvoll unten durch geschlängelt. Ein Dynojet Power Vision CX sorgt dafür, dass der Motor mit der neuen, extrem reduzierten Auspuffanlage perfekt läuft, wenngleich sie derzeit sogar für die USA etwas zu laut ist. Die neue Sitzposition erforderte die Montage eines neuen Renthal-Lenkers und Rizoma-Fußraster. Eine straffere Federung hält das Bike höher über dem Asphalt.

An der Road Runner arbeitete nicht alleine das Team von MotoShed, sondern auch andere Experten, wie Chris Walton von CW Engineering, der die Metallarbeiten durchführte, oder Steve Adams, Ex-Aston Martin Sattlermeister, der für den 1920er Solo-Sitz und die Lackierung zuständig war. 
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